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Usa in Ober-Mörlen: Renaturierung für den »ökologisch guten Zustand«

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Von: Annette Hausmanns

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Der Hang gegenüber vom Ober-Mörler Schloss bekommt eine Terrassierung mit Sitzgelegenheiten, die einsturzgefährdete historische Bruchsteinmauer wurde entfernt © Annette Hausmanns

Seit Wochen wird in und an der Usa in Ober-Mörlen gebaggert und gehämmert. Der Wetter-Zufluss soll renaturiert werden. Bald muss er den »guten ökologischen Zustand« erreicht haben.

Ober-Mörlen (hau). Seit zwei Wochen »steppt der Bär« in und an der Usa neben dem Ober-Mörler Schloss. Bagger, Lastwagen und Presslufthämmer leisten enorme Erd-, Stein- und Betonbewegungen. Hier wird eine Uferböschung abgetragen, dort eine aufgeschüttet und mittendrin der Bach stellenweise aufgestaut - so das »Rinnsal« denn überhaupt noch Wasser führt. So gesehen ist die Trockenheit hilfreich für die von langer Hand geplante »Renaturierung der Usa«.

Umfang, Sinn und Zweck der Arbeiten treiben indes Fragezeichen auf die Stirn von so manchem Bürger, der jetzt die Umleitung durch den Schlosshof in Richtung Park und Friedhof nimmt.

Usa in Ober-Mörlen: Projekt folgt der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Schaut man auf die im Durchgang ausgehängte Genehmigungsplanung, springt der Umfang eines Projektes ins Auge, das letztlich den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) folgt. Diese sieht verpflichtend vor, dass bis Ende 2027 »in allen Oberflächengewässern der gute ökologische Zustand erreicht werden muss« (siehe Infokasten).

Als zuständige Sachbearbeiterin in der kommunalen Umweltverwaltung erläutert Saskia Fleischhauer das Prinzip einer Maßnahme, die bereits vor ihrer Zeit im Rathaus an den Start ging. Ein Ingenieurbüro sei von der Gemeinde mit der Planung beauftragt worden. Dazu gehörten auch umfangreiche hydraulische und statische Vor-Untersuchungen.

Usa in Ober-Mörlen: Maßnahme dient Hochwasserschutz und Sicherheit der Bürger

Damit Fische und Kleinlebewesen auch bei Niedrigwasser eine Chance bekommen, sollen die Durchlässigkeit und die strukturelle Vielfalt sichergestellt werden. Nicht zuletzt soll die Maßnahme dem Hochwasserschutz, der Aufenthaltsqualität und der Sicherheit für Bürger dienen.

Das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro Gebler in Karlsruhe beschreibt das Projekt so, dass die Usa unterhalb der Autobrücke (B275) auf einer Länge von 130 Metern renaturiert werden soll. Für die Gewässerdurchlässigkeit wird unter dem mittleren Bogen der Autobrücke eine Niedrigwasserrinne gebaut. Die bisherige Betonplatte wurde mittlerweile entfernt und soll mit Rücksicht auf die Brückenstatik durch eine muldenförmige neue Betonsohle ersetzt werden.

Usa in Ober-Mörlen: Bach soll mit der Zeit stärker mäandrieren

Wegen einer quer laufenden Leitung könne die Rinne nicht durchgängig gestaltet werden, erläutert der Planer Martin Gerschitzka gegenüber dieser Zeitung. Stattdessen werden für eine sogenannte »Sohlengleite« bereits vorhandene Steine zu einer Art »Fischtreppe« in Form von runden Becken zusammengelegt.

Weiter unten wolle man der Usa mit dem Einbau von Wurzelstöcken, Raubäumen und Störsteinen mehr Strukturvielfalt geben und Unterstände für Fische schaffen, erklärt der Planer. Holzpfähle und Stahlketten sollen die »Implantate« sichern. Die Strömung soll so gelenkt werden, dass der Bach mit der Zeit wieder stärker mäandriert.

Usa in Ober-Mörlen:300 000 Euro in Haushalt eingestellt

Durch den Rückbau der stark beschädigten und einsturzgefährdete Bruchsteinmauer, sagt Martin Gerschitzka, will man das Profil aufweiten und damit den Abfluss bei höherem Wasser beschleunigen.

Die Böschung werde als terrassierter Erlebnisbereich mit steinernen Sitzgelegenheiten ausgestaltet. In der Bachsohle verbaute Steine sollen den alten Mauerverlauf nachzeichnen. Wie Ober-Mörlens Bürgermeisterin Kristina Paulenz erläutert, habe die Gemeinde das Renaturierungsprojekt bereits im Jahr 2016 angestoßen und eine Statikprüfung der historischen Mauer beauftragt.

Der erste konkrete Schritt war - nach aufwendigen Vorarbeiten und Absprachen mit allen Behörden - der Bau der neuen Fußgängerbrücke zum Preis von 130 000 Euro.

Nach Diskussionen in Parlament und Bauausschuss habe das Parlament das Projekt gutgeheißen. Für die weiteren Arbeiten wurden 300 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Davon abgezogen werden könne am Ende eine 75-prozentige Förderung.

INFO: Umsetzung der WRRL im Wetteraukreis

Laut Auskunft der Kreispressestelle wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Oberflächengewässerbereich durch die Obere (Regierungspräsidium Darmstadt) und die Untere (Kreisausschuss des Wetteraukreises) Wasserbehörde koordiniert.

Basis ist ein vom Land Hessen erstellter Bewirtschaftungsplan mit Maßnahmenprogramm. Städte und Gemeinden sind als Unterhaltungspflichtige der Gewässer zur Umsetzung verpflichtet. Das Land Hessen fördert Renaturierungen im Sinne von Maßnahmen zur Gewässerentwicklung und zum Hochwasserschutz. Art und Umfang der notwendigen Arbeiten werden dem Maßnahmenprogramm entsprechend mit allen Beteiligten abgestimmt.

Im Fall der Usa-Renaturierung gab es Auflagen vom Denkmalschutz, die in den wasserrechtlichen Bescheid aufgenommen wurden:

Die Mauer ist letztes Zeugnis der Abgrenzung des ehemaligen Lustgartens. Daher ist die Mauer in den, an die Wasserzonen angrenzenden, Bereichen so weit als möglich zu erhalten. Der Umfang des Rückbaus ist noch im Detail vorab mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abzustimmen.

Die verbleibende Mauer ist in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde fachgerecht instand zu setzen.

In den Bereichen, die zurückgebaut bzw. nicht mehr aufgebaut werden, ist der Mauerverlauf als solcher kenntlich zu machen. Die Planung sieht vor, hier größere Steine aus dem Material vom Rückbau der Mauer zu verwenden.

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Erdarbeiten an und in der Usa mit Blick in Richtung Brücke Frankfurter Straße, links liegt das Schloss. © Annette Hausmanns
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Unter dem mittleren Brückenbogen in der Frankfurter Straße wird eine Niedrigwasserrinne gebaut. © Annette Hausmanns

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