Nutrias

Die Nager sind eine Attraktion

  • schließen

Die Insel „Das Wärtchen“ an der Nidder, unweit der Windecker Altstadt gelegen, hat sich zu einer Hauptattraktion für junge Familien entwickelt. Doch nicht nur Hühner, Enten und Gänse haben sich auf dem Areal angesiedelt – auch Nutrias. Die wildlebenden Tiere profitieren vom Nahrungsangebot der Haustiere, die von Besuchern regelmäßig gefüttert werden. Doch das Füttern ist verboten.

Die Insel ist erst seit 2007 im Besitz der Stadt, die ersten Exemplare der aus Südamerika stammenden Tiere in Deutschland datieren in das Jahr 1867. Ab 1926 sind Nutrias planmäßig gezüchtet worden. „Windecken reif für die Insel“, kommentierte Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) im Februar 2007 zum erfolgreichen Abschluss des Kaufvertrages der Insel „Das Wärtchen“ und somit der Sicherung des Areals für die Stadt Nidderau in einer Mitteilung.

Dank einer großzügigen Spende des gebürtigen Windeckers und Ehrenbürgers der Stadt, Rudolf Walther, wurde der Kauf möglich. Das Gelände war bis dato in Privatbesitz. Es diente als Garten und war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nun dient das Areal seit fast neun Jahren als Naherholungsraum. Die offizielle Übergabe der Insel erfolgte bereits im Oktober des Jahres 2007.

An dem kleinen Privatzoo der Familie Stahlberg erfreuen sich viele junge Familien. Dass sich die bis zu 65 Zentimeter großen und bis zu zehn Kilogramm schweren Nutrias zu den Haustieren gesellen würden, hatte niemand erwartet. Mittlerweile hat sich die Ansammlung der Nager in verschiedenen Altersklassen zu einer Attraktion für Spaziergänger entwickelt. Die Fütterung der Tiere mit Brot und Küchenresten trägt dazu bei, dass der Nutriabestand stark angewachsen ist. „Wie viele Tiere es aktuell sind, kann ich nicht sagen“, sagt Stephan Zöller, Leiter des Fachbereichs Umwelt bei der Stadt. Auch Tauben und Wanderratten würden durch die Fütterung angelockt.

Die Stadt Nidderau reagiere deshalb mit entsprechender Beschilderung und appelliere an die Bevölkerung, die Nutrias und Enten nicht zu füttern. Brot führe zur Mästung der Tiere und belaste mit den Bioabfällen das Gewässer. Die angelockten Tiere hinterließen viele Exkremente, wodurch die Gefahr von Krankheiten und Infektionen zunehme. Verschiedene Krankheitserreger könnten übertragen werden.

Bei der Fütterung seien Nutrias oft verblüffend zahm, doch es bestehe auch die Gefahr, gebissen zu werden, weshalb Distanz zu den Tieren angemessen sei. Vorfälle von angriffslustigen Nutrias seien bereits gemeldet worden. So im März des Jahres 2013, als der damals zweijährige Sohn einer Schöneckerin von einem Tier ins Hosenbein gebissen wurde.

Laut Zöller sind aktuell keine Angriffe durch Nutrias bekannt. Beim Gespräch mit Zöller an der Nidderbrücke sind etwa zwölf Tiere auf dem Areal zu sehen. Einen Rückschluss auf die Population lässt dies jedoch nicht zu. Denn die sozialen Tiere, die in Verbänden von bis zu 15 Tieren leben, können zwei bis drei Mal pro Jahr Nachwuchs bekommen. Nach 19 Wochen Tragzeit kommen sechs bis acht Junge zur Welt. Diese sind bereits nach fünf Monaten geschlechtsreif.

„Harte Winter mit viel Frost und Schnee tragen dazu bei, die Bestände zu dezimieren“, erklärt Zöller. Bis 1960 lebten etwa 5000 Nutrias in Deutschland in freier Wildbahn. Inzwischen dürfte sich die Anzahl der Nager um ein Vielfaches erhöht haben. So wurden 2012 rund 16 000 Nutrias in Niedersachsen geschossen – und 600 in Hessen. Die Fraßtätigkeit der Vegetarier schade der Unterwasser- und Ufervegetation, erklärt Zöller.

So naschten die Nager beispielsweise auch Feldfrüchte. Die grabende Tätigkeit im Gewässeruferbereich destabilisiere außerdem Uferbefestigungen. Laut einer sogenannten naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertung von 2015, bei dem das Eindringen von gebietsfremden Arten in ein Ökosystem untersucht wird, betragen die Schäden durch Grabtätigkeit von Nutrias in Italien zwei Millionen Euro pro Jahr. So weit soll es in Nidderau nicht kommen.

„Um den Uferbereich an der Nidder vor Erosionen zu schützen, haben Bauhofmitarbeiter der Stadt über 50 Erlen mit Verbissschutz im Areal der Insel gepflanzt“, sagt Zöller. Nutrias seien nicht nur in Windecken, sondern auch in den Nidderauen bei Eichen zu beobachten – oder im Bad Vilbeler Kurpark und rund um die historische Wasserburg (die FNP berichtete).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare