Ein möglicher Standort für die Mehrfamilienhäuser mit bezahlbaren Wohnungen könnte in Windecken hinter diesem Kindergartenspielplatz sein. Wegen des angrenzenden Neubaugebietes könnte bald mit dem Bau begonnen werden.

Pläne von Stadt und Frankfurter ABG

Mit Kooperation zu günstigen Wohnungen

Günstige Wohnungen zu finden, ist im Rhein-Main-Gebiet ein Glücksfall. Menschen mit geringem Einkommen und Geflüchtete finden kaum noch ein passendes Zuhause. Dem Trend will sich die Stadt Nidderau widersetzen. Gemeinsam mit der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG sollen Häuser mit bezahlbaren Wohnungen entstehen.

Mit dem Bau von mietpreisgünstigen Geschosswohnungsbau möchte die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum und zum anderen das Auflösen der städtischen Asylunterkunft an der Liebigstraße in Heldenbergen.

Rund 100 neue mietpreisgünstige Wohneinheiten, verteilt über drei Standorte in den Ortsteilen Windecken und Eichen, will die Stadt so schnell wie möglich bauen lassen. Seit einem Jahr sucht sie dafür einen Partner, wie Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) dies auf der jüngsten Sitzung des Bau- und Strukturausschusses am Montagabend erklärt.

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Die meisten Firmen hätten seine Anfrage negativ beschieden. Denn Schultheiß plant nicht nur Wohnraum, der sich wie in der neuen Stadtmitte gegenwärtig zu beobachten ist, fast von selbst verkauft, sondern er möchte vielmehr einen ganz besonderen Wohnraum schaffen, nämlich einen, den sich auch noch Bezieher kleinerer Einkommen leisten können.

Dazu zählen seiner Ansicht nach auch die anerkannten Asylsuchenden. 76 von ihnen leben derzeit noch auf engstem Raum in der Gemeinschaftsunterkunft an der Liebigstraße in Heldenbergen und bereiten der Stadt und vor allem den übrigen Anwohnern viel Kopfzerbrechen. Deshalb drückt Schultheiß auch auf das Tempo, denn etwa die Hälfte der 100 Wohnungen möchte er mit den Geflüchteten belegen.

Eine Gesellschaft, die sich von diesen Plänen nicht abschrecken lässt, ist die ABG Frankfurt Holding Wohnungsbau-Beteiligungsgesellschaft mbH. Mit rund 53 000 Wohnungen gehört sie zu den größten Immobiliengesellschaften in Deutschland.

Verschiedene Modelle

Am Montagabend erklärt deren Geschäftsführer Frank Junker den Mitgliedern des Nidderauer Bauausschusses verschiedene Geschäftsmodelle der Zusammenarbeit.

Nach einem ersten Vorgespräch mit den Verantwortlichen der Stadt empfiehlt er ein Beteiligungsmodell, bei dem die Stadt und die ABG jeweils 50 Prozent an der Projektgesellschaft halten.

Der Anteil der Stadt sollen die drei Grundstücke sein, während die ABG neben dem finanziellen Ausgleich auch die Planungs- und Baukosten mit einbringt. "Allerdings können auch andere Modelle zum Zuge kommen", räumt Junker ein.

Möglich ist auch, dass ABG die Wohnungen alleine baut und die Stadt später nur Generalmieter wird und so über die Vergabe der Wohnungen allein entscheiden kann. "Uns geht es heute auch erst einmal um die grobe Linie", versucht Schultheiß aufkommender Skepsis zuvorzukommen.

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Beispielsweise, ob eine Gesellschaft wie die ABG, die ihren Augenmerk vor allem auf die Gewinnerzielung haben muss, auch preiswerten Wohnraum schaffen kann. Oder ob die Umsiedlung der Geflüchteten in reine Wohngebiete nicht zu neuen Konflikten führen wird.

Denn vor allem die beiden Standorte in Windecken liegen sehr zentral am Landwehrgraben und am Mühlberg. Diese Fragen sollen nun in weiteren Verhandlungsrunden mit der ABG geklärt werden. Das Ergebnis soll dem Ausschuss anschließend vorgelegt werden. Darauf haben sich die Kommunalpolitiker einstimmig geeinigt.

Fünf Meter Erde ausheben

Ebenfalls einstimmig wird der Vorlage einer Verlängerung der Veränderungssperre für das Gebiet "Bornwiesenweg" zugestimmt. Hier seien die Verhandlungen mit den Eigentümern sehr schleppend verlaufen. Der Stadt kommt der zeitliche Aufschub sicherlich nicht ungelegen, denn sie hat in diesem Areal eigene Pläne. Sie möchte dort die kreisweite Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle ansiedeln, die sich bisher in Hanau befindet und die durch den Beschluss Hanaus, kreisfrei werden zu wollen, nun umgesiedelt werden soll.

Am Ende der Sitzung und fast beiläufig verkündet Bürgermeister Schultheiß dann doch eine wichtige Entscheidung für die Stadt. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat der restlichen Bebauung des ehemaligen Dillmann-Geländes in Eichen unter der Maßgabe zugestimmt, dass ein Bodenaustausch bis zu fünf Meter Tiefe vorgenommen werden muss. Die Kosten gehen zulasten des Voreigentümers, erklärte Bürgermeister Schultheiß.

von JÜRGEN W. NIEHOFF

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