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Ortenberg: Sichere Bank beim Blut spenden

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Lorena Hansche wird für die Blutabnahme vorbereitet. Nur wenige Augenblicke später fließt ihr Blut durch einen kleinen Schlauch in einen transparenten Beutel. Rund ein halber Liter wird es am Ende sein; die Blutspende selbst dauert etwa fünf bis zehn Minuten. © Manuela Baumann

Ferienzeit und Corona: zwei Kriterien, die für den DRK-Blutspendedienst Probleme beim Nachschub bedeuten. Beim Blutspendetermin in Ortenberg allerdings scheint alles noch in Ordnung zu sein.

D er Anblick ist ungewohnt: Blutspendetermin im Bürgerhaus Ortenberg, doch auf dem Marktplatz parken nur wenige Autos. An der Anmeldung, an der sich vor Corona die ersten Blutspenderinnen und -spender bereits eine halbe Stunde vor der Zeit angestellt haben, um später nicht zu lange warten zu müssen, stehen nur zwei Personen. Hat die Bereitschaft der Menschen zum Blutspenden etwa derart unter der Pandemie gelitten?

Mitnichten! Hintergrund des auf den ersten Blick geringen Zulaufs ist die Tatsache, dass sich das Blutspenden seit Corona organisatorisch völlig gewandelt hat, wie Markus Hildebrand, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen, und der Ortenberger DRK-Vorsitzende Martin Hansche erläutern. Früher stand es den Blutspenderinnen und -spendern frei, an einem Blutspendetermin innerhalb eines Zeitfensters von drei oder vier Stunden einfach vorbeizukommen und zu warten, bis sie an der Reihe waren. Das war dann oft mit langen Wartezeiten verbunden, denn Blutspenden ist nichts, was einfach im Vorbeigehen erledigt werden kann.

Viele schätzen das

neue Verfahren

An der Anmeldung und den einzelnen »Stationen« war Schlangestehen deshalb normal. Dann kam Corona, und Menschenansammlungen waren plötzlich tabu. Das Rote Kreuz machte aus der Not eine Tugend und ging dazu über, Termine für die Blutspende zu vergeben - einfach über das Internet, mit wenigen Klicks, simpel und effektiv. Darum ist der Weg von der Registrierung bis auf die Pritsche heute meist ein direkter »Durchmarsch« ohne langen Aufenthalt, alles ist durchgetaktet und läuft wie am Schnürchen.

Viele Blutspender schätzen dieses zügige Vorankommen. Die Organisatoren freuen sich, dass alles viel entspannter ablaufe als früher.

Andere hadern mit der Online-Anmeldung und bedauern, dass nun alles »anonymer« und rationeller vonstatten geht. Sie vermissen das Gespräch während des gemeinsamen Wartens und danach. Denn auch das Essen vor Ort direkt nach der Blutspende gibt es nicht mehr. Schließlich saßen dabei ebenfalls immer viele Menschen beisammen. Heute können die Blutspender ihre Verpflegung mit nach Hause nehmen - beispielsweise in Form von Wurstkonserven im Glas, wie jetzt in Ortenberg.

Für die Ortsverbände, die die Blutspendetermine ausrichten - in Ortenberg sind es vier pro Jahr -, hat das nach Einschätzung von Martin Hansche durchaus Vorteile. Früher konnte es passieren, dass ein Blutspendetermin deutlich schlechter besucht war als üblich. Dann blieben die Helfer auf ihren vorbereiteten Mahlzeiten sitzen. Heute wissen sie genau, wie viele Menschen kommen werden, und können sich entsprechend darauf einstellen.

Für den jüngsten Termin in Ortenberg waren knapp 100 Blutspender angemeldet. Der Termin war damit ausgebucht, wie übrigens alle Ortenberger Blutspendetermine seit dem neuen Prozedere. In anderen Orten der Umgebung sehe es ähnlich aus, weiß Markus Hildebrand zu berichten. Je mehr man in den städtischen Bereich komme, umso mehr hapere es leider mit der Bereitschaft der Menschen zum Blutspenden. Und es falle zunehmend schwer, junge Menschen als Erstspender zu gewinnen. Dazu lasse sich der Blutspendedienst immer wieder neue Aktionen einfallen. Aktuell werde beispielsweise jeder Blutspender, der einen Erstspender zum Termin mitbringe, genau wie dieser mit einem Kinogutschein belohnt.

Vielfach soziale

Motivation

Doch solche materiellen Anreize machen nur für wenige Menschen den Grund aus, warum sie Blut spenden gehen. Viele tun es, weil sie grundsätzlich sozial eingestellt sind und helfen wollen, wo sie können. Andere haben durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung im Verwandten- oder Freundeskreis hautnah miterlebt, wie dringend man in Krankenhäusern auf Blutkonserven angewiesen ist. »Viele Menschen glauben, dass Blutspenden in erster Linie benötigt werden, um Unfallopfer zu versorgen. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Ein großer Teil der Blutspenden wird für Krebspatienten benötigt«, erklärt Markus Hildebrand.

Wie immer in der Ferienzeit sind auch aktuell Blutspenden besonders willkommen, denn nicht überall klappt es mit der Spendenbereitschaft so gut wie in der östlichen Wetterau. Wer also etwas Gutes tun oder auch einfach mal wieder ins Kino gehen möchte, findet unter www.blutspende.de nach Eingabe der Postleitzahl die nächsten Blutspendeaktionen in der Umgebung und kann sich seinen individuellen Termin gleich buchen.

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Markus Hildebrand, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst (2. v. l.), Ortenbergs DRK-Vorsitzender Martin Hansche (3. v. l.) und die Aktiven Tanja Gaebelein-Gebhard (l.) und Wibke Meiß (r.) freuen über den erneut ausgebuchten Blutspendetermin in Ortenberg. © Manuela Baumann

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