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Keimfrei ist nicht selbstverständlich

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Von: Annette Hausmanns

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Am idyllischen »Brünnchen« kann man sich bis heute treffen und Gießwasser holen, weil sich die Gemeinde um die Quelle kümmert und eine Bürgerinitiative um die Beckenpflege. © Annette Hausmanns

Ober-Mörlen (hau). Wasserhahn aufdrehen - Wasser läuft. So selbstverständlich ist das nicht und war es nie. Bezüglich der Wasserversorgung hatten am vergangenen Maifeiertag rund 90 Teilnehmer am Mörler Maigang so manches Aha-Erlebnis. Die vierte Auflage der Streifzüge durch Natur, Kultur und Geschichte von Ober-Mörlen führte diesmal unter dem Thema »Wir und unser Wasser« durch Feld und Flur zu Quellen und Brunnen am Dorfrand, und das bei überraschend schönem Wetter.

Im Namen der veranstaltenden Gemeinde begrüßte Bürgermeisterin Kristina Paulenz die Maigänger auf dem Kirchplatz. Hier hatte einst ein Röhrenbrunnen die Bevölkerung mit Trink- und Kochwasser versorgt, erklärte Robert Scheibel von der Initiativgruppe »WIR für unser Dorf«, die für die Veranstaltungsorganisation verantwortlich zeichnete. »Für unsere Urgroßeltern war das ein großer Fortschritt«, blickte Scheibel auf die Selbstversorgung mit Brauch- und Tränkwasser aus eigenen Brunnen zurück.

Der Kirchplatzbrunnen war über Holzröhrenleitungen durch die Borngasse mit hangabwärts fließendem Wasser aus dem Stockborn gespeist worden. Die Wanderer nahmen den Weg in umgekehrter Richtung an der Schule vorbei zum Stockborn, der bis heute wichtigsten Trinkwasserquelle für das Dorf. Hier bekamen sie die Gelegenheit, mit Ober-Mörlens Wassermeister Steffen Rehde das über der Quelle errichtete historische Gebäude zu besuchen. Wo früher Kinder spielten, ist heute aus wasserschutztechnischen Gründen alles umzäunt und streng überwacht. Einst versorgte der Stockborn auch den Haingraben ums Dorf, das Wasserbecken (Weed) im Dorf und einen künstlichen Teich gegenüber der Bleiche (heute steht dort die Schule) mit Tränk- und Löschwasser.

Warum es ihn überhaupt gibt, erläuterte der Ober-Mörler Bodenkundler Dr. Matthias Peter. Wie vielerorts entspringe die Quelle dort, wo eine wasserundurchlässige Bodenschicht am Hang austritt - hier idealerweise oberhalb des Dorfes. Vor gut hundert Jahren wurde die Quelle eingefasst und der erste Wasserhochbehälter gebaut, der Wasserleitungsbau folgte und ab 1933 immer neue Erweiterungen des heute leeren Hochbehälters. Ein gegenüber dem Gebäude im Erdreich eingelassener riesiger Wassertank löste 1993 die undichten historischen Stauräume ab.

Wassermeister Rehde berichtete von drei Quellen im Wasserschutzgebiet, von einer hervorragenden Wasserqualität und von einer modernen Ultrafiltrationsanlage zur Aufbereitung.

Bis vor 50 Jahren sei man in der Wasserversorgung autark gewesen, heute würden bis zu 30 Prozent von der OVAG zugekauft. Rund um die Uhr liefen bei ihm und seinem Wassermeisterkollegen Jens Draheim alle Störungsmeldungen rund ums Wasser digital ein, berichtete Rehde von einem Hightech-Überwachungssystem, das dem Schutz des Trinkwassers und der Versorgung der Bevölkerung mit makellosem Wasser diene. »Dass immer keimfreies Wasser aus dem Hahn läuft, ist nicht selbstverständlich«, sagte der Wassermeister und ermutigte alle, ihn im Zweifel übers Telefon zu kontaktieren: »Ich bin froh über jede Frage.«

Halt machten die Maigänger am Hochbehälter der Stadt Friedberg, erfuhren von dessen Fassungsvermögen (2,5 Millionen Liter) und seiner Bedeutung für die Versorgung der Kreisstadt.

Pflege durch die Brünnchenfreunde

Am Aussichtspunkt nahe dem Flugplatz berichtete Annette Hausmanns von den Feldkreuzen rund ums Dorf und von deren Sanierung und Pflege durch die heimischen Usatalmusikanten. Nach einer Rast bei Kaffee und Kuchen mit fantastischem Fernblick wanderten die Maigänger zum idyllischen Holzwiesenbrunnen am östlichen Ortsrand.

Zwischenzeitlich hatte das mit vielen Kindheitserinnerungen gespickte große Becken am einzig verbliebenen Brunnen zum (Gieß-)Wasserholen abgerissen werden sollen. Eine Bürgerinitiative konnte dies verhindern. Initiator Christian Schraub berichtete von der Pflege durch die Brünnchenfreunde mit alljährlichen Säuberungs- und Streichaktionen. Zu den Quellen und Brunnen weiter westlich und zum neuen Hochbehälter Mautzenwiese soll der Maigang im kommenden Jahr führen, stellte »WIR für unser Dorf« unter Beifall in Aussicht.

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Dr. Matthias Peter geht dem Prinzip der Quellschüttung und möglichen Störfaktoren auf den Grund. © Annette Hausmanns

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