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Bürger sollen Erfahrungen melden

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Die Starkregengefahrenkarte ist in Arbeit, Ingenieur Aron Roland erläutert bei der Bürgerversammlung alle Details. Erfahrungen der Ober-Mörler werden noch eingearbeitet. © Annette Hausmanns

Ober-Mörlen (hau). Das Interesse am Starkregenkonzept für die Gemeinde war am Montagabend derart groß, dass im Rittersaal Stühle nachgestellt werden mussten. Zur Bürgerversammlung hatte Mario Sprengel, Vorsitzender der Gemeindevertretung, eingeladen, weil die Planungen des eingeschalteten Ingenieurbüros in die heiße Phase gehen. Zum einen wollte Ingenieur Aron Roland von der BGS Wasser den Bürgern die bisherigen Untersuchungen und erste geplante Maßnahmen erläutern, andererseits bat er die Bürger dringend, sich mit ihren Erfahrungen an ihn zu wenden.

Theorie und Praxis sollen zeitnah zum Konzept zusammengefügt werden.

Zum Einstieg hatte Roland ein Lob an die Gemeinde mitgebracht, die sehr früh, nämlich mit Beschluss vom Januar 2022, Fördermittel von Bund und Land für das Risikomanagement in der kommunalen Überflutungsvorsorge beantragt, erhebliche Vorleistungen erledigt und Rolands Büro mit der Analyse, konzeptioneller und praktischer Arbeit beauftragt hatte. Das Modell basiere auf zentimetergenauen Befliegungsdaten, erklärte der Experte. Hineingerechnet worden seien unter anderem auch verfügbare hydrologische Erkenntnisse, Boden- und Oberflächenbeschaffenheiten, klimatische Entwicklungen.

Betrachtet habe man vorzugsweise ein 100-jährliches Starkregenereignis (der »Modellregen« geht aus von 90 Millimetern pro Quadratmeter in einer Stunde), sagte Roland und stellte fünf besonders gefährdete Flächen im Dorf, seinen Rändern und dem Gewerbegebiet sowie vorbeugende Maßnahmemöglichkeiten vor. Alle Gebiete hatte er zuletzt am Montagnachmittag mit Ortskundigen in Augenschein genommen.

Gesucht würden intelligente Lösungen mit dezentraler Wirkweise. Um beispielsweise das Areal am westlichen Ortsrand vor zu viel Wasser vom Winterstein zu schützen, werde man versuchen, es noch stärker im Wald zu halten, also Umläufigkeiten zu schaffen und dort versickern zu lassen. Erste bauliche Maßnahmen in Form von Waldweg begleitenden Grabentaschen habe die Gemeinde bereits vor einiger Zeit durchgeführt, ergänzte Sprengel.

Die Sprache kam auf den Entwässerungsgraben im Westen des Dorfes in Richtung Usa, seinen Bewuchs und die Pflege in Kooperation mit dem Naturschutz. Angedeutet wurden Retentionsbecken am Ortsrand, von Landwirten genannt auch Sickergruben, um zugleich das Grundwasser anzureichern. Angesprochen wurden die Expertenbegleitung und strenge Auflagen bei Neubaugebieten, und nicht zuletzt zielten Bürgerfragen in Richtung Hochwasserschutz an der Usa. Wie Roland erklärte, müssten die Starkregen- und die Hochwassergefahrenkarte getrennt betrachtet werden. Letztere sei schon vor Jahren für Ober-Mörlen erarbeitet worden.

»Alle Maßnahmen sind nur so gut wie die Kommune zusammenhält und -arbeitet«, berichtete Roland aus seiner langjährigen Erfahrung. Entwässerungssysteme ertüchtigen und den Wasserrückhalt ausbauen könne Hand in Hand laufen, das eine schließe das andere nicht aus. Kommunale Überflutungsvorsorge sei eine Gemeinschaftsaufgabe, insbesondere seien auch die Bürger gefragt. Beobachtungen wie ein verstopfter Graben könnten umgehend an die Gemeinde gemeldet oder kleinere Verstopfungen selbst beseitigt werden. »Wir reagieren sofort«, bestätigte die kommunale Umweltbeauftragte Saskia Fleischhauer.

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