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Das Schild des Ortsteils Waldsiedlung der Gemeinde Altenstadt steht am Ortseingang.

Analyse

Keine drei Jahre: Der rasante Aufstieg der NPD in Altenstadt

Bis zur Kommunalwahl 2016 hatten die Rechtextremen keine Bedeutung in Altenstadt. Vor 2006 war die NPD bei den Kommunalwahlen in Altenstadt gar nicht präsent.

Altenstadt - Das gut 12 000 Einwohner große Altenstadt im südöstlichen Wetteraukreis galt bislang als relativ unauffällig. NDPler und Rechtsextreme anderer Art versammelten sich eher im wenige Kilometer östlich gelegenen Büdingen, wo der Vorsitzende der NDP Hessen, Daniel Lachmann, wohnt. Mit der Kommunalwahl 2016 zogen die Neonazis in die Alternstädter Gemeindevertretung ein. 

Bis dato erreichte die NPD in der Flächengemeinde, bestehend aus acht Ortsteilen, kaum mehr als 1,2 Prozent der Stimmen. Vor 2006 war die NPD bei den Kommunalwahlen in Altenstadt gar nicht präsent. 2016 waren es mit einem Mal zehn Prozent. Damit erhielten die Rechtextremen vier Sitze im Gemeindeparlament.

Die Partei schaffte lediglich im Ortsteil Waldsiedlung mit einem Mandat den Sprung in die Ortsbeiräte der Gemeinde. Beim Blick auf die Mandatsliste zur Gemeindevertretersitzung ergibt sich denn auch die mögliche Erklärung. Die komplette NPD-Fraktion um Fraktionschef Stefan Jagsch wohnt in der Waldsiedlung. Dort erhielten die Rechten 14,4 Prozent der Stimmen. Bei der Kommunalwahl 2011 waren es 8,6 Prozent.

Ortsvorsteher von der NPD: Eigentlich CDU-Hochburg

Die politische Heimat der meisten Bewohner der Siedlung ist die CDU, 2016 erhielt sie 35,6 Prozent der Voten, die SPD zwei Prozent weniger. Markant bei dieser Kommunalwahl sind die erdrutschartigen Verluste von CDU (minus 12,9 Prozent) und der SPD (minus 5,9 Prozent). Neben der NPD war lediglich die FDP kräftiger Gewinner mit 17,4 Prozent, sie ist damit mit zwei Sitzen im Ortsbeirat vertreten.

In der Waldsiedlung leben rund 2650 Menschen. Die überwiegende Bebauung mit Einzel- und Doppelhäusern gruppiert sich um ein im Vergleich zur Siedlungsfläche riesiges Gewerbegebiet, in dem sich neben kleinen Handwerksbetrieben und Dienstleistern auch größere Unternehmen etwa für Haustechnik oder Papier-Hygieneservice niedergelassen haben. Der legendäre Motorradbauer Friedel Münch hatte in der Waldsiedlung seine Manufaktur, die 2002 mangels Absatz geschlossen werden musste.

NPD steigt in Altenstadt rasant auf

Die Waldsiedlung liegt als Dorf für sich in der Wetterau – an zwei Seiten umgeben von Wald, gen Norden erstrecken sich Äcker und die Weite des Landes im Osten wird von der A45 begrenzt. Der Ort mit dem unscheinbaren Namen ist dennoch einer mit markanter Geschichte, die mit dem Dritten Reich und der Luftwaffe verbunden ist. 1936 bauten die Nazis bei Altenstadt einen Fliegerhorst. Mit ihm entstand auch die Waldsiedlung. Zur Versorgungsinfrastruktur des Flugplatzes gehörte ein knapp vier Kilometer langer Bahnanschluss, der die großen Gewerbeansiedlungen nach dem Krieg im Dorf begünstigte.

In den Medien war Ortsvorsteher Stefan Jagsch im Übrigen vor ein paar Jahren schon mal. Er wurde nach einem Autounfall von Geflüchteten gerettet, was im Kontext zu seiner Parteizugehörigkeit hohe Wellen schlug. Wir berichten über die aktuellen Entwicklungen im Fall Altenstadt in unserem Liveticker. 

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