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Zahlreiche Niederdorfeldener erscheinen zur Einweihung der neuen Unterkunft für 45 Flüchtlinge in der Berger Straße.

Lage enstpannt sich

Niederdorfeldener Flüchtlingsunterkunft offiziell eingeweiht

Mit einer neuen Flüchtlingsunterkunft für 48 Personen setzt die Gemeinde Niederdorfelden Maßstäbe in der Region. Nun sind die beiden Gebäudetrakte an der Berger Straße der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Auch die Nachbarkommunen Schöneck und Nidderau haben die Flüchtlingssituation im Griff.

Für Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) sind die Flüchtlingsunterkünfte in der Berger Straße 21 a von hohem Standard. Die Unterbringung in Bürgerhäusern und Turnhallen oder umgebauten Containern sollte der Vergangenheit angehören. Entwickelt wurden die Reihenappartements an der Universität in Ankara, errichtet wurden sie und von der Nidderau-Objekte-Bau. Die Gesamtkosten belaufen sich einschließlich Erschließung, Technik und Versorgungsleitungen auf rund 800 000 Euro. Die Wohnanlage selbst schlägt hierbei mit 611 000 Euro zu Buche. „Es ist ein Vorzeige-Objekt, das in der Region beispiellos ist “, sagt Büttner.

Die Grundstücke wurden von der Gemeinde über eine Laufzeit von zunächst fünf Jahren gepachtet, erläutert der Rathauschef. Die Nutzungsdauer betrage 15 Jahre, betont Büttner, wobei die Gesamtanlage auch nach dem Ende der Flüchtlingsströme weiterhin genutzt werden könne. Beispielsweise als Studentenunterkunft. „Die Nähe zur Uni in Frankfurt ist gegeben, einschließlich der Verkehrsanbindungen.“ Aber auch als Ersatzwohnraum für Obdachlose sei eine spätere Nutzung möglich.

Zurzeit wohnen jedoch seit Ende August 31 Personen aus Syrien und Afghanistan in den neuen Unterkünften, meist Familien. „Insgesamt können bis zu 48 Personen ein vorläufiges Zuhause finden“, sagt Büttner. Die zwölf in Modulbauweise errichteten Wohneinheiten von jeweils 45 Quadratmetern bieten mit zwei Zimmern, einer Dusch- und Toilettenzelle und einer Kochnische im Vorraum bescheidene, aber komfortable Verhältnisse. W-Lan sowie Internet- und Telefonanschlüsse sind ebenfalls vorhanden.

Durch die jeweilige Geschlossenheit der Wohneinheiten werde der Charakter einer Massenunterkunft vermieden, hebt Büttner hervor. Bevorzugt würden Familien mit Kindern. Die Wohnanlage erinnert denn auch eher an ein städtisches Mietshaus. Was fehlt, das ist eine kleine Grünanlage, ein Spielplatz. Einstweilen beherrscht eine eher triste und grobe Schotteraufschüttung das Areal.

Neben den Wohnanlagen steht den Bewohnern ein Sozial- und Gruppenraum zur Verfügung, ein Bürotrakt, der zunächst für Unterrichtszwecke und Beratungen genutzt wird. „Ein Optimum auf die Schnelle wurde erreicht“, sagt eine Niederdorfeldenerin, die zu den etwa 50 Gästen gehört, die bei gegrillten Würsten und Frikadellen mit Fladenbrot der Einladung zur Besichtigung gefolgt sind.

Kritische Stimmen sind bei den Besuchern nicht zu vernehmen, eher Zustimmung. „Wir sind hier nicht in Dresden“, lautet der Tenor. Rund 9 300 Euro pro Person fließen zurzeit monatlich seitens des Landes in die Gemeindekasse zurück, erläutert Büttner, „pro Tag und Person zehn Euro“. Gelder, mit denen jedoch auch die Flüchtlingsberatung finanziert werde.

Ähnlich undramatisch ist die Situation auch in Niederdorfeldens Nachbarkommunen Schöneck und Nidderau. „Derzeit sind 219 Flüchtlinge in Schöneck untergebracht“, berichtet Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück (SPD). Auf größere Unterkünfte konnte die Gemeinde verzichten: Alle Männer und Frauen sind in privaten oder gemeindeeigenen Wohnungen untergekommen. Rück erklärt: „Insgesamt 380 Menschen waren für Schöneck bis Jahresende prognostiziert, doch das wird nicht eintreffen. Das entlastet uns.“ Im Gegenteil: Für zwei gemeindeeigene Liegenschaften, die ursprünglich für Flüchtlingsunterkünfte vorgesehen waren, müssen nun neue Nutzungskonzepte erstellt werden.

Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel erklärt: „Aktuell haben wir 379 Flüchtlinge, damit haben wir unser Soll voll erfüllt.“ Auch er bestätigt: „Man merkt, dass der Druck nachgelassen hat.“ Trotzdem stelle sich die Frage, ob und wann die Kommunen sich trauten, Kapazitäten abzubauen. „Wir machen und können das zurzeit noch nicht, weil unsere Unterkünfte noch gut belegt sind.“

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