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Nidderau/Langenselbold

Viabus-Rückzug: Wie es jetzt weitergeht

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Nach dem überraschenden Rückzug von Viabus aus dem Nidderauer Stadtbusverkehr laufen die Vorbereitungen für den Start der neuen Betreiber auf Hochtouren. Das Unternehmen aus Speyer äußert sich zudem erstmals zum Rückzug aus dem Nahverkehr in Nidderau sowie Langenselbold/Gelnhausen.

Noch 59 Tage sind es, bis neue Betreiber den Stadtbus Nidderau sowie die Busse im Linienbündel Langenselbold/Gelnhausen übernehmen. Die Tinte unter den Verträgen zwischen der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) und den Busfirmen ist noch feucht, da müssen sofort die Vorbereitungen auf Hochtouren anlaufen.

Überraschend hat sich Vergabesieger BRH Viabus zurückgezogen – die Nachricht war am Vortag eingeschlagen wie eine Bombe. Die Vergabe an die Speyrer Firma hatte auf Eis gelegen, weil unterlegenen Bieter eine Nachprüfungen beantragt hatten. Per Notvergabe setzte die KVG Viabus vorläufig als Betreiber ein, damit überhaupt seit 24. Juni die Busse rollen. Zum Rückzug äußert sich nun mit Viabus-Prokurist Fabian Maul erstmals ein Verantwortlicher. Er nennt als Grund für den Ausstieg die lange Dauer des Prüfungsverfahrens beim Regierungspräsidium Darmstadt. „Die Verfahrensdauer war für uns nicht abzusehen“, sagt Maul. „Damit steigt das unternehmerische Risiko, durch Kostensteigerungen et cetera.“ Zugleich machte die KVG Druck: Sie hatte laut MKK-Verkehrsdezernent Winfried Ottmann (CDU) wegen Qualitätsmängeln Zahlungen an Viabus reduziert. „Dieses Vorgehen dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum Viabus als ursprünglich preiswertester Anbieter nun aus dem Wettbewerb ausgeschieden ist“, schätzt Ottmann. Unter anderem hatten sich Fahrgäste über Verspätungen, Ausfälle und fehlende Deutschkenntnissen von Fahrern beschwert. Zu Details äußert sich das Unternehmen nicht. Der Viabus-Prokurist – zugleich Finanzchef beim Mutterunternehmen Metropolitan European Transport (MET) – erklärt aber: Es gebe „Situationen, in denen es die unternehmerische Verantwortung gebietet eine Entscheidung zu treffen, die bei keinem der Beteiligten Begeisterung auslöst“.

Bei keinem? Naja, nicht ganz: „Da fällt uns ein Stein vom Herzen“, sagt Rolf Heuser, Prokurist beim Altenstädter Busunternehmen Stroh. „Das war ein aufregendes Jahr mit sehr viel Ärger.“ Den wolle man nun schnell hinter sich lassen. Den Betriebsstart binnen nicht einmal zwei Monaten zu organisieren, sei „eine Herausforderung“, gibt Rolf Heuser zu. „Aber das schaffen wir.“

Genug Fahrzeuge hätten die Unternehmen – sowohl für Nidderau wie auch Langenselbold/Gelnhausen. Dort übernimmt der frühere Betreiber, die Langenselbolder Busfirma Heuser, die Hälfte des Auftrags. Sie fährt dann als Subunternehmer für die Vergabegewinner, die Verkehrsbetriebe Nagoldtal und die Offenbacher Firma Deinbus.

In Nidderau könnte zunächst auch der frühere, rote Stadtbus zunächst wieder zum Einsatz kommen, sagt Heuser – neben einem weiteren älteren Bus. Es werde einige Monate dauern, bis Hersteller die laut Auftrag geforderten neuen Fahrzeuge liefern könnten, die nun bestellt würden. Verständnis für den vorübergehenden Einsatz zunächst etwas älterer Fahrzeuge hat Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne). „Wir wollen, dass es funktioniert.“ Der Einsatz kleinerer Busse seien jedoch elementar für das neue Stadtbussystem – unter anderem wegen Engstellen auf den Linien wie in Ostheim und Heldenbergen.

Als Problem hat sich auch der Bahnhofsvorplatz Heldenbergen herausgestellt. Dort schaffen es die Midibusse gerade so, in den kleinen Kreisverkehren zu wenden. „Die Fahrer müssen da ordentlich fahren, aber es geht“, betont Vogel. Schäden an den Randsteinen zeugen davon, dass nicht jeder Fahrer so exakt durch die Wende zirkelt. Ein Vergrößern der Kreisverkehre sei baulich aber unmöglich, weiß Vogel. „Auf der einen Seite steht das Bahnhofsgebäude, auf der anderen Seite ist der Hang.“

Wenn ab Montag die Schnellbuslinie X27 hier ebenfalls wenden soll, müssen deren normal große Busse sowieso andernorts wenden: Das soll auf dem geschotterten Teil des Park+Ride-Parkplatzes nördlich des Bahnhofs geschehen. Nicht nur zuverlässigerer Betrieb könnte für die Nidderauer Fahrgäste die Folge des erneuten Betreiberwechsels sein. Sondern auch mehr Service. Denn einen der drei Stadtbusse soll das Heldenberger Unternehmen Schäfer-Reisen im Auftrag von Stroh fahren. Im Büro am Betriebshof von Schäfer in der Liebigstraße wird dann auch ein Servicebüro für die Fahrgäste eingerichtet.

Info Viabus: Wo die Firma tätig ist, warum sie in der Kritik steht  

Der aktuelle Nidderauer Stadtbus-Betreiber BRH Viabus aus Speyer gehört zur Metropolitan European Transport (MET). Dahinter stecken britische Finanzinvestoren. - BRH Viabus betreibt seit 2010 auch den Vilbus in Bad Vilbel sowie seit diesem Juni 24 Busse im Überlandverkehr von Altenstadt, Nidderau, Bruchköbel und Großkrotzenburg nach Hanau. - Auch im Landkreis Diepholz nahe Bremen kam Viabus nicht zum Zuge: Obwohl Sieger im Vergabeverfahren, war die Firma im April diesen Jahres rückwirkend als Bieter ausgeschlossen worden. - Regionale Busunternehmer werfen Viabus Dumping-Angebote vor, weil die Firma dauerhaft im Minus wirtschafte und mit Millionen-Finanzspritzen der Investoren am Leben gehalten wird.

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