Weiterhin im Dienst ihrer Kunden im Familienbetrieb (von links): Margot Jost, Hella Bähr-Jost , Gabriele Jost und Volker Jost.

Ostheimer Geschäft

Die Metzgerei bleibt im Dorf

Viele Kunden waren zuletzt verunsichert. Doch die Metzgerei Volker Jost in der Eisenbahnstraße in Ostheim bleibt ihnen weiterhin erhalten. Geschlossen wird nämlich lediglich der Betrieb von Reiner Jost, ein Cousin mit eigenem Geschäft.

"Nein, unsere Metzgerei wird definitiv nicht im Dezember schließen." Diese Antwort hat Volker Jost in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder geben müssen. Grund ist die Aufgabe des Metzgereibetriebes Reiner Jost. Dabei handelt es sich zwar um einen Cousin von Volker Jost, doch außer den familiären Banden verbindet ansonsten nichts. "Die Schließung betrifft deshalb auch nur den Betrieb meines Cousins Reiner in der Sepp-Herberger-Straße und nicht unseren in der Eisenbahnstraße", stellt Geschäftsinhaber Volker Jost klar.

Auch wenn der ursprüngliche Stammsitz der Familie Jost in der Sepp-Herberger-Straße angesiedelt ist und das auch schon seit über 180 Jahren, so hat sich 1962 der Vater vom heutigen Eigentümer Volker selbstständig gemacht und zusammen mit seiner Ehefrau Margot seine eigene Metzgerei in der Eisenbahnstraße gegründet. Margot Jost, obwohl in zwischen schon fast 80 Jahre alt, ist immer noch aktiv in der Metzgerei. So bereitet sie für nicht mehr ganz so mobile Senioren in der Umgebung nicht nur täglich Mittagessen zu, sondern bringt ihnen das Essen sogar noch bis an den Tisch.

Mit der ganzen Familie

Überhaupt ist die Metzgerei Jost in der Eisenbahnstraße ein reiner Familienbetrieb. Neben Volker Jost und seiner Mutter Margot arbeiten auch noch dessen Ehefrau Gabriele und die Schwester Hella im Betrieb in der Eisenbahnstraße und eine weitere Schwester, nämlich Martina Wiesner, in der Filiale in benachbarten Roßdorf. 180 Jahre Familientradition stecken nun schon in dem Metzgereibetrieb Volker Jost in der Ostheimer Eisenbahnstraße. "Und auch wenn die Geschäfte inzwischen schwieriger geworden sind, wir werden jedenfalls machen weiter", ist sich Jost sicher.

Dabei bezieht der 59-Jährige die wachsenden Schwierigkeiten darauf, dass sich das Kaufverhalten der Kunden geändert habe. "Erst haben die Kunden verstärkt auf den Pfennig geguckt und das Preisargument vor das Qualitätsargument gestellt", berichtet Ehefrau Gabriele, "und nun sind es die großen Supermärkte, die den Einkauf unter einem Dach ermöglichen und uns Geschäftsleuten das Leben schwer machen." Dabei ist ihr Standort in der Eisenbahnstraße günstig. Er ist gut zu erreichen mit ausreichen Parkplätzen von der Ladentür. Geändert haben sich nach Erkenntnissen der Josts auch die Essgewohnheiten der Kunden, wie Schwester Hella Bär-Jost bemerkt. Früher sei deutlich mehr Fleisch gegessen worden. Heute hingegen bleibe aus Zeitdruck oder aus Überzeugung, weil der Schwerpunkt auf Gemüse gelegt werde, oft die Küche kalt.

Unter der verstärkten Konkurrenz durch die Supermärkte leiden aber nicht nur die Josts, auch die übrigen Einzelhändler spüren diese. So haben in jüngster Vergangenheit eine Drogerie, ein Blumenladen und eine Eisdiele in Ostheim ihre Tore schließen müssen. Und nun auch der Cousin Reiner Jost seine Metzgerei. Volker Jost hingegen hat seinen Betrieb mittlerweile breit aufgestellt. Er selbst schlachtet einmal in der Woche selber. Und zwar nur Tiere von Landwirten, die er kennt, und von denen er weiß, wie sie ihre Tiere halten. Darüber hinaus bieten die Josts Mittagstisch für Selbstabholer an und versorgen die beiden Kindertagesstätten in Ostheim mit Fleisch und Wurstwaren.

Florierender Partyservice

Offenbar scheint sich die Qualität der Produkte aus dem Hause Jost herumgesprochen zu haben, denn auch ihr Partyservice ist fast immer ausgebucht. Möglich ist das breite Angebot aber nur, weil die ganze Familie mit Hand anlegt. Und wie sieht die Zukunft aus? Gabriele und Volker Jost haben zwar einen Sohn, der ebenfalls das Metzgerhandwerk erlernt hat, doch arbeitet der in Süddeutschland und hat noch keine große Lust auf einen Arbeitsalltag fast rund um die Uhr, wie dies ihm seine Eltern vorleben.

"Über das Thema haben wir mit Christoph schon öfters gesprochen. Aber eine Lösung zeichnet sich noch nicht ab", meint der 59-Jährige. Allerdings eile diese Frage nicht, denn noch habe er vor, die Metzgerei eine ganze Weile selbst weiterzuführen.

von JÜRGEN W. NIEHOFF

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