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Café am Obertor in Ortenberg: Dorado für Wetterau-Fans

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Von: Inge Schneider

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Yvonne Taddeo hat sich mit ihrem Café in Ortenberg einen Traum erfüllt. © Inge Mueller

Mit der Eröffnung ihres Cafés am Obertor in Ortenberg hat sich Yvonne Taddeo im vergangenen Jahr einen Traum erfüllt. Das Café ist ein Dorado für Genießer, Wetterau-Fans und Wissbegierige.

Es duftet nach Kaffee und hausgemachten Torten, die Gäste sind im angeregten Gespräch vertieft, jemand betrachtet interessiert die vielen lokalen Mitbringsel im »Wetterauer Vitrinsche«, die Hausherrin strahlt. Mit der Eröffnung ihres Cafés am Obertor in Ortenberg hat sich die Ortenberger Autorin, Geschichtensammlerin und leidenschaftliche Kuchenbäckerin Yvonne Taddeo am 4. September 2021 einen Traum erfüllt.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau und Mutter von fünf Kindern im Alter zwischen acht und 28 Jahren kaufte zunächst 2011 mit ihrem Ehemann Thomas Taddeo, seines Zeichens Maurermeister, die Hofreite am Schlossplatz 1. Das aus Weckesheim und Altenstadt-Höchst stammende Ehepaar hatte früher in Selters, später in der Ortenberger Untergasse gelebt.

Historie und regionaler Sagenwelt zugewandt

»Das Fachwerkanwesen hier oben hat uns schon immer gefallen«, erzählt Yvonne Taddeo. »Die Hofreite gehört zu der bereits im 12. Jahrhundert rund um die mittelalterliche Burg gewachsene Altstadt mit zahlreichen Burgmannenhäusern. Später hat dort der Kutscher des Schlosses mit seiner Familie gelebt, in den 30er Jahren war das Anwesen Sitz einer Portemonnaie-Näherei«, weiß die geschichtlich versierte Autorin, die sich in ihren Buchveröffentlichungen unter der Ägide der Büdinger Geschichtswerkstatt sowie der örtlichen Tourismusinstitutionen nicht zuletzt der keltischen Vergangenheit der Wetterau, der Historie von Kommunen und der regionalen Sagenwelt zugewandt hat.

Früher Scheune und Lagerraum

Im Anschluss an die Ära der kleinen Manufaktur stand die Hofreite lange leer, das heutige Café diente als Scheune und Lagerraum. Nachdem Familie Taddeo dort eingezogen war, fragten bald erste Wochenendbesucher der oberen Altstadt, der Marienkirche und des Mariengartens nach, ob man in Haus und Hof vielleicht eine gute Tasse Kaffee und ein Stück Torte zu sich nehmen könne.

Das gab den Ausschlag für Maurermeister Thomas Taddeo, und er versprach seiner Frau: »Du bekommst dein Traum-Café.« Etliche Räumaktionen in der Scheune, der Abtrag des Bodens bis auf die großen Basaltsteinplatten sowie die Entdeckung eines Schachtes oder Fluchtweges gehörten zu den ersten mühevollen Etappen. »Unsere Silberhochzeit vor vier Jahren konnten wir schließlich im leergeräumten Ambiente feiern«, erinnert sich Yvonne Taddeo.

Enger Lokalbezug kommt sehr gut an

Genau für solche Zwecke hatte sie auch von Anfang an ihr gastliches Haus geplant: Als Familiencafé mit Spiel- und Leseecke für Groß und Klein, Alt und Jung, ausgelegt für kleine Feiern, ein Geburtstagsfrühstück, eine Erzählrunde, einen Trauerkaffee, eine Lesung durch die Hausherrin sowie Gastautorinnen.

All diese Ideen konnten seit der Eröffnung trotz der Pandemie und des Winter-Lockdowns zumindest ansatzweise umgesetzt werden oder sind in Planung, wie die beiden anwesenden Autorinnen Karin Bach aus Unter-Schmitten und Chris Emig aus Geiß-Nidda wissen.

»Wir schätzen es, dass das Café am Obertor samstags und sonntags wieder von 13 bis 17 Uhr geöffnet ist«, sagen die beiden Damen. Der enge Lokalbezug kommt bei Altstadtbewohnern und Wochenendgästen bestens an: Yvonne Taddeo wurde für ihr schriftstellerisches Werk mit dem Prädikat »Wetterauer Original« des Kreises zertifiziert, ihr »Wetterauer Vitrinsche« enthält zahlreiche Produkte mit der gleichen Auszeichnung, auf ihrer Speise- und Getränkekarte finden sich ausschließlich die Namen regionaler Hersteller.

Angebote aus regionaler Herstellung

So stammt der Kaffee von der Privatrösterei Philipp in Nidda, die Teesorten kommen von »Tee am Markt« in Nidda, Säfte, »Gaddelimo« und die Apfelweine »Wilder Hesse« von der Kelterei Walther in Bruchköbel, Grappa, Obstler, Williams und Weinbrand von der Destillerie Schneider aus Aulendiebach und der »Daumer Droppe« stammt als einziger Wein der Wetterau vom Auenlandhof aus Dauernheim.

Die Liste der hausgemachten Kuchen und Torten klingt mit »Erdbeer-Tiramisu mit Amaretto«, »Keltentorte mit Honig und Mandellikör« sowie »Bountytorte mit Batida de Coco« fast wie ein Gedicht und verführt auch in veganer Form oder unter Verwendung von laktose- und glutenfreien Erzeugnissen zum Schlemmen.

»Die Keltentorte mit dem Keltengranola von Queen Knuspernuss aus Stockheim besteht aus Zutaten, wie sie auch unsere Vorfahren vor rund 2500 Jahren gekannt haben«, erläutert Taddeo und schlägt damit eine Brücke zur Saga »Keltâ« aus ihrer Feder. Sie freut sich, bald wieder daraus vortragen zu können - am liebsten in ihrem Café.

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