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Offene Höfe, offene Herzen

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cwo_MUedorfflohmarkt_2207_4c © Ingeborg Schneider

Borsdorf (mü). »Die ersten Interessenten standen schon um 7.30 Uhr auf der Matte«, berichtet Ortsvorsteherin Stefanie Dilling und blickt erfreut auf das Gewusel auf dem Borsdorfer Dorfplatz unter der Linde. »Aber diese Besucher waren kommerzielle Flohmarkthändler, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Bei unserem ersten Dorfflohmarkt geht es um das Thema ›Von privat an privat‹, um offene Höfe und Herzen, ein fröhliches Beisammensein und Einander-Kennenlernen und natürlich auch um die Weiterverwertung alter Schätze.

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Die Idee kam aus der Bürgerschaft, der Ortsbeirat befürwortete sie, als Veranstalter fungierte die Vereinsgemeinschaft. »Aus deren Reihen und aus vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern bildete sich ein Organisations-Team, das Interessenten ansprach, Lagepläne erstellte und für die Veranstaltung warb«, so Dilling. »60 teilnehmende Familien ist ein stolzes Ergebnis«, sagt sie und weist auf die mit Luftballons geschmückten Hofeinfahrten, die einen Anbieter signalisieren. Am Dorfplatz siedelten die Vereine die Essensstände an. Sie wirtschaften alle in eine Kasse und werden den Erlös gleichmäßig untereinander verteilen.

Doch auch in den Gassen rund um den alten Dorfkern gibt es hausgemachten Kuchen und kühle Getränke, die Gegenstände für den Verkauf sind liebevoll aufbereitet und ausgestellt, die Noch-Besitzer warten mit Erzählungen rund um die Schätze auf. Natürlich finden sich Kleidungsstücke in allen Größen, moderne und nostalgische Haushalts- und Landwirtschaftsgeräte, Bücher, Schallplatten, Reiseschreibmaschinen, analoge Retrokameras und alte Abspielgeräte, deren Sinn und Verwendung man Jugendlichen erst einmal erklären muss - Stoff genug für faszinierende Gespräche.

Von Brautkleid

bis Feldküche

Bei »Beckersch« in der Glaubzahler Straße steht ein wundervolles Brautkleid zum Verkauf, Anprobe inklusive, der Preis ist Verhandlungssache. Familie Döll in der Wiesenstraße hat soeben ein Erbstück des Schwiegervaters an die Pfadfinderschaft Rainrod verkauft: Eine praktische Feldküche, Baujahr 1982, aus der ehemaligen DDR. Der Schwiegervater erwarb sie als gelernter Koch, nutzte sie aber nie. Jetzt ging die Kocheinheit mit zwei tiefen Töpfen zu einem Flohmarktpreis an die Pfadfinder.

Nostalgie pur auch bei Familie Christoph und Selma Döll, die in der Hofreite Taufsteinstraße 7 das älteste Anwesen des Ortes bewohnt. Die Jahreszahl 1680 und eine Nachbildung des sogenannten »Borsdorfer Henkels« im Fenstersturz erinnern nicht nur an die Erbauung vor knapp 350 Jahren, sondern an die noch weit ältere Vergangenheit des Dorfs: »Der Henkel in Gestalt zweier Ringer gehört zu einem Bronzegefäß aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, das man im Feld zwischen Borsdorf und Harb fand«, sagt Christoph Döll. Seine Frau betreibt auf dem Hof ihren Floristik-Shop und bietet heute hochwertiges Kinderspielzeug aus Holz an. »Und was soll das Mountainbike hier im Eingang kosten?«, fragt ein Besucher. »Halt, halt, das ist meins, das hatte ich nur kurz dort abgestellt«, ertönt eine leicht panische Stimme. Ja, manchmal lässt sich an diesem besonderen Tag zwischen Mein und Dein, Alt und Neu, »im Angebot« und »Unverkäuflich« nicht präzise unterscheiden.

Unterhaltung

für junge Gäste

Klar ist die Sache dagegen bei der elfjährigen Fabienne Widdersheim: Sie ist aus dem »Eichhorn-Alter« heraus und verkauft ihre einst heißgeliebte Sammlung, die rund 50 Exemplare in allen Farben und Größen, mit Glitzer, pinker Mähne und sogar Schwimmflossen umfasst. Ihre Familie ist Teil des Orga-Teams und unterstützt den Verkauf. Seit dem Morgen ist die Herde schon stark geschrumpft.

»Ich finde es großartig, dass Engagierte auch Zusatzangebote für Kinder, wie eine Hüpfburg, Ponyreiten, eine Schnitzeljagd und eine Aktion mit dem Schwungtuch sowie ›Müsli zum Selbermachen‹, auf die Beine stellten«, sagt Stefanie Dilling zum Kurzzeit-Spielplatz an der Wetteraustraße. Hier läuft der Spaß ab der Mittagszeit zur Hochform auf, die Sonne scheint und Dorfbewohner wie Gäste sind sich einig, dass das Ganze ein Erfolg und eine Neuauflage wert ist.

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cwo_MUedorfflohmarkt1_220_4c_1 © Ingeborg Schneider

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