Verkehrskollaps auf Straßen von Nidderau bis Bad Vilbel

Lieschen soll zur S-Bahn werden

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Der tägliche Stau nervt die Pendler. Deshalb sagen ihm die Rathauschefs im Niddertal von Bad Vilbel bis Glauburg den Kampf an. Besserer Bahnverkehr soll die Straßen entlasten. Bloß: Das geht nicht ohne Geld. Also wenden sich die Bürgermeister nun hilfesuchend ans Land.

Wer nordöstlich von Frankfurt wohnt und jeden Tag in die Metropole pendelt, braucht Nerven wie Drahtseile. Die Bundesstraße B 521 zur Friedberger Landstraße und die Landesstraße L 3008 nach Bad Vilbel sind hemmungslos voll. Stau, Stau, Stau.

Ein hausgemachtes Problem, findet Bad Vilbels Verkehrsstadtrat Jörg Frank (CDU). „Die Kommunen im Umland nehmen ihre Verantwortung wahr, Bauland anzubieten.“ Die aktuelle Diskussion in Frankfurt zeige, dass die Metropole ihr Wohnraumwachstum gar nicht alleine stemmen könne, erkennt die Schönecker Bürgermeisterin Conny Rück (SPD). Doch Frankfurt brauche seine Arbeitskräfte, damit die Unternehmen dort weiterhin weiter erfolgreich seien und derart viel Gewerbesteuer aufbringen könnten, erinnert Frank.

Die Folge ist fatal: „Wir weisen die Baugebiete aus, aber niemand macht sich Gedanken, wie der Verkehr abfließen soll“, sagt Conny Rück.

Dichterer Takt nötig

Die Straßen verstopft und in der Hauptverkehrszeit herrschten in den Zügen der Niddertalbahn „sardinenbüchsenartige Zustände“, weiß Jörg Frank. Also mehr Straßen bauen? Kein Platz mehr. „Und alle Möglichkeiten zur Feineinstellung im Straßensystem sind ausgereizt.“

Beispiel Ortsdurchfahrt Bad Vilbel als neuralgischer Punkt der L 3008: „Es hängt an einer Ampel“, sagt Conny Rück. Falsch, erwidert Jörg Frank. Deren Grünzeiten seien in der Rush-hour so reichlich, dass die Autos kaum schnell genug durchfahren könnten. „Es ist einfach zu viel Verkehr unterwegs.“

Mit immer neuen Baugebieten werde sich das Problem weiter verschärfen, mahnt Niederdorfeldens Rathauschef Klaus Büttner (SPD). 3000 bis 5000 Autos pro Tag wollen die Bürgermeister der Niddertalbahn-Anrainer gern von der Straße holen und Autofahrer zum Umsteigen auf die Bahn motivieren.

Dafür sei ein dichterer Takt nötig, sagt Nidderaus Erste Stadträtin Monika Sperzel (SPD). Nicht nur mehr Züge müssten fahren, sondern die Strecke zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden, sagt Altenstadts Bürgermeister Norbert Syguda (SPD). Preis und Qualität für Fahrgäste müssten stimmen, die Verbindungen schneller werden. „Ich träume von einem S-Bahn-Zustand.“ Die anderen Rathauschefs nicken. Eine Verlängerung der Frankfurter U-Bahn-Linie U 5 als Stadtbahn ins Umland (die FNP berichtete) „nehmen wir auch“, sagt Syguda. „Alles ist gut, was der Verbesserung des Angebots dient.“

Bloß: Bezahlen könnten die Kommunen das nicht alleine, sagen die Rathauschefs. Sie seien ja willig, steuerten mit den Landkreisen Wetterau und Main-Kinzig 28,5 Millionen Euro bis 2027 fürs Stockheimer Lieschen aus eigenen Haushalten bei. Auch hätten die Anrainer millionenschwer den Streckenausbau in den Jahren von 1998 bis 2006 mitfinanziert.

OB Feldmann soll ins Boot

All das sei in Gefahr, warnt Klaus Büttner: Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr gelten als freiwillige Leistungen, die die Kommunen bei Finanznot kappen müssten. „Grotesk“, schüttelt er den Kopf. „Wenn wir das nicht finanzieren, bricht der gesamte Verkehr in der Region zusammen“, so Jörg Frank.

Daher müsse das Land helfen, finden die Politiker: Bei den aktuellen Verhandlungen über die Neuordnung der Landesgelder für Kommunen müssten Orte an Bahnstrecken Ausgleichszahlungen erhalten. Weil sie besonders hohe Nahverkehrskosten schulterten. Einen solchen Bonus erhalte Frankfurt schon lange, erinnert Frank.

Die Bürgermeister wollen noch die Landräte sowie Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ins Boot holen. Dann soll Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ein Schreiben erhalten. „Die Infrastruktur ist elementar für den Standort Rhein-Main“, erinnert Monika Sperzel. Den Verkehr zum großen Teil alleine zu stemmen, schafften die Kommunen nicht.

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