Die gekennzeichneten Bäume sind als Bestattungsbäume im zweiten Abschnitt ausgewiesen.

Letzte Ruhestätte

Im Bestattungswald in Eichen gibt es bald mehr Platz

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Der Mitte Mai 2015 eröffnete Bestattungswald im Stadtteil Eichen wird gut angenommen. Alle 725 Urnenplätze an den 61 dafür ausgesuchten Bäumen im ersten Abschnitt sind bereits vergeben. Bis Ende 2018 gab es 444 Beisetzungen auf dem 2,2 Hektar großen Areal. Nun wird der zweite Abschnitt mit einer Größe von rund 1,5 Hektar erschlossen. Mit der Auftragsvergabe wird auch ein 200 Meter langer und 1,50 Meter breite Rundweg in naturnaher Ausführung gebaut, der auf den bereits bestehenden trifft.

Die Stille im Bestattungswald wird vom Hämmern eines Spechtes unterbrochen. Zwei Frauen nähern sich. Rosemarie Gonell aus Eichen und Ursula Kegel aus Ostheim kennen den Wald am westlichen Rand des Areals "Bürgerwald Windecken" an der Kreisstraße 851 gut. "Mein Mann Erich arbeitete früher im Wald. Wir waren 40 Jahre verheiratet. Am 5. Dezember 2017 ist er verstorben", sagt Gonell. Dort, wo er sich früher gerne aufgehalten hat, hat er nun seine letzte Ruhe gefunden. An einem stillen Platz, unter einem alten Baum. Gonell empfindet den Wald zu jeder Jahreszeit als schön, schätzt die ebenerdige Anlage . Ihre Kinder, sagt sie, wohnten weiter weg. Um ihnen die aufwendige Grabpflege zu ersparen, entschied sie sich für den Urnenplatz im Wald.

 Leichte Grabpflege

Kegel ist 2017 aus Frankfurt nach Ostheim gezogen. Ihr Lebensgefährte wurde am 15. August 2018 im Bestattungswald beigesetzt. Auch sie hat sich bereits ihre Ruhestätte im Bestattungswald reserviert. Die leichte Grabpflege war ein Grund. "Manchmal sitze ich auf einer Bank der Andachtsstätte und genieße die Stille", sagt sie. Im Sommer liebt sie den Vogelgesang. Regina Wilke von der Friedhofsverwaltung der Stadt nennt noch weitere Gründe für eine Ruhestätte im Bestattungswald. "Viele Menschen kennen diesen Wald bereits als Spaziergänger oder Jogger oder vom Holz machen. Sie sind mit dem Ort vertraut", sagt sie.

Viele ältere Bürger regelten schon zu Lebzeiten das Prozedere um ihre letzte Ruhestätte, wollten keine Last für ihre Kinder sein. Auch die Kosten sind gegenüber anderen Bestattungsformen überschaubar. 884 Euro kostet der Erwerb des Nutzungsrechtes einer Urneneinzelgrabstelle an einem Gemeinschaftsbaum für 25 Jahre, plus 229 Euro Bestattungsgebühren. Der Nacherwerb des Nutzungsrechtes beträgt pro Jahr 35 Euro. Im zweiten von insgesamt drei vorgesehenen Abschnitten wurden weitere 47 Bäume von Revierförster Udo Kaufmann ausgewählt, an denen bis zu zwölf Bestattungsstellen ausgewiesen werden. Somit stehen weitere 564 Urnenplätze zur Verfügung.

Schnell vergeben

Regina Wilke von der Friedhofsverwaltung der Stadt zeigt die Planung des zweiten Abschnitts.

Bestattungen sind unabhängig vom Wohnort möglich. Die Hälfte der Plätze ist nicht von Nidderauern belegt. Das bereitet Wilke Sorge. Denn die Plätze sind schnell vergeben. Aus diesem Grund hat die Stadt auch Bestattungsbäume auf Friedhöfen aller fünf Stadtteile außer in Windecken ausgewiesen. Diese stehen nur Nidderauer Bürgern zur Verfügung. "In Windecken haben wir ein Grabfeld angelegt, wo wir vier Bäume neu anpflanzen", sagt Wilke. In Ostheim wurden zehn Bäume neu gepflanzt. Vor jedem Baum befindet sich eine viereckige Eichenstele, an der eine Plakette angebracht werden kann. Auf den Friedhöfen in Eichen stehen vier Bestattungsbäume, in Heldenbergen sieben und in Erbstadt sechs.

Die Kosten für den zweiten Bauabschnitt im Bestattungswald beziffert Wilke mit rund 50000 Euro. "Fast die Hälfte geht für den Wegebau weg", sagt sie. Auch die Verkehrssicherung der Bäume schlägt zu Buche. Zwei Mal pro Jahr werden die Kronen der mittlerweile 108 Bäume gekürzt und Äste geschnitten. Die Plaketten werden von der Stadt angebracht. Für die Pflege ist der Bauhof zuständig. Wenn ein Baum umfällt, wird neu an der Stelle gepflanzt. Thomas Brabetz ist seit 1995 Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und für alle neun Friedhöfe der Stadt zuständig. Er hat schon viel erlebt. "Im Bestattungswald liegen oft Flaschen. Unter den Bäumen werden Kerzen angezündet und Rosenbüsche gepflanzt", zählt er die Sünden auf. "An Ostern wird es bunt. Dann hängen Ostereier und bunte Bänder an den Bäumen", sagt Wilke. Die Erinnerungsstücke sammelt sie ein und bewahrt sie sechs Monate auf. Denn Baumschmuck ist nicht erlaubt.

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