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Ortenberger Georg Crostewitz und Jessica Born mit zweitem Duett

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cwo_MUecrostewitzborn_180_4c_1 © Ingeborg Schneider

Es ist ein Pandemieprodukt: die zweite CD des Ortenberger Musikers Georg Crostewitz und der Sängerin Jessica Born. Gerade deshalb stellt sie die wesentlichen Dinge des Lebens in den Mittelpunkt.

E s geht um die Stille und die Aufmerksamkeit für die kleinen, aber wesentlichen und schönen Dinge des Lebens: den eigenen Herzschlag, um die Sehnsucht nach Liebe, um Blüten und Vogelstimmen, Wind, Wellen und die Leichtigkeit des Seins. Mit der neuen CD »Chilled« legen der Ortenberger Musiker, Komponist und Produzent Georg Crostewitz und die vielseitige Sängerin Jessica Born ihr zweites gemeinsames Album vor. Entstanden in Zeiten der Pandemie, der Distanz, der Einsamkeit und der inneren Welten, in denen, wie im Kokon einer Raupe, wundersame Dinge geschehen können.

Sechs großzügig und gleichsam zeitlos angelegte Songs aus der Feder von Crostewitz sowie die Texte und Gedanken von Jessica Born füllen nahezu eine ganze Stunde mit einer entspannten Reise an die Grenzen das Möglichen, während die Außenwelt zurzeit noch immer Härten und Beschränkungen auferlegt.

»Es ist richtig, das Album trägt natürlich die Monate der Pandemie in sich, es wurde auch vom Künstlerprogramm ›Neustart‹ der Gema gefördert«, erläutert Georg Crostewitz im Gespräch. »Gerade deshalb aber sind die Themen positiv, überwinden räumliche und zeitliche Grenzen und Distanzen, schaffen Ruhe, Gelassenheit und Freiräume.«

Kulturen überspannend

Nicht nur die Songtexte sprechen von Weite und Entgrenzung, auch die Musik überspannt Kulturen: Crostewitz brilliert an der Gitarre, an unterschiedlichen Percussionsinstrumenten, hinzukommen Synthi-Bläser, Didgeridoo, Regenmacher, das Glockenspiel Chimes. Über allem schwebt die wandelbare Stimme von Jessica Born. Die Interpretin, die sich in jungen Jahren bereits die Bühne mit Weltstars wie Luther Allison, den Blues Brothers, B. B. King und Eric Burdon teilte, verzaubert mit ihrer warmen, sinnlichen und souligen Klangebung, lockt im Song »Mermaid in Love« ihren Geliebten sirenengleich zu sich ins Wasser, wo er nicht etwa ertrinkt, sondern atmen und die fremde Welt genießen kann. Im Intro »I’m Free« stellt Born ebenso wie in »I’m like a Bird« ihren großen Tonumfang unter Beweis, schwingt sich vom bodenständigen Alt in glasklare Höhen auf. Die Gitarre wirkt einfühlsam begleitend, fragil, fragend, eine Antwort abwartend, dann wieder groovig und Akzente setzend. Spürbar wird: Mit dem weit überregional bekannten, studierten Vollblutmusiker Georg Crostewitz und der Sängerin Jessica Born mit ihrer emotionalen, intensive Atmosphäre erzeugenden Stimme haben zwei Ausnahmekünstler einander gesucht und gefunden.

Hommagen an Liebe, Leben, Licht

»Kannst du die Regentropfen fallen fühlen, hörst du die Musik, die kleinen Lieder und deinen Herzschlag, alles wird gut sein. Die Stille ist meine Seele, sie ist überall und frei«, heißt es im englischen Text von »I’m Free«. Mit »This World is beautiful« und »Be Light« kommen weitere zarte, aber einprägsame Hommagen an die Liebe, das Leben und das Licht hinzu.

Wer das Cover der CD genau betrachtet, entdeckt hinter dem Titel »Chilled« das Pluszeichen ›&‹« - es steckt immer noch mehr hinter und in den sechs Kompositionen, es gibt Weiteres und Tieferes, wenn man genau hinhört und -fühlt. Außerdem entdeckt man zwei Menschen - die Sängerin und in weiter Entfernung auch den Musiker mit seiner Gitarre - die einander erwarten oder wie Vögel aufeinanderzufliegen. Ein schönes, sehnsüchtiges Bild für das Überbrücken von Distanzen und zugleich ein Ausdruck der exzellenten Zusammenarbeit eines kongenialen Duos, das sich bereits 2017 gefunden hat. Damals war an Corona noch nicht zu denken, doch schon bei der Veröffentlichung des ersten gemeinsamen Albums »Reset« im Jahr 2021 sah man sich mit der Pandemie konfrontiert, fand damals kreative Wege für ein Online-Release.

»Es liegt uns nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und schon gar nicht, Musik und Gesang verstummen zu lassen«, sagt Georg Crostewitz. Bei aller sanften Beschwingtheit, in der zwischen Blues und Bossa Nova manchmal ein Hauch Chris Rea oder Santana mitschwingt, enthält »Chilled« auch einen unterschwelligen Trotz, ein Sich-nicht-Abfinden mit äußeren Grenzen, ein tiefes Vertrauen in den freien Willen, die menschliche Souveränität und Schöpferkraft, die sich durch keine Pandemie aufhalten lässt.

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Mit ihrem zweiten gemeinsamen Werk ist Jessica Born und Georg Crostewitz ein beeindruckendes Statement gegen die Einengungen der Pandemie gelungen, während der es entstanden ist. © pv

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