Neue Stadtführerin

Auf den Spuren Windecker Geschichte

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Ende 2017 gab Heinrich Quillmann aus gesundheitlichen Gründen seine letzte Führung. Von 1996 bis 2017 führte er über 15 000 Teilnehmer in 532 Führungen durch die Nidderauer Stadtgeschichte. Lange hat die Stadt Nidderau nach einem neuen Stadtführer gesucht. Christiane Munk hat sich schließlich getraut, in Quillmanns Fußstapfen zu treten. Am Samstag führte sie rund ein Dutzend Teilnehmer zu ihrem ersten Rundgang durch die Windecker Altstadt.

Es ist neu, dass der Startpunkt an der Willi-Salzmann-Halle ist, „wegen der Parkplätze“, und nicht wie bisher an der Nidderbrücke. Es ist neu, dass sich eine Frau für die Historie der Stadt interessiert. Und neu ist auch, dass es nun gedruckte Teilnahmekarten für die Gebühr von fünf Euro gibt. Kinder bis 14 Jahre können kostenlos dabei sein. Quillmann arbeitete mit anderen Karten, mit insgesamt 400 nach Themengruppen sortierten Karteikarten, aber auch Bildern, Drucken, Modellen und Stadtplänen. Letztere hatte auch Munk im Gepäck. Fotokopien des Stadtplanes aus dem Jahr 1727, der heute noch Gültigkeit besitzt.

Den drückte die 49-Jährige vorab jedem Teilnehmer in die Hand. Begleitet wurde sie von ihrem Mann Mario Eckhard und ihrem Hund Abby. Gebürtig aus Bad Vilbel, hat Munk von 2000 bis 2006 in Windecken in der alten Post gewohnt. Aus dieser Zeit stammen auch noch ihre Verbindungen zu den Nidderauern. Mittlerweile lebt sie in Kernbach bei Marburg. Sie hat drei Kinder. „Ich bin Erzieherin und Köchin und arbeite an der Burgwaldschule in Wetter bei Marburg“, sagte sie.

Vielen Nidderauer Grundschülern ist sie bekannt, weil sie seit zehn Jahren die Kinder-Museumsnächte der Heimatfreunde Windecken für die vierten Klassen der Kurt-Schumacher-Schule begleitet. Lange, sagt sie, habe sie überlegt, ob sie in die Spuren von Quillmann treten soll. Er und sie hätten sich mehrfach getroffen, auch zu einer Privatführung. Sie hat ihn zu Hause besucht, seinen Ausführungen zugehört und mitgeschrieben. Er hat ihr Bücher empfohlen. Sie hat einen Blick in seine Karteikarten geworfen und das Stadtarchiv besucht. Privat interessiert sie sich für das Mittelalter, liest gerne historische Sach- und Fachbücher und Historienromane. Sie fühlt sich auch der Natur verbunden und geht gerne wandern.

Bei den Führungen möchte sie nun ihren eigenen Stil finden. Vergleichbar ist dieser in der Tat nicht. Unbestreitbar hat Munk ihre Hausaufgaben gemacht und auch einen Spickzettel vorbereitet, mit Fakten und Zahlen. Die Teilnehmer führte sie zur Stiftskirche, von dort am Hexenturm vorbei zur Burg und durch das Judenviertel. Am Hexenturm blieb sie kurz stehen und berichtete von Margret Enders. Sie wurde im Jahr 1593 der Hexerei angeklagt. Im Hexenturm, dem Gefängnis der Burg wurde sie gefoltert. Sie erlitt alle Qualen, ohne eine andere Frau zu belasten.

Weil sie so standhaft blieb, rettete sie das Leben vieler anderer vermeintlicher Hexen. Enders wurde unter dem Wartbaum vergraben. „Die letzte Hexenverbrennung fand in Windecken am 15. Mai 1663 statt“, sagte Munk und ging zügig zur Burg. Sie wartete nicht und drehte den Teilnehmern oft den Rücken zu. Ihre Erklärungen fielen kurz und knapp aus.

Übergänge fehlten gelegentlich und manchmal der Zusammenhang. „Für Ergänzungen bin ich dankbar“, sagte sie. Doch sie erhielt nicht nur Ergänzungen, sondern auch fundiertes Wissen von den Teilnehmern. Klaus Porsche aus Heldenbergen hat fast alle Führungen von Quillmann begleitet. Auf die erste Führung von Munk war er neugierig. „Sie muss noch ein bisschen lernen. Quillmann war professionell.“, sagte er milde.

Ralf Grünke aus Windecken interessierte die Ortsgeschichte. „Ich möchte auf dem Laufenden bleiben“, sagte er. Doch viel Neues gab es nicht, außer der Tatsache, dass der Kirchturm abknickt. Das führte Munk darauf zurück, „dass das Gebäude permanent wegen der Auenlandschaft unterspült wird“. In Zukunft möchte sie vier Führungen jährlich in Nidderau anbieten. Zu einem späteren Zeitpunkt sind Themenführungen geplant.

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