Noch ist das Post-Schild an der Schneiderrei an der Hanauer Straße verhüllt. In drei Wochen wird die Post die Filiale stundenweise wieder öffnen und vorübergehend mit eigenen Angestellten betreiben.

Am 25. Februar

Post in Ostheim eröffnet wieder

Ostheim hat seit Dezember keine Postfiliale mehr. Damals hat die Schneiderei Bayar ihr Geschäft aufgegeben. Der Nachfolger hat kein Interesse an den Post-Geschäften. Nun hat das Rätselraten um die Poststelle in Ostheim an der Hanauer Straße ein Ende. Am 25. Februar wird sie in den bisherigen Räumen den Betrieb wieder aufnehmen – mit Angestellten des Dienstleisters selbst.

Seit kurz vor Weihnachten gibt es keine Postfiliale mehr in Ostheim. Als am 21. Dezember vergangenen Jahres die kleine Poststelle in der Schneiderei Bayar ihre Schalter schloss, sah es zunächst danach aus, als würde dies für immer sein. Das Ehepaar Bayar hat seine Schneiderei zum Ende des Jahres aufgegeben, weil Bayar eine feste Anstellung gefunden hat und seine Ehefrau, die bisher die Poststelle hauptsächlich führte, sich fortan nur noch um ihre beiden kleinen Kinder kümmern möchte.

Der Nachmieter Mila hat hingegen von Anfang an mitgeteilt, dass er sich nur auf seine Schneiderei konzentrieren und die Poststelle nicht weiterführen möchte. "Warum auch? Sehen Sie sich doch mal um. Obwohl ich gerade erst neu eröffnet habe, ertrinke ich fast in Arbeit", sagt Mila nach den ersten Wochen. Er freut sich über so viel Kundschaft. Und seine Ehefrau habe eine feste Arbeitsstelle als Erzieherin in einem Kindergarten, und somit auch keine Zeit die Poststelle zu übernehmen.

Für die Deutsche Post DHL eine schwierige Situation, denn sie muss nach ihren Richtlinien, wie beispielsweise der Post-Universaldienstleistungsverordnung, für die flächendeckende Briefverteilung sorgen. Diese Verordnung schreibt auch vor, dass in allen Gemeinden mit mehr als 2 000 Einwohnern mindestens eine stationäre Einrichtung, also eine Poststelle, vorhanden sein muss. Da Ostheim aber knapp 5 000 Einwohner zählt, war guter Rat teuer. "Wir sind auf der Suche nach Ersatz und werden wohl vorübergehend eine Lösung mit eigenen Leuten eingehen müssen", erklärt Postsprecher Stefan Heß gegenüber dieser Zeitung.

Problem: Läden schließen

Warum die Suche nach Ersatz sich für die Post als so schwierig erweist, hängt mit dem Geschäftsleben in Ostheim zusammen. Denn ein Geschäft nach dem anderen schließt seine Türen für immer.

Erst vor Kurzem hat die Metzgerei Rainer Jost ihren Betrieb aufgegeben. Von den wenigen noch aktiven Geschäften in Ostheim winken die Inhaber hingegen zumeist ab. Entweder weil sie das Geschäft mit der Post als wenig lukrativ ansehen, oder aber weil ihnen dafür der Platz fehlt. In einem Fall hätten die Inhaber sogar ihren Paketservice für ein anders Unternehmen abgeben müssen, falls sie sich auf das Engagement mit der Post hätte eingelassen.

Nachdem die Post in Ostheim selbst auf so wenig Interesse an der Übernahme einer Poststelle gestoßen ist und die Zeit drängte, hat sie im Dezember die ersten Anzeigen in den Zeitungen und im Internet geschaltet. "Suchen für unsere Postfiliale in Ostheim ab 1. Februar 2019, in Teilzeit (Minijob), mit 7,17 Stunden pro Woche und befristet, Filialmitarbeiter (m/w)."

Externe Lösung gesucht

Ob die Aktion von Erfolg gekrönt war, will Heß nicht verraten. Dafür gibt er jedoch ein "Zwischenergebnis", wie er es nennt, bekannt. Die bisherige Poststelle in der Hanauer Straße 7a wird nun am Montag, dem 25. Februar wieder eröffnet. Und zwar mit eigenem Personal der Post.

Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr. Diese Regelung soll aber nur vorübergehend gelten, da die Post weiter auf der Suche nach einer externen Lösung, also einem selbstständigen agierenden Betreiber dieser Poststelle, ist. Da der mögliche Betreiber einerseits immer wieder die Lehrgänge und Fortbildungskurse der Post besuchen muss, andererseits aber die Einhaltung der Öffnungszeiten garantieren muss, könne eine Person diese Aufgabe allein aber gar nicht lösen.

Deshalb bestehe die Gefahr, dass sich das Ganze schnell zum Nullsummenspiel entwickeln würde, wie eine benachbarte Ladeninhaberin und auch ehemalige Betreiberin einer Poststelle an der Hanauer Straße aus eigener Erfahrung kürzlich verriet. Schwierig werde es, wenn man für den Service, den die Poststelle bietet, noch Angestellte beschäftigen müsse.

Doch Heß ist guten Mutes: "Hauptsache die Poststelle eröffnet jetzt erst einmal wieder. Alles andere wird die Zukunft zeigen", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. In den nächsten Tagen wird der Nebenraum neben der Schneiderei Milan jetzt erst einmal mit neuen Möbeln, Computern, Formularen und Briefmarken wieder für eine Poststelle fit gemacht.

von JÜRGEN W. NIEHOFF

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