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Ortsbeirat hat Angst vor der Wand

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Ortsbeirat Bad Salzhausen, Baugebiet West. FOTO: PETRA IHM_FAHLE © Petra Ihm-Fahle

Es muss Wohnraum entstehen, andererseits soll Bauen möglichst umweltverträglich erfolgen. In Niddaer Stadtteil Bad Salzhausen könnte dies zu einem Dilemma führen.

Sehr idyllisch zeigt sich die Natur an der Berstädter Straße bei Bad Salzhausen, doch der Ortsbeirat des Stadtteils wittert Unheil. Auf dieser grünen Fläche plant die Stadt das Wohngebiet West, in dem nebst Einzelhäusern mehrere dreieinhalbgeschossige Gebäude mit jeweils elf Wohneinheiten gebaut werden sollen. Zu massiv ist das dem Ortsbeirat, der jüngst einen Ausschuss gründete, um einen Alternativvorschlag zu erarbeiten. Bei der Ortsbeiratssitzung am Donnerstagabend im Bürgerhaus des Stadtteils standen die Pläne auf der Tagesordnung.

Erster Entwurf sah noch anders aus

Bereits 2021 lag ein Entwurf aus dem Rathaus vor, der noch deutlich anders aussah. »Wir hatten auch dazu eine Stellungnahme abgegeben«, erklärte Ortsvorsteher Hans-Joachim Schwarz dieser Zeitung bei einer Ortsbegehung. Mit dabei sind Ortsbeirätin Martina Frankenhauser und Schriftführer Peter Berthold. Auch 2021 gab es Ortsbeirats-intern Diskussionen - es ging aber noch nicht um die großen Mehrfamilienhäuser. »Der erste Entwurf sah Einzel- sowie Zweifamilien- und Reihenhäuser vor, zudem ein Seniorenheim«, erläutert Schwarz. Jetzt legte das städtische Bauamt dem Ortsbeirat drei Alternativen vor: eine mit 37, eine mit 36 und eine mit 35 Wohneinheiten pro Hektar. Auch Einzelhäuser und betreutes Wohnen sind geplant. Zu den neuen Plänen kam es durch einen Hinweis von Marcus Stadler, dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Niddaer Parlament. Er forderte auf, stärker zu verdichten und mehr Wohnraum zu schaffen. Die Mitglieder des städtischen Bauausschusses pflichteten ihm bei, sich neue Pläne vorlegen zu lassen.

Ortsvorsteher Schwarz ist nicht begeistert, während er an der Berstädter Straße entlang zeigt: »Hier sollen drei der großen Mehrfamilienhäuser hin. Und nach unten kommen die nächsten drei.«

35 Wohneinheiten pro Hektar

Das favorisierte Modell des städtischen Bauamts beinhaltet 35 Wohneinheiten pro Hektar. Vorgesehen sind sechs Mehrfamilienhäuser mit jeweils elf Wohneinheiten, eines mit acht sowie ein Gebäude für betreutes Wohnen. In die Mittelzone sollen elf Einfamilienhäuser mit Grundstücken von rund 500 Quadratmetern Größe.

»Mit den Einfamilienhäusern gehen wir konform. Alles gut«, betont Schwarz. Aber die Mehrfamilienbauten, zumindest in dieser hohen Verdichtung passen dem Ortsbeirat nicht. Sie seien zu wuchtig, wirkten wie eine Wand und stören nach Ansicht des Gremiums das Ortsbild. »Wir sagen aber nicht Nein dazu - und sonst nichts. Wir bieten eine Alternative an«, erklärt der Ortsvorsteher. Frankenhauser fügt hinzu: »Es ist ja auch ein viel höheres Verkehrsaufkommen. Sonntags ist es hier total chaotisch, die Parkplätze reichen nicht, die Fußgänger müssen zur Seite springen.« Uwe Bonarius, Pressesprecher der Stadt, sieht allerdings »keinen völligen Stilbruch«, wie er auf Anfrage erklärt: Mehrfamilienhäuser würden sich in die Topografie einfügen.

Die Sitzung beginnt. Auch Besuch aus den städtischen Fraktionen und dem Magistrat ist im Bürgerhaus und bei einem Rundgang da. Ortsbeiratsmitglied Ingo Heller stellt die Alternative der Arbeitsgruppe vor. Wesentliche Punkte der umfangreichen Vorschläge sind unter anderem, die Bauten architektonisch zweizuteilen und nicht in einem Block zu errichten, die Höhen auf zweieinhalb Geschosse anzulegen und teilweise senkrecht statt längs zur Straße anzulegen. Allein schon wegen des enormen Schattenwurfs machen dreieinhalbgeschossige Baukörper an der Berstädter Straße laut Heller keinen Sinn.

Tiefgarage statt Parkflächen

Statt Parkflächen zu errichten, schlägt der Ortsbeirat Tiefgaragen vor, um zu mehr Grün zu kommen. Der Baumbestand soll stehenbleiben, um die Gebäudehöhen zu kaschieren. Eine Nachverdichtung aufgrund wegfallender Wohneinheiten kann nach Ansicht des Ortsbeirats beispielsweise im Bereich des Spielplatzes mit seinen 6000 quasi ungenutzten Quadratmetern vorgenommen werden. Für den Vortrag gibt es ein dickes Lob von Stadtrat Bernd Schoeps (Bürger-Liste): Noch nie habe er erlebt, dass ein Ortsbeirat so eine professionelle Ausarbeitung auf die Beine stellte.

Einstimmig votiert der Ortsbeirat gegen die Pläne der Stadt. Bauausschussvorsitzender Jürgen Heldt (SPD) sagt zu, dem Ortsbeirat am Donnerstag, 9. Juni, in der Bauausschusssitzung Rederecht zu erteilen. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im kleinen Saal des Bürgerhauses.

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