Ortserweiterung

Gegen-BI will Eichen nicht „springen“ lassen

Der Sprung über die Bundestraße 521 und der damit einhergehenden Entwicklung und Bebauung von 40 000 Quadratmeter Ackerfläche sorgt für Streit in Eichen. Nun reaktiviert sich die Bürgerinitiative „Eichen – sprunglos glücklich“ und will die Ortserweiterung verhindern.

Die Meinungen zum Mischgebiet jenseits der B 521 gehen auseinander. Zwei Bürgerinitiativen haben sich in den vergangenen Jahren gebildet, welche die verschiedenen Interessen der Dorfbewohner vertreten wollen. Die Bürgerinitiative „Ja zu Eichen – Ja zum Mischgebiet an der B 521“ setzt sich seit 2013 für einen „Sprung“ über die B 521 ein.

Sie will die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Infrastrukturmaßnahmen unterstützen. Die BI engagiert sich für die Entwicklung der Fläche aus dem regionalen Flächennutzungsplan. Doch die Gegner melden sich nun intensiver zu Wort. So reaktiviert sich die überparteiliche Bürgerinitiative „Eichen – sprunglos glücklich“. Deren Mitglieder sind der Meinung: „Wir brauchen keine Erweiterung über die Bundesstraße hinweg.“

Die Initiative beschäftigt sich schon lange mit den Innenentwicklungen des Dorfes und sieht gerade die ländliche Struktur als ein Stück Lebensqualität an, die erhalten bleiben sollte. „Als das Feuerwehrgerätehaus nicht über die B 521 verlegt wurde, sondern einen Standort im Ortskern gefunden hatte, dachten wir eigentlich, das Thema um den Sprung sei vom Tisch“, sagt Joachim Fehl, Mitglied der Gruppe. Doch die Gruppe „Ja zu Eichen“ würde sehr am „Sprung“ festhalten.

„Deshalb wollen wir nun wieder unsere ursprünglichen Interessen deutlich machen“, führt er fort. Wichtig sei es der Initiative, klarzustellen, dass nicht alle Eichener einen „Sprung“ wollen. „Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ganz Eichen hinter dem ,Sprung‘ steht. Das ist nämlich nicht so.“ Die Kritik, dass Eichen ohne diesen Sprung zu einer „Schlafstadt“ würde, kann die Initiative nicht nachvollziehen.

Ihrer Meinung nach gibt es auch ohne den „Sprung“ die Möglichkeit, den Ort zu entwickeln. Die Mitglieder wollen das Innenpotential nutzen, um den Ort zu entwickeln, wie zum Beispiel Leerstand zu bekämpfen. „25 bis 30 leerstehende Häuser“ gebe es im Ortsteil, behauptet die Initiative. Diese hätten möglicherweise Potenzial, um dort Läden oder Kneipen anzusiedeln.

Die BI „Eichen – sprunglos glücklich“ sehe sich nicht als Gegeninitiative zu „Ja zu Eichen“, an. Denn auch sie wolle das Dorf zukunftsfähig gestalten, jedoch in seinen Grenzen erhalten. Die Mitglieder streben einen breiten Dialog zur Dorfentwicklung und eine professionelle Prozessbegleitung an. Wichtig sei ihnen dabei ein innerörtlicher Nahversorger. Der müsse zu Fuß und auch mit Kinderwagen und Rollatoren erreichbar sein.

Neben einer Einrichtung zur Betreuung alter und pflegebedürftiger Dorfbewohner sollten auch Jugendliche berücksichtigt werden. Hierfür würde sich eine dorfgerechte Umgestaltung des alten Feuerwehrgerätehauses anbieten. Der Sprung über die B 521 hätte weitgehende Folgen für den Ort.

Aus einer kompakten Gemeinde würden so zwei durch eine stark frequentierte Bundesstraße getrennte Ortsteile entstehen. Es käme zu einer weiteren Versiegelung von Ackerboden; die Ansiedlung eines Supermarktes könnte die letzten ortsansässigen Läden verdrängen und damit dem Ortskern schaden. „Wir brauchen im Ort Kommunikationsplätze, die für alle Generationen zu Fuß gut erreichbar sind“, betont Romy Nickel. Das Angebot solcher Treffpunkte sei aktuell sehr gering, aber dort müsse man ansetzen.

Die nächsten Schritte der BI sind, im Gespräch zu bleiben, sich zu formieren und die Diskussion anzuregen. „Wir haben aktuell circa 40 aktive Mitglieder, aber noch viele passive, die unsere Initiative unterstützen“, sagt Waltraud Fischer. Diese treffen sich seit etwa sechs bis acht Wochen regelmäßig zum Gespräch.

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