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Ortsbeirat Bad Salzhausen: Sorge um den Kurort

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Welchen Einfluss wird der Abriss der Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen auf den Kurbetrieb und die Gastronomie sowie andere Betriebe haben, fragt sich der Ortsbeirat. © Myriam Lenz

Die Mitglieder des Ortsbeirats sind enttäuscht über das Vorgehen der Stadt Nidda und der politischen Vertreter, die Therme letztlich abzureißen. In einem Brief an die Stadt äußern sie ihren Unmut.

Bad Salzhausen (myl). Die Mitglieder des Ortsbeirats Bad Salzhausen sind enttäuscht über das Vorhaben der Stadt Nidda und der politischen Vertreter. Vergangenen Donnerstagabend hatten Bürgermeister Thorsten Eberhard und die Niddaer Fraktionsvorsitzenden das Ende der Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen verkündet. Statt der Therme soll ein kleines Gesundheitszentrum entstehen, in der Kernstadt soll ein neues Hallenbad gebaut werden (diese Zeitung berichtete). Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz wurde wenige Stunden vor der Pressekonferenz über die Pläne informiert.

Den Ortsbeirat

nicht involviert

In einem Brief an die Stadtverwaltung bringt der Ortsbeirat des Kurorts seinen Unmut zum Ausdruck. »Es wird behauptet, dass in zahlreichen Gesprächen auch der Ortsbeirat über die Planungen informiert wurde. Diese Aussage entspricht nicht den Tatsachen.« Der Ortsbeirat sei trotz Zusagen zu keiner Zeit informiert, geschweige denn in die Planungen miteinbezogen worden; gleiches gelte für betroffene Personen und Betriebe.

Während der Konzepterstellung zur Zukunft der Bäderbetriebe der Großgemeinde Nidda hatte der Ortsbeirat Fragen an die Stadtverwaltung gestellt. Die Therme war wiederholt Thema der Sitzungen. Auch Teilnehmer des sogenannten Bad Salzhäuser Stammtisches, der seit etwa 50 Jahren besteht und dem mehrere Gastronome angehören, beobachteten die Entwicklung des Kurorts mit Sorge.

»Weder die gestellten Fragen wurden beantwortet, noch wurden Ortsbeiratsmitglieder tatsächlich in die Gespräche miteinbezogen«, sagt Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz für das Gremium.

Der Ortsbeirat Bad Salzhausen kritisiert dieses Vorgehen. Ebenfalls lehnt er den Abriss der Justus-von-Liebig-Therme nach aktuellem Kenntnisstand ab. »In den letzten Tagen gehen bei den Mitgliedern des Ortsbeirats aus den unterschiedlichsten Richtungen verängstigte und auch verärgerte Anrufe und Mitteilungen ein, die die Entscheidung sowie die Art und Weise des Vorgehens nicht nachvollziehen können.«

Möglicherweise sei eine temporäre Schließung der Therme in der aktuellen Situation sinnvoll - jedoch nicht der Beschluss des Abrisses ohne Folgekonzept.

Der Ortsbeirat hat in dem Brief nochmals auf die unbeantworteten Fragen hingewiesen.

Diese befassen sich unter anderem mit dem Anteil der Personalkosten an dem besagten Defizit von einer Million Euro und an der Neukonzeption. Zudem bittet der Ortsbeirat um die Offenlegung der energetischen Sanierungskonzepte, die zur Entscheidungsfindung beitragen haben müssten. Der Ortsbeirat fragt darüber hinaus, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um das Defizit der Therme zu reduzieren, sowie auf welchem oder welchen Gutachten die hohen Investitionskosten von den genannten 50 Millionen Euro für eine neue Therme für diese überschaubare Größe fuße.

Kliniken autark,

Betriebe nicht

In dem Schreiben steht weiter: »Während die ansässigen Kliniken einen autarken Betrieb gewährleisten können, senden uns nahezu alle am Ort tätigen Geschäftsleute das Signal, die Entscheidung zur Schließung der Therme sei für sie existenzbedrohend. Auch die Zukunft des Kurortes sieht man düster.«

Nach Ansicht des Ortsbeirats schrecke der Abriss der Therme jegliche Investoren ab. Eine gesicherte und aussichtsreiche Planung für den Fortgang des Gesundheitsstandortes sei für die Betriebe essenziell. Eine weitere Durststrecke kurz nach der Pandemie werde den Ort sowie die Großgemeinde um Jahre zurückwerfen.

Die Mitglieder des Ortsbeirats vermissen den Mut zum Dialog während der vergangenen drei Monate. Anfang September trifft sich der Ortsbeirat mit Bürgermeister Thorsten Eberhard zu einem Gespräch. Der Rathauschef habe zudem seine Teilnahme an der nächsten Ortsbeiratssitzung am 22. September zugesagt.

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