Still ruht der See: Dieser Teil des Ostheimer Ziegelweihers bleibt den Anglerfreunden so erhalten.

Ein Stück Natur bleibt erhalten

Der Kompromiss für den Bebauungsplan "Ziegelei" im Nidderauer Stadtteil Ostheim scheint gefunden, denn der Beschluss zur Bebauung nur des nördlichen, also des oberen Geländes im Bereich der Ostheimer Angelteiche erfolgte am Freitagabend im Bauausschuss einstimmig.

Bis in die 80-Jahre reichen die Pläne zur Bebauung und damit Weiterentwicklung des 12700 Quadratmeter großen Geländes am Rande der Angelteiche in Ostheim. 1995 wurde sein nach Ansicht des derzeitigen Eigentümers Klaus Bernhard bis heute gültiger Bebauungsplan von den damaligen städtischen Gremien beschlossen. Die Bebauung wurde aber wieder fallengelassen, weil sich wegen der hohen Lärmschutzauflagen – gefordert wurde eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand – kein Käufer fand.

Erst der heutige Eigentümer Bernhard, der die gesamte Fläche 2000 übernahm, griff die ursprüngliche Idee, auf diesen Grundstücken Wohnbebauung zu schaffen, wieder auf. Weil die aktuelle Baugesetzgebung von den Kommunen für die Wohnbebauung neben Siedlungserweiterung auch die Überprüfung vorhandener Potenziale der Innenstadtentwicklung vorschreibt, wurde das Vorhaben neu geprüft. Nach der Ansicht Bernhards stellen die Bereiche an den beiden Teichen eine Abrundung der bestehenden Bebauung dar bei nur minimalen Erschließungsaufwand.

Entwürfe abgelehnt

Doch die Stadt sah dies anders. Sie lehnte die ersten Entwürfe mit der Begründung ab, dass die angestrebte Bebauung mit ein- und zweigeschossigen Doppelhäusern nicht in die städtebauliche Struktur des Umfeldes passe. Nach langen Verhandlungsrunden wurde schließlich ein Kompromiss gefunden, der eine reduzierte Bebauung der beiden Flächen vorsieht. Voraussetzung dafür sollten die Untersuchungen und Stellungnahmen der verschiedenen Behörden seien.

Doch soweit kam es nicht, weil plötzlich Widerstand in den politischen Gremien der Stadt auftauchte. Der kam hauptsächlich aus den Reihen der CDU, weil sich der Bereich sich mittlerweile zu einem Natur- und Erholungsgebiet entwickelt habe. Sogar von einem neu entstandenen Biotop war die Rede. Daraufhin wurde die Änderung des Bebauungsplans in der letzten Sitzung des Stadtparlamentes noch einmal zurück in den Bauausschuss zur weiteren Beratung überwiesen. Zunächst präsentierte am Freitagabend Bernhard erneut seine Pläne zur Bebauung beider Flächen, allerdings in reduzierter Fassung. Danach will er beispielsweise im oberen Gelände mit Zugang über die Weiherstraße 12 Einfamilienhäuser bauen, zwei Ein- und fünf Doppelhäuser. Auch für den unteren Bereich mit Zufahrt über die Straße Am Ziegelweiher hat er Pläne.

Doch war schon klar, dass es für diese Pläne keine Mehrheiten in den Gremien mehr gibt. In der anschließenden Beratung zog zunächst erst einmal die CDU ihren Antrag auf Bauverbot in beiden Teilen zurück. Die Fraktion sei über die Pläne nicht umfassend informiert worden, so ihre Begründung. Auch sei man davon ausgegangen, dass es sich um städtischen und nicht um privaten Grundbesitz handeln würde. Es folgte eine Auseinandersetzung, bei der es auf Seiten von SPD und CDU jedoch um mehr politische Standpunkte als um eine Auseinandersetzung mit dem Vorhaben ging.

Schließlich einigte man sich auf den Kompromiss, dass nur das obere Gelände (Zufahrt Weiherstraße) zur Bebauung freigegeben werden soll. Das unter Gelände (Zufahrt Am Ziegelweiher) soll hingegen naturbelassen bleiben. "Mit diesem Kompromiss kann auch ich leben", äußert Bernhard nach der Sitzung. Zwar hätte er lieber das Bauleitverfahren für beide Flächen abgewartet, "denn auf diesem Wege hätte sich sowieso herausgestellte, ob es sich um Biotope handelt, die eine Bebauung unmöglich macht" erläuterte er , doch wolle er die Dinge nun auf sich beruhen lassen und das Bauvorhaben nach den jetzigen Vorgaben angehen.

Preiswerter anbieten

Ein kleines Bonbon hat er dann doch noch für die Ostheimer. Er will die Häuser nämlich deutlich preiswerter als in Nidderaus Neuer Mitte bauen und sie für eine bestimmte Zeit auch nur Ostheimer Interessenten anbieten, dann Nidderauern und erst danach auf dem freien Immobilienmarkt zum Kauf freigeben. Größeres Erstaunen erregte an diesem Abend bei allen Beteiligten allerdings, dass zu dieser Sitzung kein Vertreter der Grünen gekommen war, obwohl diese sich doch so vehement gegen die Bebauung von Grünflächen außerhalb der Innenstädte aussprechen und deshalb beispielsweise auch einer Bebauung einer Ackerfläche in Eichen entgegenwirken. Manche vermuteten dahinter sogar ein taktisches Verhalten.

JÜRGEN W. NIEHOFF

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