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Gemeinsam schmeckt’s besser

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Stehen für die neuen Angebote im erweiterten AWO-Häuschen (v. l.): Alina Zakrevska, Waltraud Neisel, Sabine Adelmann, Sigi Weber und Uliana Lumei. © Annette Hausmanns

Ober-Mörlen (hau). Der AWO-Ortsverein wird nicht müde, sich immer neue Angebote für die Menschen in Ober-Mörlen auszudenken. Seit die Mietwohnung im hinteren Erdgeschoss der selbst sanierten Hofreite an der Frankfurter Straße nicht mehr vermietet ist, nutzen die Ehrenamtler um Waltraud Neisel die Räume für neue Aktivitäten in geselliger Runde.

Ohne die bestehenden Angebote wie die montäglichen Seniorentreffs oder das Demenzcafé jeden Donnerstag im evangelischen Gemeindehaus zu vernachlässigen, kümmern sich die Freiwilligen mit großem Engagement auch um die neuen Treffs - nicht nur für Ältere (Terminübersicht im Infokasten).

Gleich zwei schöne Ideen, die Menschen zusammenzubringen, verwirklicht Sigi Weber im wöchentlichen Wechsel: dienstags vormittags den Handarbeitstreff und mittwochs nachmittags den Spieletreff. Die Treffs sind für all jene, die gerne gemeinsam kreativ sind, beim Stricken oder Häkeln auch Klönen möchten oder sonst niemanden haben, mit dem sie Rummy, Skat oder Skip-Bo spielen könnten. »Wer Zeit und Lust hat, kann einfach reinschauen und mitmachen«, lädt Weber ein. So manches Knäuel Wolle, Nadeln oder auch Handarbeitsbücher seien gespendet worden und auch der Spieleschrank sei gut bestückt. Eigene Ideen seien jederzeit willkommen.

Ganz neu lädt die AWO alle zwei Wochen mittwochs mittags zum gemeinsamen Mittagstisch im AWO-Häuschen ein, um Gemeinschaft zu stiften. Das Essen ordert die langjährige AWO-Aktive Sabine Adelmann beim »Usagrill« um die Ecke für jeden, der sich bis spätestens zwei Tage vorher angemeldet hat. Die Kosten fürs Essen in trauter Runde übernimmt jeder selbst, alles andere wird gestellt.

Therapeutisches Töpfern

Mit zehn Gästen ging’s diese Woche bereits lecker los. Um sich kostengünstig mit Secondhand-Kleidung zu versorgen, können Interessierte nun auch jeden ersten Samstag im Monat morgens in den von der AWO betriebenen Bürgerbus steigen. Der fährt pünktlich ab in Richtung Kleiderkammer des Zonta-Clubs in Bad Nauheim.

Mit Alina Zakrevska hat die AWO eine vielseitig begabte und engagierte Geflüchtete aus der Ukraine im Boot. Die ausgebildete Montessori-Pädagogin und ihre 17-jährige Tochter Uliana Lumei fanden Anfang April Zuflucht in Ober-Mörlen. Alina hat bereits begonnen, mit traumatisierten Kindern aus ihrem Mutterland beim therapeutischen Töpfern die schrecklichen Erlebnisse aufzuarbeiten.

»Das Arbeiten mit Ton tut der Seele gut«, erzählt Alina mithilfe ihrer Übersetzungs-App. Sobald sie ihr Deutsch verbessert hat, möchte sie auch deutschen Kindern zeigen, was sie mit ihren Händen schaffen können - zum Beispiel auch beim Basteln von technischem Spielzeug.

Ihrer Tochter Uliana sind Kreativität, Wissbegierde und eine große künstlerische Gabe offensichtlich in die Wiege gelegt worden. Sie hatte in der Ukraine bereits ihr Abitur abgelegt und kurz vor der Invasion der Russen ihr erstes Buch veröffentlicht, in dem sich ihre Talente zu einer wunderbaren Symbiose zusammenfinden.

»Was verbirgt das Universum?« hat sie ihr selbst illustriertes und wissenschaftliches Märchen genannt. Kindgerecht erklärt sie hier die unterschiedlichsten Naturphänomene, die Schwerkraft zum Beispiel oder die Aggregatzustände von Wasser. »Dieses Buch ist eine Hoffnung, dass die Kinder der Ukraine es brauchen werden, damit sie die Kraft und den Wunsch haben, zu lernen und sich zu verbessern. Mit dem Glauben an die Zukunft und an uns«, sagt ihre Mutter.

Leihbücherei für Geflüchtete

Seit langer Zeit bringt Tochter Uliana ihre Gedanken, ihre Hoffnungen und Träume in zauberhaften Bildern zu Papier. Auch in Bad Nauheim wurden schon Werke der jungen Künstlerin ausgestellt. Und weil Uliana das Malen so viel bedeutet, möchte sie auch mit Kindern malen. Der erste Malkurs wird bald beginnen.

Beide, Mutter und Tochter, sind neugierig auf das Leben und möchten etwas bewegen. Dankbar ist Alina Zakrevska, dass sie jetzt im AWO-Lädchen eine kleine Leihbücherei für Geflüchteten aus der Ukraine mit Büchern in ihrer Muttersprache einrichten darf.

Das entsprechende Regal hat Waltraud Neisel bereits freigeräumt, auch die erste finanzielle Ausstattung für den Bücherkauf übernimmt die Ober-Mörler AWO.

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keh_hau_awo4_020922_4c © pv

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