Ostheimer fühlen sich abgehängt

Rewe-Markt zwischen Windecken und dem Stadtteil schließt

Die Vollsperrung der L 3009 zwischen Windecken uns Ostheim aufgrund der Kanalarbeiten hat ein erstes Opfer: Der Rewe-Markt an der Ostheimer Straße schließt seine Tore für immer. Doch klagen auch andere Ladenbesitzer über einbrechende Umsätze.

Seit Mitte vergangener Woche hängt die knappe Mitteilung: „Wir schließen am 28.2.2017. Wir danken Ihnen für Ihre Treue“ in der Eingangstür des Rewe-Marktes an der Ostheimer Straße zwischen den Ortsteilen Windecken und Ostheim. Wohl schuld daran ist die Vollsperrung der Landstraße zwischen Windecken und Ostheim. Die einzige Angestellte, die sich an diesem Vormittag kurz vorm Wochenende noch im Markt an der Kasse aufhält, ist zum Schweigen verpflichtet. „Auskunft erhalten Sie nur von der Geschäftsleitung“. Vermutungen und Gerüchte, dass der etwas abgelegene Markt bald schließen könnte, hat es im vergangenen Jahr immer wieder gegeben.

Zum Beispiel auch anlässlich der Eröffnung des großen Rewe-Einkaufszentrums in der Neuen Mitte Nidderaus. Doch die Dementis folgten meist auf den Fuß, unter anderem auch durch Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD). „Nein, es gibt keine Schließung. Auch die Filiale Ostheimer Straße bleibt erhalten. Rewe hat den Pachtvertrag für die dortigen Geschäftsräume gerade um fünf Jahre verlängert“, verkündete er am Rande der Eröffnung des Nidder-Forums. Ein halbes Jahr später nun doch das plötzliche Aus. „Die wirtschaftliche Entwicklung des Marktes in den vergangenen Monaten ist leider durchweg negativ.

Es gab Überlegungen für Alternativlösungen. Aufgrund der Baustelle und der damit einhergehenden Straßensperrung ist der Umsatz nun allerdings komplett eingebrochen, so dass wir keine Möglichkeit mehr für eine wirtschaftliche alternative Lösung sehen. Zumal die Baumaßnahme sehr langwierig ist. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschlossen, den Markt zum 28. Februar zu schließen“, so die Mitteilung aus der Rewe-Geschäftszentrale.

Für viele Kunden ist das Aus für die Filiale Ostheimer Straße aber keine wirkliche Überraschung. „Das Warenangebot ist in den letzten Wochen immer geringer geworden. Für die stand die Schließung schon fest“, schimpft eine Kundin am Eingang zum Geschäft. Doch auch sie räumt ein, dass die Straßensperre aufgrund der Baustelle für die Geschäfte katastrophale Auswirkungen habe.

Ähnlich äußert sich auch Udo Euler, Inhaber eines Getränkemarktes an der Ostheimer Straße und unmittelbar betroffen von der Baustelle. „Bei mir sind seit Schließung der Straße sicherlich 60 Prozent des Abhol-Geschäftes weggebrochen“, stellt er sichtlich verärgert fest. Dabei seien alternative Wege denkbar gewesen. Beispielsweise wäre eine Möglichkeit gewesen, wenn der asphaltierte Rad- und Fußweg, der parallel zur Ostheimer Straße verläuft, abwechselnd für den Verkehr freigegeben worden wäre.

Eine andere Möglichkeit hätte sich über die Landwirtschaftswege angeboten. So hätte der sechs Kilometer lange Umweg über Bruchköbel, den die Stadt zur Umfahrung der Baustelle ausgeschildert hat, erspart werden können. Seitens der Stadt wird zwar auf Hessen mobil als zuständige Straßenbaubehörde verwiesen, doch die weist das Spiel mit dem Hin und Her der Schuldzuweisung klar zurück. „Hier handelt es sich um Kanalbauarbeiten und nicht um Straßenbauarbeiten. Dafür aber ist allein die Stadt zuständig. Wir waren bei der Planung der Verkehrsführung nur beratend anwesend, genau wie die Polizei und die Straßenbehörde des Main-Kinzig-Kreises“, klärt Daniela Czirjak, Sprecherin von Hessen Mobil West, auf.

Aber es gibt auch noch mehr Verlierer und zwar auf der anderen Seite der Baustelle in Ostheim. „Wir merken die Straßensperrung sehr deutlich. Es fährt einfach keiner den ausgeschilderten Umweg über Bruchköbel, um zu uns zu gelangen.“, schildert Michelle Strempel die Situation im Juweliersgeschäft ihrer Eltern. Das liegt an der Wonnecker Straße und damit an Verlängerung der Ostheimer Straße. Andere Geschäftsleute, wie beispielsweise der Imbiss auf der Hanauer Straße in Ostheim, klagen ebenfalls wegen der Sperrung.

„Es fehlt einfach der Durchgangsverkehr zum Feierabend. Der macht einen Großteil meines Umsatzes aus“, so der Ladenbesitzer. Es soll aber auch zumindest einen Gewinner geben.

„Beim Nahkauf ist jetzt den ganzen Tag über richtig viel Betrieb“, berichtet der Ostheimer Helmut Weider. Aber auch er als ehemaliger Erster Stadtrat hätte eine andere Wegeführung zur Umgehung der Baustelle gewählt. Die sei auch gar nicht so abwegig, wie der Getränkemarktinhaber Euler bemerkt. Denn bei den Veranstaltungen im Mais-Labyrinth auf einem der Außenhöfe würden die Feldwege auch für den Verkehr freigegeben.

Das scheint den Verantwortlichen im Rathaus klar geworden zu sein, denn seit einigen Tagen stehen an der ansonsten nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegebenen Feldwege Schilder mit Tempobegrenzung. Hoffnung auf ein schnelles Ende macht der Erste Stadtrat Rainer Vogel (Grüne): „Wenn das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung macht, dann können wir die Sperre schon Ende April und nicht erst am 26. Mai aufheben.“

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