Premiere am 3. November

Laienschauspieler der Nidder-Bühne bringen "Neurosige Zeiten" auf die Bühne

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Wie empfängt man Besuch in einer Irrenanstalt, ohne dass der Besuch merkt, dass er in einer Irrenanstalt ist? Vor dieser und vielen anderen Herausforderungen steht die Nidder-Bühne mit ihrer neuesten Aufführung „Neurosige Zeiten“. Elf Spieler bringen das verrückte Verwechslungsspiel von Autor Winnie Abel in drei Akten zur Aufführung. Premiere ist am 3. November in der Willi-Salzmann-Halle.

In die verschiedenen Rollen müssen sich die Schauspieler immer wieder neu hineindenken. Doch dieses Mal aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Nicole Klarr, die mit 118 Einsätzen in der Komödie die wahnhafte Marianne spielt, bringt diesen hohen Anspruch auf den Punkt.

„Es gilt zu hinterfragen, ob die Bewohner der Anstalt nur unter sich sind, oder etwas darstellen, was sie nicht sind“, sagt Klarr. Es sei schwer, sich in Wahnsinnige hinein zu versetzen, obwohl man selbst normal sei, denn Normalität und Wahnsinn vermischten sich in dem turbulenten Stück immer wieder.

Besonders gefordert ist Agnes Adolon alias Alexandra Schneider. Sie mimt in 179 Einsätzen über eine Länge von 120 Minuten den Spross einer reichen Hotel-Dynastie. Ihre Mutter (Christel Reitmeir-Goeddel) meldet spontan Besuch an – nur denkt diese, Agnes residiere in einer „irren, schicken“ Villa und nicht im Irrenhaus. Um die Sache nicht auffliegen zu lassen, versuchen die Mitbewohner aus Agnes skurriler Psychiatrie-Wohngruppe wie ganz normale Menschen zu wirken.

Der zwangsneurotische Hans (Werner Mieth) mimt den langjährigen Lebenspartner, Marianne wird zur Haushälterin, die manisch-depressive Künstlerin Desirée (Birgit Pischel) zur Freundin des Hauses und die menschenscheue Wally (Gertrud Nowak) zur Hausverwalterin.

Aus dem Ruder läuft das Stück dann völlig, als Agnes Mutter die Psychiaterin (Teresa Maisto Vom Schemm) in Gewahrsam nimmt und dann selbst in der Zwangsjacke landet. „Wir lachen Tränen bei den Proben“, sagt Evi Diegel, die Regie führt. Sie vertritt Simone Patter, die für ein Jahr aussetzt.

Neu ist die Arbeit für Diegel nicht. Sie ist Gründungsmitglied der seit 1985 bestehenden Nidder-Bühne. 1986, als der damalige Regisseur den Theaterverein sang- und klanglos verließ, sprang sie ein. Von 1986 bis 2001 übernahm sie die Regiearbeit. Sie besuchte Lehrgänge beim Bund deutscher Amateurtheater und Schulungen im Kreis. Diegel lernte, wie ein Stück aufgeteilt und Rollen besetzt werden, wie wichtig Aussprache, Mimik und Gestik sind und welche Rolle die Psychologie beim Theaterspiel einnimmt.

Für die Stücke gibt es einen Proben- und Szenenplan. Die Proben des neuen Stücks „Neurosige Zeiten“, das Diegel unter fast 30 Stücken ausgewählt hat, laufen seit Januar. Abzüglich Ferien, Feiertage und Urlaub müssen Stellproben mit Buch, Proben ohne Textbuch sowie ein Probenwochenende in der Rhön bewältigt werden. Generalprobe ist am 30. Oktober.

„Den Originaltext, der in einigen Passagen zu vulgär ist, habe ich entschärft. Zu den Vorstellungen kommen auch Kinder“, sagt Diegel. Statt erotisch wird es neurotisch.

Noch kommt es bei den Proben zu manch lustigem Patzer: „Christel, du hast in dieser Szene keinen Hut auf“, ermahnt Diegel die Darstellerin Reitmeir-Goeddel nachsichtig. „Nein?“, fragt diese nach. „Nicht, das ich wüsste“, kontert Diegel – und hat damit die Lacher auf ihrer Seite. Auch als die vermeintlich tote Tupper-Tante (Dagmar Waag) auf einen Stuhl gezogen wird, schreitet Diegel ein: „Nicht grinsen, du bist tot!“, wendet sie sich an die Darstellerin. Humor auch während der Proben ist wichtig, um das Stück in seiner Tiefe zu erfassen.

Wer sich die Komödie ansieht, der hinterfragt am Ende in der Tat, wer verrückt ist und was überhaupt „normal“ heißt. Für die Darsteller, die bisher 38 Stücke auf Nidderaus Bühnen gebracht haben, ist „Neurosige Zeiten“ eines der humorvollsten Theaterstücke, das bisher erarbeitet worden ist.

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