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Ortenberger Künstlerpaar hat keine Zeit für Stillstand

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Stehen (auch sitzend) für eine ambitionierte Kulturarbeit: das Ortenberger Künstlerpaar Ronka Nickel und Hans Schwab. © Corinna Willführ

Was als Theaterstück zum Beethoven-Jubiläum 2020 konzipiert war, beschert Ronka Nickel und Hans Schwab als Film aufgrund von Corona großen Erfolg. Es gab aber auch Einschränkungen.

B ereits achtmal war das im April 2021 preisgekrönte Video »Beethoven aus der Zeit gefallen«, eine Produktion der Kulturschaffenden Ronka Nickel, Hans Schwab (beide Ortenberg) und Ekkehard Makosch (Büdingen) mit der Musik- und Kunstschule Büdingen (Muks), auf internationalen (Kurz-)Filmwettbewerben zu sehen: in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. In einer gekürzten Fassung von 14 Minuten Länge, für Präsentationen im Ausland mit englischen Untertiteln. Ausgewählt unter Hunderten eingereichter Beiträge.

Ein Beispiel, dass der Schauspieler Hans Schwab, über Jahrzehnte Leiter des überregional bekannten Theaters »Fresche Keller« und von 2014 bis 2017 des »Brettl-Palasts«, sowie Regisseurin Ronka Nickel, die bei den Eigenproduktionen auch im Freilichttheater in der Klosterruine Konradsdorf Regie führte, trotz der coronabedingten Zwangspause ihr künstlerisches Wirken nicht aufgegeben haben.

Im Gegenteil. Beide waren und sind in neuen Projekten aktiv. So stand Schwab mehrfach vor der Fernsehkamera - für ARD und ZDF. Nickel ist unter anderem aktuell Regisseurin für ein Kindermusical in der Musik- und Kunstschule und hat auch mit »ObMeNi«, dem Künstlerinnen-Trio mit Ulrike Obenauer und Laura Ute Melzer (beide Bleichenbach) Neues vor.

Rückblick nicht ohne Bitternis

Der Blick zurück ins Jahr 2020 fällt für Beide nicht ohne Bitternis aus. »Dinner for one«, ihre Bühnenfassung des Silvester-Fernseh-Kult-Sketches mit Schwab als Butler James und Nickel als Miss Sofie war unzählige Male gebucht.

Dann kam am 13. März der Lockdown. »Danach wurden alle Termine abgesagt«, erinnert sich Ronka Nickel. Daran änderte auch nichts, dass das Team bereits die Vorpremiere für eine längere Fassung erfolgreich aufgeführt hatte. Hans Schwab hatte mit seinem schon seit Jahren erfolgreichen Solo-Programm »Bericht für eine Akademie« (Franz Kafka) im ersten Corona-Jahr noch ein Gastspiel im November in Köln.

Danach: keine weiteren Engagements. Auftritte vor Publikum untersagt. »Wir gingen damals noch zuversichtlich am Rhein spazieren, nicht ahnend, wie stark die Pandemie unser Leben noch auf längere Zeit bestimmen würde.«

Aufgeben war keine Option

Vor Publikum war auch »Beethoven aus der Zeit gefallen« geplant: als Theaterstück mit Aufführungen zum 250. Geburtstag des großen Komponisten (getauft am 17. Dezember 1770). Unmöglich. Verzagen, resignieren, aufgeben? Das war für die Kulturschaffenden keine Option. Anstelle eines Präsenz-Stücks realisierten sie das Video »Beethoven aus der Zeit gefallen« - den späteren Siegerbeitrag des Wettbewerbs des Bundesverbands Chor und Orchester.

Für Nickel war es die erste Filmproduktion, für die sie das Drehbuch schrieb und Regie führte. Auch für Schwab, der bereits sein 40. Bühnenjubiläum feiern konnte, war der Auftritt als Johann Ludwig van Beethoven vor der Kamera eine Herausforderung.

Bei dieser sollte es in Sachen Film nicht bleiben. Schwab: »Da kam der Anruf aus der HR-Tatort-Produktion: Wir hätten eine kleine Rolle für sie.« Eine unerwartete Freude für den erfahrenen Bühnendarsteller, der darüber lachen muss, dass er zunächst am Telefon hörte: »Allerdings geht es nur um ihr Foto aus den 70er Jahren«

Auf diesem war der Ortenberger dann in der Folge »Murot und das Prinzip Hoffnung« mit Ulrich Tukur am 21. November 2021 zu sehen. Auf einem Ölgemälde als verstorbener Familienpatriarch Jochen Muthesius. Eine Nebenrolle hatte er in der ZDF-Krimiserie »Ein Fall für Zwei«, in der ARD außerdem in »Checkout« (Sendetermin steht noch nicht fest).

Englische Untertitel notwendig

Doch in der Pandemie hat Schwab, Jahrgang 1951, nicht nur Erfahrungen vor der Kamera gemacht, sondern auch mit dem »Filmgeschäft«. »Ich habe mir nicht vorstellen können, wie viele Festivals es gibt.« Doch um zu diesen mit »Beethoven aus der Zeit gefallen« zugelassen zu werden, galt es etliche Hürden zu überwinden.

Eine: ein Paradoxon. Dazu Hans Schwab: »Um an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können, braucht man englische Untertitel. Von der Hessischen Filmförderung wird man aber nur unterstützt, wenn man bereits erfolgreich an internationalen Festivals teilgenommen hat.

Mit Hilfe der Ovag konnten wir das Video mit englischen Untertiteln versehen. Dank der ausgezeichneten technischen Ausstattung von Ekkehard Makosch auch kostengünstig realisieren.« Im Video führt der Multimedia-Macher aus Büdingen nicht nur die Kamera, sondern spricht auch die Texte.

Zukünftige Projekte

In der Muks realisiert Ronka Nickel, die selbst Cello spielt, auch eines ihrer nächsten Projekte. Mit Katharina Padrok (Chorleiterin) und Sonja Bender, freischaffende Medienkünstlerin, bringt sie mit vielen Mitwirkenden der Muks das sibirisches Märchen »Birkennase«, musikalisch erzählt, auf die Bühne.

Bei Hans Schwab stehen bereits die nächsten Solo-Gastspiele im Kalender. Viel zu tun gibt es für ihn auch für das Gastspiel der »Unterbiberger Hofmusik« am Samstag, 28. Mai, im Ortenberger Schwimmbad. Ebenfalls bereits unter Vertrag: das Dresdner Ensemble »Wirbeley« in seiner Konzertreihe »Erkenne Dich selbst im Fremden« für ein Konzert im September.

Viele Jahre haben Menschen den Ortenberger bei seinen Laternenführungen begleitet. Seit 2020 war auch für diese Schluss. Ob er sie wieder anbietet? Der Verkehr in der Altstadt während der Rundgänge, eine zunehmende Rücksichtlosigkeit von Autofahrern gegenüber den Gruppen hätten ihn ein wenig zermürbt, räumt er ein.

Ganz sicher: »Dinner for one« sind für ihn und Ronka Nickel aus ihrem gemeinsamen Repertoire gestrichen. Ronka Nickel: »Jeder, der den Sketch kennt, weiß, dass es eine ›Materialschlacht‹ ist. Die Requisiten dazu haben wir in unserem Bus transportiert. Den haben wir nicht mehr.«

Auszeit zur Weiterentwicklung

Auch wenn es Miss Sofie auf der Bühne für die Zwei nicht mehr gibt: In ihrem Zuhause hat Sofie, eine blinde Katze aus dem Tierheim, ein neues Heim gefunden. Zusammen kümmern sie sich jetzt außerdem um einem Schrebergarten.

Zum ersten Mal nach vielen Monaten gönnt sich Hans Schwab eine Auszeit - zur Weiterentwicklung. Im Mai nimmt der gebürtige Berner, der sich auch aufs Spiel der Trompete versteht, an einem Kurs für Alphornmusik im Allgäu teil.

Und Ronka Nickel: »Ich werde arbeiten. Wenn nur die Hälfte der Anträge für von mir vorgeschlagene Projekte mit Erfolg beschieden ist, habe ich richtig viel zu tun.« Bei allem Elan für Neues, die Wehmut in der Erinnerung an »das Alte« wird den beiden bleiben: an ein eigenes Theater. Hans Schwab: »Da ist schon vieles kaputtgegangen.« Für die zwei wie für die Region.

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