Eicher Wehrführer soll gehen

Gegenseitige Vorwürfe: Auseinandersetzung zwischen Stadtteilfeuerwehr und Magistrat eskaliert

Seit Juni schwelt der Zwist zwischen der Feuerwehr Eichen und dem Nidderauer Magistrat. Nun eskaliert er: Mit öffentlichen Rundschreiben und Anwälten machen sich beide Seiten gegenseitig Vorwürfe. Der Magistrat will Wehrführer Jens Racky aus der Einsatzabteilung werfen.

Kürzlich klapperten Feuerwehrleute aus Eichen die Briefkästen in ihrem rund 1800 Einwohner zählenden Ort ab. "Wichtige Information an die Eicher Bevölkerung" stand auf dem zweiseitigen Schreiben, das die Anwohner aus ihren Postkästen zogen. Das Papier enthält Vorwürfe gegen die Stadt Nidderau: "Leider müssen wir seit geraumer Zeit feststellen, dass wir systematisch ab gerüstet werden. Vor einigen Wochen musste nun sogar eines unserer Löschfahrzeuge außer Dienst gestellt werden. Dessen Ausrüstung wurde auf alle Feuerwehren der Stadt Nidderau verteilt. Das als Ersatz geplante und uns zugesagte neue Löschfahrzeug wird aufgrund des nicht voranschreitenden Baus des neuen Feuerwehrhauses nun in Erbstadt stationiert.".

Wenn es irgendwo brennt, habe die rund 45-köpfige Einsatzabteilung nur noch 17 Plätze auf ihren Fahrzeugen übrig. Die fehlende Unterstützung durch die Stadt sei nicht nachvollziehbar, heißt es weiter im Text. Das Ehrenamt der freiwilligen Feuerwehrleute werde "von politischer Seite mit Füßen getreten". Als "völlig unverständliche und sehr belastend" empfindet der rund 100 Mitglieder zählende Feuerwehr-Verein laut Rundschreiben, dass der Wehrführer Jens Racky ausgeschlossen werden solle.

Dabei vertraue die Feuerwehr ihrem "gewählten Kameraden" Racky. An die Eicher appelliert die Feuerwehr, Magistratsmitglieder und Stadtverordnete anzusprechen. Tatsächlich laufe ein Ausschluss-verfahren gegen den Eicher Wehrführer, sagte Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) auf Anfrage. Der Magistrat habe beschlossen. Ihn aus der Einsatzabteilung zu verbannen. Noch laufe aber das Anhörungsverfahren, außerdem seien Anwälte eingeschaltet. Deshalb wollte sich Schultheis nicht zu den Gründen dieses Vorgangs äußern. Nur so viel: Ende 2017 seien "unklare Stundenzettel" bei der Eicher Feuerwehr aufgetaucht.

Es gibt laut Schultheis nun Zweifel, ob gemeldete Übungsstunden der Einsatzabteilung wirklich stattfanden. "Der Fall muss geklärt werden", sagte Schultheiß. So lang das nicht geschehe, könne die Eicher Wehr nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Die Einsatzabteilung sei ein "unselbständiger Teil der Kommune", so Schultheiß. Und als Ehrenbeamte müssten die aktiven Feuerwehrleute klare Regeln einhalten. Wehrführer Jens Racky hatte die Existenz der "unklaren Stundenzettel" eingeräumt. Bei den Unstimmigkeiten handele es sich aber nicht um Absicht, sondern um ein Versehen. Der 36-jährige Wehrführer ist ehrenamtlich Feuerwehrmann. Sein Geld zum Leben verdient er als Rettungssanitäter in Hanau.

Den Konflikt mit der Stadtverwaltung konnte auch eine moderierte "Zukunftswerkstatt" nicht lösen. Racky und seine Leute entzweiten sich mit ihrem Dienstvorgesetzten, Stadtbrandinspektor Volker Reis. Er habe nicht mehr ihr Vertrauen, schrieben sie im Juni an Stadtverordneten-Vorsteher Gunther Reibert. Am Mittwochabend berieten die Einsatzabteilungen der Nidderauer Feuerwehren über den Konflikt. Man habe sich gegenseitig Vorwürfe gemacht, berichtete danach der Eicher Feuerwehrvereins-Vorsitzende Thomas Maxheim. Anders als die anderen Stadtteilfeuerwehren stehe sein Verein hinter dem eigenen Wehrführer Jens Racky. "Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen." Man habe ein klärendes Gespräch mit Stadtbrandinspektor und Bürgermeister vorgeschlagen, sagen Maxheim und Racky. Aber die seien nicht darauf eingegangen.

Reis beklagte sich im Gespräch, dass die Eicher Feuerwehr mit ihrer Flugblattaktion den Konflikt anheize: "Damit will man das Ganze am Kochen halten." Die Eicher wiederum ärgern sich, dass das neue, von der Stadt für sie gekaufte Einsatzfahrzeug vorerst in Erbstadt stationiert ist. Und dass sich der Bau ihres neuen Feuerwehrhauses verzögert. Das sei wohl eine Folge des Konflikts mit Racky, vermutet der Vereinsvorsitzende Thomas Maxheim. Jedenfalls stünden auf dem von der Stadt gekauften früheren Dillmann-Gelände längst die parallel zum Feuerwehrhaus geplanten 19 Reihenhäuser – die Station der Brandschützer aber nicht.

Die Bau-Verzögerung hat laut Bürgermeister Schultheiß allerdings nichts mit dem aktuellen Konflikt zu tun. Das alte Feuerwehrgerätehaus an der Wehrstraße sei vielmehr zu klein für das neue Fahrzeug und deshalb stehe es vorübergehend in Erbstadt. Dass die Ausrüstungsgegenstände des außer Dienst gestellten Einsatzfahrzeuges aus Eichen in den anderen Stadtteilen landeten, liegt nach Angaben von Schultheiß daran, dass die Eicher Einsatzabteilung sich bei der Verteilung nicht gemeldet habe. Und im November werde das Stadtparlament den Bau der 1,5 Millionen Euro teuren Immobilie in einer Sondersitzung beschließen.

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