Radstrecke

Ironman in der Wetterau - Angefeuert wird mit Leidenschaft

Die Radstrecke des Frankfurter Ironman Europe hat gestern durch die Wetterau geführt. Am „Heartbreak Hill“ in Bad Vilbel, der langen Steigung am Schöllberg, war einiges los – ganz besonders am Straßenrand.

Die Sonne brennt auf den Asphalt. In der Hitze kämpfen sich die Triathleten den Vilbeler Schöllberg hinauf, unter vielen gilt er als härtester Abschnitt der Radstrecke, nicht umsonst trägt er seinen Spitznamen: „Heartbreak Hill“. Umso wichtiger ist es da die Radfahrer anzufeuern: Die gesamte Straße ist voll mit Menschen, nur in der Mitte ist ein schmaler Gang frei, damit die Radfahrer noch Platz haben. Manfred Ochs steht direkt an der Gasse, in der Hand hält er eine Glocke. „Ich find so was geil, macht einfach Spaß anzufeuern“, sagt der 48-Jährige.

Jedes Jahr kommt er zum „Heartbreak Hill“, für ihn ist das immer etwas Besonderes. „Die Stimmung ist einfach besser als sonst irgendwo an der Radstrecke. Die Musik, die Leute, das spielt da alles mit rein und das Anfeuern macht einfach viel mehr Spaß. Da merkt man auch irgendwann die Hitze gar nicht mehr“, sagt er. Angefangen hat seine Faszination für das Radfahren, als er vor ein paar Jahren einen Kollegen anfeuerte, seitdem gehört es für ihn zum Sommerprogramm einfach dazu. Selbst mitfahren würde er jedoch nicht. „Vielleicht wenn ich zehn, fünfzehn Jahre jünger wäre. Die Zeit in dem nötigen Umfang zu trainieren habe ich auch gar nicht.“

Ein paar Meter weiter den Berg hoch, nahe der Kirche, wird ebenfalls noch angefeuert. Vier junge Leute fallen dabei ins Auge, auf ihren türkisen T-Shirts steht „Ironmartin“ geschrieben. „Gemeint ist damit natürlich mein Mann“, sagt Sandra Harnisch.

Extra aus Österreich ist die Gruppe angereist, um ihn zu unterstützen. Bereits zum zehnten Mal nimmt er am Ironman teil, das zweite Mal in Frankfurt, sagt Harnisch. „Die Hoffnung ist schon da, dass es mit der Qualifikation für den Ironman auf Hawaii klappt“, sagt sie.

Dafür dass dieser Traum wahr wird, wollen die Freunde ihm so gut es geht unter die Arme greifen. „Wir sind mit dem Fahrrad da, so können wir ihn häufiger anfeuern, als wenn wir nur hier bleiben würden. Heute Morgen waren wir beim Schwimmen, jetzt hier und wenn er zum zweiten Mal hier durch ist, fahren wir rüber nach Frankfurt um ihn beim Laufen zu unterstützen. Das ist doch selbstverständlich“, meint sie.

Immer wieder schaut sie auf ihrem Handy, wo sich Martin gerade befindet, eine App macht es möglich. Kaum fünf Minuten später erscheint er, verschwitzt und doch glücklich seine Freunde zu sehen, die ein paar Meter mitrennen, aufmunternde Rückenklopfer geben und ihm gut zureden. „Du schaffst das! Wir glauben an dich Martin!“, rufen sie ihm hinterher, während er weiterfährt. „Mir ist es wichtig, ihn besonders bei den Durststrecken zu unterstützen“, sagt Hannisch. „Beim letzten Triathlon hatte er zum Beispiel große Probleme in der zweiten Runde beim Laufen. Aber in der Nächsten war alles wieder gut.“

Doch auch für die Kleinen übt der Ironman Faszination aus. „Seit wir hier hergezogen sind, waren wir eigentlich immer beim Ironman zum Zuschauen“, sagt Martina Schröder. Mit ihrem Mann und den beiden Söhnen steht sie gerade am oberen Kreisel und schaut den Radfahrern zu. Ironman, das ist für Familie Schröder immer etwas Besonderes. „Die Jungs sind da irgendwie ganz versessen drauf, das kommt von meinem Mann. Er hat sie einfach damit angesteckt“, meint sie.

Damit die Familie nicht verhungert, haben sie einen Bollerwagen dabei, gefüllt mit einer Decke, Getränken und mit Essen gefüllten Tupperboxen. So wird, wenn der Magen knurrt, einfach auf der Wiese gegenüber eine Picknick-Pause eingelegt. Doch beim Ironman gibt es noch etwas anderes, auf das die Jungs ganz scharf sind: Die von den Athleten oft weggeworfenen Trinkflaschen.

„Zwanzig Stück habe ich heute schon gesammelt“, sagt Martina Schröders Sohn Malte stolz und grinst dazu. Die sind jedoch nicht für ihn allein: Auch seinen Freunden und den Jungs von seiner Sportmannschaft, die aber leider im Urlaub seien, will er welche abgeben. Das Stimmungsnest nahe der Einmündung der Friedrich-Ebert-Straße hat der Führende zwar schon zum zweiten Mal passiert, die Stimmung leidet darunter jedoch nicht.

Laute Musik schallt aus den Boxen und auch Manfred Ochs ist noch immer da. „Los das schaffst du!“, ruft er einem gerade passierenden Radfahrer aufmunternd zu. Er geht, wie er sagt, erst nach Hause, wenn auch der Letzte vorbeigefahren ist.

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