1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Ohne Helene unvorstellbar

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das Dorfgemeinschaftshaus in Eckartshausen feiert 25-jähriges Bestehen. Streng genommen ist es vor 27 Jahren gebaut worden, doch pandemiebedingt findet die Feier nun mit zwei Jahren Verspätung in diesem September statt. Doch was wäre das Haus ohne Pflege und Organisation? Und was ohne Helene Knoch?

Ortsvorsteher Reiner Müller findet ausnahmslos positive Worte. »Helene Knoch ist seit 25 Jahren die gute Seele des Hauses und möchte auch mit ihrem Eintritt ins Rentenalter im Oktober den Job weiterhin ausüben.« Die Begeisterung über die 65-Jährige wird im persönlichen Gespräch schnell deutlich. Helene Knoch ist eine drahtige Frau, die vor Energie strotzt. Der Job als Hausmeisterin, so scheint es, ist für sie Berufung.

Nicht ein Fingerabdruck

Helene Knoch kennt jede Ecke im Gebäude und jede Stolperfalle. Ihr großes Engagement zeigt sich in der Anordnung der Gläser, Bestecke und Schüsseln in den Schränken, den gepflegten Küchengeräten, auf denen man vergebens nach einem störenden Fingerabdruck sucht, und den blank geputzten Räumen. Täglich sieht sie im Dorfgemeinschaftshaus nach dem Rechten und gibt dem Gebäude Struktur. Zusätzlich reinigt sie einen Raum im Alten Rathaus am »Dalles«, der etwa der Größe eines Wohnzimmers entspricht und gelegentlich für Familienfeiern genutzt wird.

1956 in Düdelsheim geboren, lebt Helene Knoch seit 1974 in Eckartshausen. Ihr Mann Edward hat in Eckartshausen seine Wurzeln und wollte nach der Hochzeit sein Heimatdorf nicht verlassen. Kurzerhand zog sie nach Eckartshausen und wurde dort glücklich. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

Helene Knoch hat nie die Arbeit gescheut. Sie war zunächst als Näherin in Düdelsheim, später in Stockheim aktiv. Nach der Elternzeit bestückte sie bei Rewe in Hammersbach die Regale mit Waren. Auf die Stelle als Hausmeisterin hat sie sich beworben und erhielt Ende Dezember 1994 die Zusage für den Job. Seit 1995 arbeitet sie im Dorfgemeinschaftshaus »Am Trinkborn« mit Leib und Seele.

Zunächst einige schlaflose Nächte

Es sei Neuland gewesen, sagt sie. Die großen Flächen im Ge- bäude hätten sie zunächst erschreckt. Sie habe viele schlaflose Nächte verbracht. Ihre damalige beste Freundin Carola Volz habe sie sehr unterstützt. »Ich war jung. ging ins Bürgerhaus, um zu feiern, und nicht, um es in Ordnung zu halten«, erzählt sie rückblickend. Zunächst erstellte sie eine Mängelliste. Tortenschaufeln, Sektgläser und Dessertschüsseln fehlten. Aufgrund eines organisierten Kindermaskenballs zugunsten des Gemeinschaftshauses konnte ein Teil der fehlenden Gegenstände aus dem Erlös angeschafft werden. Jedes Jahr kam Neues hinzu.

Zu Beginn ihrer Hausmeistertätigkeit war Wilhelm Kröll Ortsvorsteher, danach Albert Volz, der Mann ihrer Freundin. Es folgten Reiner Ebert, Willi Schierhorn und Reiner Müller. Früher, erzählt Helene Knoch, übernahmen die Ortsvorsteher die Terminierung der Veranstaltungen. Seit der Ägide Ebert macht sie die Planung, handelt Verträge aus, liest Strom und Wasser ab und weist die Leute ein, erklärt ihnen unter anderem, wie die Spülmaschine funktioniert. Nach jeder Veranstaltung achtet sie darauf, dass alles wieder seinen gewohnten Platz einnimmt. Ordnung, das merkt man sofort, genießt absolute Priorität. Auch ihre Mutter sei eine ordentliche Frau und einst für die Reinigung des Düdelsheimer Kindergartens zuständig gewesen. »Diesen Job hatte ich ebenfalls sechs Jahre inne, parallel zu meiner Arbeit im Gemeinschaftshaus«, sagt sie. Doch das sei ihr zu anstrengend geworden.

Mittlerweile haben sich viele Freundschaften entwickelt. Ans Aufhören denkt Helene Knoch noch lange nicht, »dafür mache ich das zu gern. Ich liebe meinen Job«, sagt sie und strahlt vor Glück. »Das hier ist mein Baby.« Alle wüssten, dass die Helene ins Gemeinschaftshaus gehöre - und natürlich die Vereine. Breitensport, Seniorengymnastik, Chorgesang, Zusammenkünfte der Landfrauen, des Obst- und Gartenbauvereins, der Freiwlligen Feuerwehr und des Fußballvereins gehören dazu, zudem jede Menge Hochzeitsfeiern. »Vor einigen Tagen wurde ein einjähriger Geburtstag gefeiert. Das war so schön«, schwärmt sie.

Ihren Urlaub richtet Helene Knoch nach dem Veranstaltungskalender des Bürgerhauses. Während der Pandemie nahm sie sich Zeit für die Grundreinigung. Unterstützung erhielt sie dabei vom stellvertretenden Ortsvorsteher Gerhard Wachter und Willi Hengster. Ein neuer Fußboden wurde verlegt und neue Vorhänge wurden angeschafft. Um künftig Schnitzel besser schneiden zu können, liegen nun auch neue Messer in den Schubladen. Das Besteck glänzt und ist zehnerweise gebündelt. »Vor zwei Jahren wurde ein rollbarer Tellerwärmer aus Edelstahl angeschafft. Dafür habe ich lange gekämpft«, sagt Knoch. Zuvor sind die Teller im Backofen erwärmt worden. Unter Willi Schierhorn wurden neue Kaffeeautomaten besorgt.

Saal, Küche und neues Equipment

In ihrem Element ist Helene Knoch bei einem Rundgang durch das Haus. »120 Leute haben im großen Saal mit Bühne Platz. Da drinnen absolutes Rauchverbot besteht, gibt es zudem die Möglichkeit, im Außenbereich Stehtische aufzustellen«, sagt sie. Der große Saal besitzt eine Trennwand, hinter der sich ein kleiner für 30 Personen verbirgt. Hinter einer anderen Tür befindet sich ein Lager der Landfrauen und des Chores. Zudem gibt es ein Stuhllager mit 200 Stühlen, inklusive Kinderstühlen. Knoch zeigt auch die Kühlzelle und die Küche. »Die alte Spülmaschine, die für 30 Teller eineinhalb Stunden benötigte, wurde durch eine neue ersetzt. Diese braucht nun drei Minuten. Sie kann alles, nur nicht abtrocknen«, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Auch eine Mikrowelle für das Erwärmen von Babynahrung steht bereit. Die komplette Einrichtung trägt ihre Handschrift. Helene Knoch, so viel steht fest, wird nicht müde das Haus nach den neuesten Standards auszurüsten.

Auch interessant

Kommentare