Landfrauenverband

Landfrauen: Die Zeit der Kittelschürze ist vorbei

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„Landfrauen mischen sich ein“ lautet eine Aktion des Deutschen Landfrauenverbandes. Doch das Einmischen bezieht sich nicht nur auf das öffentliche Leben und die Politik. Um gesellschaftliche Dinge zum Positiven zu verändern, mischen sich die Landfrauen auch untereinander in Orts- oder Bezirksvereinen ein. Die Landfrauen Ober- und Niederdorfelden waren in diesem Jahr Gastgeber der Initiative „Ein Ort stellt sich vor“ der Bezirkslandfrauen Hanau.

Bereits zum 13. Mal haben sich die Landfrauen aus allen Orten des Bezirks Hanau getroffen, um ihre nähere Heimat und alte Ortskerne kennenzulernen. „Dieses Jahr sind im Zuge des Jubiläums 1250 Jahre Dorfelle unsere Ortsvereine ausgewählt worden“, freut sich Helga Beck, Vorsitzende des Bezirks-und Ortsvereins. Ihren Gästen boten die Landfrauen in Oberdorfelden eine Begehung rund um die Kirche und den alten Ortskern mit Backhaus und Pfarrhaus.

In Niederdorfelden besichtigten die Landfrauen die Ölmühle, die Wasserburg und den Junkerhof. Wie Beck erklärte, finden die regionalen Treffen statt, um Informationen auszutauschen. So gibt es jährlich Arbeitstagungen, eine Hauptversammlung mit den Ortsvereinen und außerplanmäßige Veranstaltungen wie Kinobesuche.

Auch Tipps und Empfehlungen zu Vorträgen, Fahrten, Führungen und Ausflügen werden untereinander ausgetauscht. Die Nachwuchsarbeit in den 15 Ortsvereinen mit insgesamt 1300 Mitgliedern bewertet Beck als schwierig. „Wir versuchen über Kochkurse mit Kindern Interesse für unsere Arbeit zu gewinnen. Doch Sportangebote und der Besuch von weiterführenden Schulen mit Nachmittagsunterricht machen uns die Nachwuchsarbeit schwer“, sagte Beck.

Hella Gebhardt ist seit 21 Jahren Landfrau. Sie schätzt das Gemeinschaftsgefühl und die vielseitigen Unternehmungen. Ingeborg Klingenstein ist seit 44 Jahren als Landfrau aktiv. „Ich war Hausfrau, habe drei Kinder und wollte außerhalb der vier Wände Unterhaltung haben“, sagte sie. Deshalb sei sie gerne Landfrau geworden. Allerdings hätte sie niemals einen Landwirt geheiratet, betont sie.

Die Zeiten, wo Landfrauen nur gekocht, gebacken und Kittelschürzen getragen hätten, seien schon lange vorbei. Heute mischten sich Landfrauen in Politik und Gesellschaft, reisten nach Mallorca und in die Toskana und besuchten einmal jährlich den Hessentag.

Silvana Jüngling leistete 16 Jahre Vorstandsarbeit. „Wir sind in allen gesellschaftlichen Bereichen aktiv, und greifen aktuelle Themen wie damals die Einführung des Euro auf“, sagte die 65-Jährige. Auch Pfarrer Steffen Merle erklärte, dass weniger die historischen Plätze oder das Jubiläum in Dorfelle wichtig seien, sondern die Menschen. Anlässlich des Jubiläums habe Oberdorfelden seine Geschichte zu einem historischen Schauspiel gemacht. „Die Menschen waren über Jahrzehnte dieselben wie wir. Wir blickten nur in einen Spiegel der Geschichte“, sagte Merle.

Marie Susanne Lautenschläger, gebürtig aus Oberdorfelden, lieferte den Landfrauen einige historische Fakten zur Kirche und dem Backhaus. Auch Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) ist Landfrau. Sie bestätigte, dass alle Veranstaltungen der Landfrauen familiär geprägt und von Herzen ausgerichtet sind.

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