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Das hier ist wahrlich kein Frischluftspender: Für Handwerker, die darauf angewiesen sind nach Frankfurt zu fahren, könnte es zukünftig Probleme geben.

Situationsbericht

So reagieren Handwerksfirmen auf das mögliche Fahrverbot in Frankfurt

Ab Februar 2019 droht den Besitzern älterer Dieselfahrzeuge das Aus für Frankfurts Mitte. Doch nach einem Aufschrei der Betroffenen oder gar einer Protestkundgebungen sucht man vergebens – die Handwerker in der Region üben sich vor allem in Geduld. Ein Situationsbericht.

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat vor kurzem ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge mit der Euro-Norm 4 oder darunter für die Stadt Frankfurt angeordnet. Treffen wird es dabei nicht nur die Bewohner von Frankfurt, sondern voraussichtlich auch tausende von Pendlern und Handwerksbetrieben, die täglich mit ihren Lieferwagen in Frankfurt unterwegs sind, um ihrer Arbeit nachzugehen.

Die Entscheidung des Gerichts hat letztlich kaum jemanden überrascht, war zuvor doch längst bekannt, dass Grenzwerte für Stickoxide in der Stadt überschritten wurden. Nur der enge Zeitrahmen sorgt für Irritationen. Mit einem so kurzfristigen Fahrverbot hat unter den Dieselfahrzeugbesitzern wohl niemand gerechnet.

Umso erstaunlicher, dass die Resonanz unter den Handwerkern in Bad Vilbel, Karben und Nidderau eher verhalten ausfällt: Bei einer Blitzumfrage unter den Handwerkern rund um Frankfurt haben sich nur zwei Betriebe ausführlicher geäußert. Wut und Entrüstung sieht anders aus. Viel eher wirken die Meister geduldig und auch ein wenig hoffnungsvoll, dass das Verbot in der nächsten Instanz doch noch gekippt wird.

Einer, der sich ausführlicher äußert, ist Michael Döricht, Geschäftsführer der Kunststoff-Handels-Gesellschaft (KHG) in Karben. Für ihn sieht die Zukunft recht entspannt aus: „Unsere Fahrzeuge sind bereits zu 90 Prozent auf Euro 6 umgestellt. Ein Fahrverbot bis Euro 5 wird uns deshalb nur bedingt treffen“, meint er. Trotzdem verurteilt Döricht das Verhalten der Politik in Form von Nichtstun, schließlich würden durch das Fahrverbot seine älteren Dieselfahrzeuge erheblich an Wert verlieren.

Der zweite Betrieb, den das Urteil des Verwaltungsgerichts zum Reden animiert, ist ein Gartenbauunternehmer aus Nidderau. Um sein Geschäft nicht zu schädigen, bittet er darum nicht namentlich genannt zu werden. Er nimmt wegen des drohenden Fahrverbotes für seine Lieferwagen mittelfristig keine Aufträge aus der Frankfurter Innenstadt mehr an. „Das machen auch andere Betriebe aus dem Umland von Frankfurt,“ weiß er zu berichten.

Da seine Auftragsbücher glücklicherweise sowieso schon mehr als voll seien, kann er diesen Verzicht verkraften. Ein kurzfristiger Ersatz ihrer Fahrzeuge komme schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Betracht, denn ihre jetzigen Fahrzeuge hätten allein durch die allgemeine Dieseldiskussion schon enorm an Wert verloren. Gelegentlich werde in diesem Zusammenhang sogar schon von Enteignung gesprochen, berichtet der Unternehmer.

Deshalb will er, wie die meisten Handwerksbetriebe der Region, erst einmal abwarten und darauf hoffen, dass entweder die Gerichte in zweiter Instanz das generelle Fahrverbot für Frankfurt zurücknehmen oder zumindest die Politik doch noch eine allgemein verträgliche Lösung finden werde.

Zulässig sind diese Ausnahmegenehmigungen, weil das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Fahrverbote zwar generell für zulässig erklärt hat, jedoch gefordert hat, dass dabei stets die Verhältnismäßigkeit zu wahren sei. „Wir haben schon Verständnis für eine saubere Umwelt. Deshalb haben sich auch viele von uns einen Diesel zugelegt, weil er zum einen sparsamer ist und zum anderen weniger Schadstoffe absondert. Wenn es nun neue Erkenntnisse gibt, dann muss man uns wenigsten lang genug Zeit lassen, entsprechend darauf reagieren zu können. In wenigen Monaten geht das nicht“, meint der Nidderauer Unternehmer.

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