Benefizkonzert für Flüchtlingshilfe

Nidderau singt und hilft

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Mit deutschen und internationalen Liedern haben sieben Nidderauer Gesangvereine unter dem Motto „Nidderau singt und hilft“ zum ersten gemeinsamen Konzert in die Kultur- und Sporthalle Heldenbergen eingeladen. Kinderchöre, gemischte Chöre sowie Frauen- und Männerchöre haben damit für ihre Chormusik geworben und ein buntes Programm geboten. Der Erlös dieses Benefizkonzertes geht an die Nidderauer Flüchtlingshilfe.

Mit dieser überwältigenden Resonanz haben die Chöre als Veranstalter nicht gerechnet. Etwa 600 Interessierte, Sänger und Zuhörer, haben sich in der Kultur- und Sporthalle versammelt. 30 Minuten vor Beginn ist kein Parkplatz mehr zu bekommen. Alle Sitzplätze sind besetzt, nur noch Stehplätze zu bekommen. Auch viele ausländische Gäste zeigen Interesse. „Ein Konzert in dieser Form hat es bisher in Nidderau nicht gegeben“, sagt Gerhard Reichhold, Vorsitzender der Concordia Eichen, der die Idee zum Benefizkonzert hatte.

Der Schulterschluss des Chores mit der Sängervereinigung Windecken, dem Nidderauer Frauenchor, der Sängervereinigung Ostheim, der Liederlust Ostheim, Taktvoll, Miss Harmonie und der Chorgemeinschaft Heldenbergen hat sich gelohnt. Doch es geht den Sängern nicht nur darum, den Flüchtlingen finanziell unter die Arme zu greifen.

Flüchtlinge aus aller Welt sollen Gelegenheit erhalten, künftig mitzusingen. Die Sprache der Musik solle helfen, Barrieren abzubauen und gegenseitiges Verständnis aufzubringen. Seit Bestehen der Halle 2001 habe er noch nie ein so volles Haus gesehen, sagt Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD), der die Schirmherrschaft übernommen hat. Es sei ein deutliches Zeichen der Stadtgesellschaft für Toleranz und für all jene, die Hetze gegen ausländische Mitbürger betrieben hätten, äußert Schultheiß.

Beispielhaft für die vielen Flüchtlinge interviewte Moderator und Pfarrer Otto Löber Nilufahr Mohammadi. Die 14-jährige Afghanin wohnt mit ihrer Familie seit vier Jahren in Ostheim und spielt seit einem Jahr in der Auswahlmannschaft U15 der Eintracht Frankfurt. Nilufahr kam mit zehn Jahren allein mit dem Flugzeug von Griechenland nach Deutschland. Ihr folgten die Mutter mit den Geschwistern und drei Monate später der Vater. Kriegsbedingt habe der Anfang Vierzigjährige nie eine Schule besucht, sagte Löber. Auch Nilufahr sei bis zu ihrem zehnten Lebensjahr nie in einer Schule gewesen und besuche nach vierjährigem Aufenthalt in Deutschland nun die achte Klasse. Sie sei Dolmetscherin für ihre Familie.

Auch über das Schicksal der Apothekerin Soad Al Rashid erfuhren die Zuhörer Interessantes. Al Rashid flüchtete nach eigener Aussage mit ihren Söhnen Nawros und Ias zu Fuß über Bulgarien, da ihre Apotheke und ihr Wohnhaus zerstört wurden. „Es ging mir nicht um mein Leben, aber ich musste Sicherheit für meine Söhne suchen. Sie sollen leben“, sagte Al Rashid. „Wir vertrauen euch, vertrauen Sie uns“, richtete sie ihre Bitte an die Zuhörer, die sich berührt zeigten.

Wie Nina Haible-Baer von der Gruppe Kommunikation der Flüchtlingshilfe Nidderau mitteilte, werden nach wie vor Betreuer gesucht. „282 Asylsuchende sind derzeit in Nidderau, doch es leben weitaus mehr hier, die schon anerkannt sind“, sagte Pfarrerin Kirsten Ohly. Derzeit wirkten 153 ehrenamtliche Helfer bei der Flüchtlingshilfe Nidderau mit. Die nächsten Projekte seien der Betrieb eines Frauen-Cafés sowie das Anbieten von Nähkursen. Löber regte auch ein Projekt namens „Weltgarten“ a. Dort könnten Flüchtlinge gemeinsam ernten, sie hätten ein Stück Zuhause. Speisen aus ihren Heimatländern steuerten sie schon zur Veranstaltung bei.

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