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Das Besondere an dem Koch- und Backbuch ist, dass die Landfrauen ihre Rezepte handschriftlich niedergelegt haben.

Kochen und Backen wie bei Oma

Landfrauen bringen neues Buch ihrer Koch- und Backbuch-Reihe heraus

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Die Landfrauen verbinden viele Menschen vor allem mit Kuchen-Buffets. Dahinter steht aber viel mehr, Weiterbildung und Geselligkeit etwa. Die Sache mit den Kuchen stimmt trotzdem. In Niederdorfelden haben die Landfrauen eine erfolgreiche Koch- und Backbuch-Reihe herausgebracht.

Es duftet appetitlich nach Essen. Der Saal des Alten Rathauses in Niederdorfelden ist voll besetzt mit Damen, die sich auf die Mahlzeit freuen. Die Landfrauen um ihre Vorsitzende Brunhilde Steul sind Expertinnen in der Küche. Das haben sie bewiesen, indem sie seit den Achtzigerjahren bereits vier Kochbücher herausgegeben haben. "Wir kochen und backen" heißt die Reihe, deren Cover eine Biene ziert und deren Rezepte alle als Handschrift gedruckt sind. Die Bücher sind sehr erfolgreich.

Heute ist eine Ernährungs-Fachfrau zu Besuch, die über Hülsenfrüchte informiert. Mehrere Gerichte stehen dazu auf dem Speisezettel: Köstlichkeiten wie Erbsensuppe, Linsensalat und Hackfleisch-Reis-Pfanne mit Kichererbsen. Hmm. Referentin Margita Bernges, die die Speisen im Vorfeld gekocht hat, erzählt zwischen den Gängen Wissenswertes. Die Landfrauen lauschen interessiert.

Steul erzählt: "Früher haben wir uns 14-täglich getroffen – jetzt nur noch einmal im Monat." Mit 23 Jahren gründete sie den Verein, damals war sie die Jüngste. Das war 1976. "Wir galten damals als sehr junger Verein", blickt die heute 64-Jährige zurück, die zwölf Jahre lang stellvertretende Landesvorsitzende war. Die Gesellschaft habe sich gewandelt, sagt sie, weshalb die Landfrauen aus Niederdorfelden eine junge Gruppe gegründet haben: Die "Landmädels" um Karin Dunkel. "Das sind unsere Töchter, sie haben alle eine tolle Ausbildung", sagt Steul. "Sie brauchen keinen Vortrag über Reisen zu hören, sie fahren selber hin. Wir hingegen dachten damals: Da kommen wir niemals hin." Bei den Landfrauen habe die Weiterbildung im Vordergrund gestanden, bei den "Landmädels" sei es die Geselligkeit. Rezepte auf losen Zetteln

Landfrauen und "Landmädels" treffen sich getrennt, aber machen mitunter auch etwas gemeinsam. Beispielsweise beim Plätzchenbacken – da sind Jung und Alt zusammen.

Die Landfrauen sind Damen ab 50 Jahre aufwärts, 70 Köpfe hat Steul in ihrer Gruppe. In ihrer Familie hat das Landfrauentum Tradition: Schon ihre Mutter gründete einen Verein in Burgholzhausen.

Zu der Idee, ein Kochbuch zu schreiben, kam es erstmals so: "Als wir uns gegründet haben, hatten wir bei allen möglichen Gelegenheiten Rezepte auf fliegenden Blättern gehabt. Man hat immer gedacht: Das würde ich gerne mal kochen. Und dann hat man das Rezept nicht gefunden. Dann hatten wir die Idee zu dem Kochbuch. Das Besondere ist, dass wir die verschiedenen Handschriften haben." Das Buch herauszugeben, sei viel Arbeit gewesen. "Wir haben mit einem Wust von Rezepten gesessen und uns gefragt: Was bringen wir rein?" 1987 erschien das erste Kochbuch. Die erste Auflage von 500 Exemplaren war innerhalb von wenigen Wochen ausverkauft.

Für Beisitzerin Gudrun Reuter sind die Landfrauen ebenfalls etwas Wichtiges: "Es bedeutet mir sehr viel. Ich identifiziere mich damit." Sie sei in Niederdorfelden geboren, komme aus der Landwirtschaft und sei dort verwurzelt. "Mein Mann sagt: Wenn was mit den Landfrauen ist, lässt du alles stehen und liegen", erzählt sie. 24 Jahre war die 68-Jährige als Kassiererin des Vereins aktiv. "Unsere Kasse bestand anfangs aus einem Zigarrenkistchen und einem Ringbuch. Wir überlegten damals, wie wir Geld in die Kasse bekommen, und haben einen Herbstmarkt organisiert." Dabei verkauften die Frauen Hausmacherwurst, Marmelade, Kränze und Erbseneintopf. Es sei über zehn Jahre wie ein Volksfest gewesen, "wir mussten aufhören, trotz des Erfolgs". Sie hätten es nicht mehr geschafft. Aktivitäten neben Treffen

"Wir haben uns so damit identifiziert – so was gibt es heute gar nicht mehr", meint Reuter. Viele andere Aktivitäten machen die Landfrauen neben ihren Treffen trotzdem noch, etwa die Faschingssitzungen gemeinsam mit dem Gesangverein, Tischtennisverein und der Feuerwehr. Beim Weihnachtsmarkt und beim Straßenfest sind sie auch immer noch mit dabei.

Der Ernährungsabend ist ein Programmpunkt, den der Landesfrauenverband trägt. Dessen Auftrag sei es, die Frauen weiterzubilden. "Ein Abend im Jahr ist vom Landesverband vorgegeben, ansonsten machen wir ein eigenes Programm", erläutert Steul. Referentin Bernges kredenzt nun ein Frischkäse-Kirsch-Dessert mit Erdnuss-Krokant. Es ist ein schmackhafter Schlusspunkt.

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