Freiwillige Feuerwehr

Voraushelfergruppe: Sie sind noch vor dem Notarzt da

In Deutschland sterben jährlich mehr als 100 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Er ist eine der häufigsten Todesursachen. Ohne die sogenannten Voraushelfer gäbe es wohl noch mehr Opfer. Die freiwilligen Sanitäter werden immer dann alarmiert, wenn es schnell gehen muss: Ihr Job ist es dann, die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken.

In Deutschland sterben jährlich mehr als 100 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Er ist eine der häufigsten Todesursachen. Ohne die sogenannten Voraushelfer gäbe es wohl noch mehr Opfer. Die freiwilligen Sanitäter werden immer dann alarmiert, wenn es schnell gehen muss: Ihr Job ist es dann, die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken.

In Hessen sind Rettungskräfte verpflichtet, von der Alarmierung bis zur Einleitung erster medizinischer Maßnahmen eine Frist von zehn Minuten einzuhalten. "Bei einem Atem- oder Herzstillstand ist diese Zeitspanne zu lang", erklärt Niederdorfeldens Gemeindebrandinspektor Daniel Christ. Deshalb gibt es bei seiner Freiwilligen Feuerwehr mittlerweile seit zehn Jahren eine Voraushelfergruppe.

Die Notfallhelfer sichern kleinere Städte ab, die kein Krankenhaus in unmittelbarer Nähe haben. Im Zweifel sind die Niederdorfelder schneller vor Ort als Notarzt oder Krankenwagen. Beide werden alarmiert, beide rücken parallel aus.

Das ist wichtig, denn bei einem Herzstillstand sinkt die Überlebenschance mit jeder verstrichenen Minute um zehn Prozent. Nach sechs Minuten treten bleibende Schäden am Gehirn auf.

Laut Christ sind die Voraushelfer in Niederdorfelden meist nach vier Minuten vor Ort. Ausgestattet mit Sauerstoff, Beatmungsbeutel, Larynx-Tubus zur Atemwegssicherung, Blutdruckmessgerät, Verbandsmaterial und Absaugung leisten sie qualifizierte Erste Hilfe – und verkürzen so die Rettungskette erheblich.

In der Freiwilligen Feuerwehr sind von 32 aktiven Feuerwehrmännern elf als Voraushelfer ausgebildet. Sie kommen auf zusammen auf über 80 Stunden rettungsdienstliche Ausbildung und können nicht nur Wiederbelebungen durchführen, sondern auch bei Bewusstlosigkeit oder Atemstillstand Gegenmaßnahmen einleiten.

Nach zehn Jahren im Einsatz fühlen sich die Sanitäter der Feuerwehr mittlerweile sattelfest und in Notsituationen auch psychisch gefestigt. Voraushelfergruppen in Hessen gibt es laut Christ seit etwa zwölf bis 15 Jahren. Vorreiter im Main-Kinzig-Kreis war die Feuerwehr Kilianstädten. 2008 stellte dann auch die Wehr in Niederdorfelden eine Sanitäter-Truppe auf.

"Die Kosten für unsere komplette Ausrüstung übernimmt die Gemeinde. In diesem Jahr wurden zwei Übungspuppen in der Größe eines Säuglings und Kleinkindes angeschafft", sagt Christ. Das Trainingsmaterial sei dringend notwendig gewesen, da in Niederdorfelden aufgrund der Neubaugebiete mit jungen Familien ein durchschnittlich hoher Anteil an Kindereinsätzen zu verzeichnen sei.

"Bei unserem ersten Einsatz wurden wir zu einem elf Monate alten Kind gerufen. Von sieben bis acht Einsätzen pro Jahr sind zwei Kleinkinder betroffen", sagt Christ. Er appelliert an Angehörige und Nachbarn, schon vor dem Eintreffen der Voraushelfer, Erste Hilfe zu leisten.

Wer lernen will, wie das geht, kann die Voraushelfer jederzeit ansprechen. Auch die Übungspuppen stehen zur Verfügung, sagt Christ. Zudem bieten der Arbeiter-Samariter-Bund und das Rote Kreuz Lehrgänge in Erster Hilfe an.

Daniel Christ sieht den Einsatz als Voraushelfer einfach als weiteres Aufgabenfeld innerhalb der Feuerwehr. Aber: Eigentlich ist die Aufstellung einer Voraushelfergruppe freiwillig und zählt nicht zu den Pflichtaufgaben der Wehr.

Das Einsatzgebiet der Voraushelfer ist kommunal eng begrenzt und beschränkt sich nur auf deren Wohnort. Laut Christ werden die Sanitäter aus den eigenen Reihen rekrutiert. Es sind Männer wie Torsten Linke, der seit zehn Jahren Voraushelfer ist. "Ich habe ein grundsätzliches Interesse an Medizin und daran, Leben zu retten", sagt der 49-Jährige. Oder Sein medizinisches Wissen setzt er sowohl im privaten als auch dienstlichen Bereich ein. Oder  Klaus Fischer, dem als Voraushelfer sein Beruf zugutekommmt. Der 29-Jährige ist seit drei Jahren dabei. Er arbeitet beim Arbeiter-Samariter-Bund.

"Die Situation am Einsatzort ist nie so, wie die Situation, auf die man sich mental vorbereitet", sagt Fischer. "Auch an Feiertagen ist man unterwegs", ergänzt Frank Gruner. Der 49-Jährige ist seit seinem vierzehnten Lebensjahr Feuerwehrmann.

Bei einer Alarmierung rücken sie gemeinsam aus, zumeist mit ihrem privaten Auto, manchmal mit Feuerwehrfahrzeugen. Das Signal gibt die zentrale Leitstelle für den Main-Kinzig-Kreis in Gelnhausen. Die Voraushelfer erhalten lediglich ein Stichwort und die Adresse des Einsatzortes auf ihren Funkmeldeempfänger. Danach beginnt der Wettlauf mit der Zeit.

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