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Patrick Carstensen läuft von Nidda nach Berlin

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Nach 30 Tagen ist Patrick Carstensen in Berlin angekommen, nachdem er am Niddaer Marktplatz zu seiner Tour aufgebrochen war. © pv

Von Nidda nach Berlin: Patrick Carstensen hat eine besondere Sponsorenwanderung hinter sich. Der Vater von fünf Kindern unterstützte damit die Non-Profit-Organisation »Pencils of Promise«.

In New York sitzt die 2008 gegründete Wohltätigkeitsorganisation »Pencils of Promise«, die Kindern in Entwicklungsländern den Zugang zu schulischer Bildung erleichtern, ihnen gleichzeitig eine gute Infrastruktur und vor allem sauberes Trinkwasser bieten will. Im Internet verweist die Organisation darauf, den Bau von 554 Schulen in Laos, Guatemala und Ghana realisiert und damit 110 000 Kindern den Zugang zu Bildung ermöglicht zu haben. Die Projekte würden langfristig begleitet, im Sinne der Nachhaltigkeit sollen sie fest in den Regionen verankert sein.

Mit einer Sponsorenwanderung zur Siegessäule in Berlin wollte Patrick Carstensen die Non-Profit-Organisation unterstützen. 520 Kilometer wollte er in 30 Tagen eigentlich zurücklegen. Am Ende waren es schließlich 788 Kilometer. Carstensen hatte sich allerdings nicht verirrt.

In Sachsen-Anhalt

bricht die Deichsel

Um auf die Dringlichkeit seines Anliegens hinzuweisen, hatte er sich nämlich ein besonders kommunikatives Reisekonzept ausgedacht. Mit einem Bollerwagen samt Biwaksack und Tarp ging er los, er schlief im Freien. Wasser holte er nur aus Quellen, Bächen und Seen, er ließ es durch einen Geopress-Filter mit Membran laufen. Insgesamt musste er 50 Kilogramm Ladung auf seinem Wagen ziehen. Daher ging es nicht ohne Umwege, um geeignete Schlafplätze und Wasserquellen zu finden.

Seine Website war GPS-überwacht, seine Unterstützer konnten jederzeit nachverfolgen, wo er gerade war. Carstensen wanderte durch den Vogelsberg, die Rhön und den Thüringer Wald, die überwiegend landwirtschaftlich genutzten und damit fast schattenlosen Gebiete in Sachsen-Anhalt, die Kiefernwälder Brandenburgs. Der Mann aus Nidda entwickelte eine Vorliebe für das Übernachten in Burgruinen. »Ich wollte bewusst an schönen Plätzen sein«, sagt er. Öfter hörte er nachts in Thüringen Wölfe heulen, zweimal wurde er sogar aus einiger Entfernung von kleinen Rudeln begleitet. Carstensen: »Die folgten mir anderthalb Kilometer lang im Abstand, sie schnupperten in Richtung meines Proviantrucksacks.«

Am Bergwitz-See in Sachsen-Anhalt brach die Deichsel des Bollerwagens, nichts ging mehr. Spontan kam ein Handwerker, der Carstensen beobachtet hatte, und machte den Wagen wieder flott.

Carstensens wichtigste Schlüsselerfahrung: »Ich traf unendlich viele hilfsbereite und interessante Menschen auf dieser Reise. Einen Psychologen mit mehreren Kindern, der mich zum Übernachten in sein großzügiges Haus einlud. Einen Eisenbahningenieur, längst Aussteiger, der mit zwei Ziegen nachhaltig in einem Wohnwagen auf einem Aussiedlerhof lebt, Solarstrom und Regenwasser nutzt, gelegentlich ferne Länder bereist.« Öfter kam allerdings auch die Frage auf: »Warum tust du nicht was für deutsche Kinder? Was gehen uns die in Laos an?« Carstensen brach das Gespräch nicht ab, sondern argumentierte: »Wir in Deutschland leiden auf hohem Niveau. Auch Kinder von sehr armen Familien haben bei uns sauberes Wasser und Zugang zu Bildung.« Früher habe er ähnlich gedacht, inzwischen aber seine Weltsicht total geändert.

Ein persönlicher

Jakobsweg

Die Benefizwanderung hat auch seine Stadt-Land-Einschätzung verändert. »Ab Potsdam, im städtischen Bereich, waren die Leute gleichgültig, sogar abweisend. Das Übernachten und das Fahren mit dem Bollerwagen wurden zu schwierig. Ich konnte das meiste Gepäck unterstellen und fuhr mit der S-Bahn nach Berlin«, berichtet er. Aber er habe unterwegs lange Gespräche mit gläubigen Menschen über Gott geführt, »ich kann diese ganze Reise als meinen persönlichen Jakobsweg bezeichnen. Jeder Tag war ein Abenteuer, jeder eine Belohnung für mich«.

Auf Carstensens Website www.skippers-corner.com und auf Instagram kann man mehr über den aktuellen Stand seines Vorhabens erfahren. Das Bildmaterial, das auf seinem Weg per 360-Grad-Kamera entstand, wird er bearbeiten und in digitaler Form zugänglich machen. Er dankt allen Firmen und privaten Spendern, die sein Projekt unterstützen, vor allem aber seiner Frau, die während seiner Benefizwanderung zu Hause bei den fünf Kindern die Stellung hielt.

Patrick Carstensen ist mit seiner Aktion einen ersten Schritt für das Laos-Projekt gegangen. Allerdings sind noch nicht alle zugesagten Spenden eingetroffen, er bittet um rasche Überweisung. Sein Ziel: »In etwa drei Jahren, wenn mein Kleinster eingeschult wird, will ich die benötigten 50 000 Euro zusammenhaben, um auch Kindern in Laos eine Einschulung zu ermöglichen.« Für das kommende Jahr plant er eine dreiwöchige Survival-Tour in Rumänien, bei der nur zehn Ausrüstungsgegenstände erlaubt sind, ernährt wird sich komplett aus der Natur. Auch eine Kanu-Tour in Schweden ist in Planung, dann aber mit zusätzlichen Kameramännern. VON ELFRIEDE MARESCH

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