Wegen ausgefallener Triebwagen

In der Niddertalbahn wird’s mittags zu eng

Wieder gibt es auf der Niddertalbahnstrecke Probleme wegen ausgefallener Dieseltriebwagen. Schüler müssen sich tagelang in völlig überfüllte Bahnen zwängen und können teilweise nicht einmal aussteigen. Nun hat die Stadt Nidderau interveniert.

Es ist ein Gedränge ohnegleichen: Von Montag bis Mittwoch und auch gestern müssen sich Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule, die nach der sechsten Schulstunde um 13.32 Uhr vom Kleinen Bahnhof Windecken in Richtung Schöneck, Niederdorfelden und Bad Vilbel fahren wollten, in völlig überfüllte Triebwagen quetschen. Der Grund: Die Züge bestehen nur aus einem Triebwagen und nicht wie sonst aus zwei Einheiten. „Es ist verdammt eng, wenn nur ein Triebwagen gefahren ist“, berichtet einer der betroffenen Schüler vor Ort.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende in Schöneck, Dieter Schulz, ist durch seine drei Kinder auf das Problem aufmerksam gemacht worden, die alle die Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau besuchen. Er weist umgehend Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) und Katja Adams, bei der Stadt Nidderau für den Öffentlichen Personennahverkehr verantwortlich, auf den Missstand hin.

Adams interveniert Mitte der Woche im Namen der Anliegergemeinden bei ihrem Ansprechpartner bei der Bahn. Zunächst zeigt die erneute Beschwerde Wirkung: „Die Verantwortlichen haben zugesagt, schnell reagieren zu wollen“, berichtet Adams.

Die DB Region, Betreiber der Niddertalbahn, hält Wort – jedoch nur einen Tag lang: Am Donnerstag besteht der 13.32 Uhr-Zug wieder aus zwei Einheiten, alle wartenden Schüler am Kleinen Bahnhof Windecken finden deshalb ausreichend Platz. Doch schon gestern ist wieder alles beim Alten, nur ein Wagen fährt, die Bahn ist hoffnungslos überfüllt. Rathauschefin Rück ist sauer über das neuerliche Problem – denn es sei nicht das erste Mal, dass die Niddertalbahn stiefmütterlich behandelt werde. „Wenn das so weitergeht, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sich die Autos morgens bis nach Oberdorfelden stauen und die Pendler die Niddertalbahn links liegen lassen“, orakelt die Bürgermeisterin.

Sven Hirschler, Pressesprecher des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV), hat auf FNP-Anfrage bei DB Regio Nachforschungen angestellt und von dort die Auskunft bekommen, dass aktuell mehrere Dieseltriebwagen des auf der Niddertalbahn eingesetzten Typ VT 642 nicht einsatzbereit seien. Der Grund: laufende Instandsetzungsarbeiten sowie erforderliche Reparaturen. Daher könne bei einigen Fahrten nicht die vom RMV bestellte Platzkapazität angeboten werden. Weiterhin habe die DB Regio versichert, dass sie unter Hochdruck den Einsatz weiterer passender Ersatzfahrzeuge für die Strecke prüfen wolle. „Über die genaue Dauer der Einschränkung liegen uns jedoch noch keine Informationen vor“, stellt Pressesprecher Hirschler fest.

Um insbesondere zu vermeiden, dass Fahrgäste wegen zu wenig Platz eine bestimmte Fahrt nicht nutzen können, habe der RMV die DB Regio gebeten, den Erste-Klasse-Bereich im Fahrzeug für Fahrgästen mit Fahrkarte der zweiten Klasse freizugeben – insofern dort noch genug Platz vorhanden ist. Weiterhin dürfe das Zugbegleitpersonal Fahrräder von der Beförderung ausschließen, wenn nur eingeschränkt Dieseltriebwagen auf der Strecke verkehren, berichtet Hirschler von Sofortmaßnahmen.

Auch Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) kennt inzwischen die Probleme der DB Regio mit den Triebwagen VT 642. „Die sind laut Aussage der Bahnmitarbeiter in Thüringen problemlos gelaufen. Dort wurde sie aber nie entkuppelt und sind immer im Verbund eingesetzt worden. Das Entkuppeln und erneute Verbinden vertragen die Wagen offensichtlich nicht so gut, wurde uns bei Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal erklärt“, kennt der Stadtrat zumindest einen Grund, weshalb Züge nur mit einem Triebwagenteil auf die Strecke geschickt werden.

Immerhin zeige sich ein Silberstreif am Horizont, um dem Problem von nicht einsatzbereiten Triebwagen und fehlender Platzkapazität auf der Niddertalbahn ein für alle Mal einen Riegel vorschieben zu können, deutet Adams an. Sie könne zurzeit aber nur so viel sagen, dass diese von der DB Regio angedachte Lösung eine große Verbesserung für die Zuverlässigkeit darstellen würde.

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