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Per Rad soll’s runder laufen

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Von: Georgia Lori

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Die Stadt Büdingen entwickelt seit Mitte 2021 in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro LK-Argus ein Radwegekonzept für die Großgemeinde. Der Stand der Dinge liegt jetzt auf dem Tisch.

Wichtige Ziele wie Bahnhöfe, Radfernwege und Gewerbegebiete anbinden, auf Nebenrouten die Stadtteile untereinander verbinden, übers Hauptnetz Schwimmbad und Arbeitsstätten erreichbar machen - wie kann ein Gesamtradwegenetz für die Stadt Büdingen und die Ortsteile aussehen? Gearbeitet wird längst daran. Das Kasseler Planungsbüro LK-Argus hat vor Vertretern des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, der Ortsbeiräte und der Interessengemeinschaft IG Rad Ergebnisse präsentiert.

Da der Straßenraum begrenzt ist, werde eine Umverteilung der verfügbaren Flächen notwendig. Nach den Vorstellungen des Planungsbüros ist eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf Straßen denkbar. Um Radverkehrsanlagen einzurichten, seien Fahrradstraßen und eine Fahrradzone oder Radfahrstreifen möglich. Auch könnten neue Verbindungen geschaffen und Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet werden. Punktuell regen die Planer Querungsanlagen wie Mittelinseln und eine verbesserte Beschilderung an.

Ein weiterer Aspekt: »Wir schlagen Tempo 20 im verkehrsberuhigten Geschäftsbereich, Tempo 30 innerorts und Tempo 50/70 außerorts vor«, sagt Max Lehnen von LK-Argus.

Geringe Geschwindigkeiten erhöhten die Verkehrssicherheit und förderten das subjektive Wohlbefinden der Fahrradfahrer. Als Beispiele für die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nennen die Planer die Straße Hinter der Meisterei, die Industriestraße, Ortsdurchfahrten und die Bahnhofsstraße/Vorstadt. Eine schnelle und kostengünstige Maßnahme, um die Wahrnehmung des Radverkehrs zu verbessern, seien Fahrrad-Piktogramme etwa alle 30 Meter. Markierungen dieser Art könnten in der Berliner Straße, Mühltorstraße, Gymnasiumstraße und der Brunostraße greifen.

Radfahrstreifen seien bei genügend Platz im Straßenraum als Alternative zur gemeinsamen Führung mit dem Fußverkehr im zu schmalen Seitenraum sinnvoll, wie beispielsweise einseitig in der Bahnhofstraße und Bismarckstraße. Bestehende Radwege könnten ausgebaut werden, wie der Radweg Düdelsheimer Straße nach Büches (B457) oder der Radweg Lorbacher Straße nach Lorbach (L3193). Zu einem Radwegekonzept gehöre auch die Oberflächensanierung. So müssten Schlaglöcher ausgebessert und Schotter entfernt werden, besonders auf Schülerrouten. Auf Hauptrouten sollten die Radwege asphaltiert sein.

Beispiele für die Öffnung von Einbahnstraßen könnten der Steinweg, Vorstadt, Altstadt, Über den Roten Gräben mit einer Fahrradpforte zur Sicherung und der Kirchweg in Düdelsheim sein. Bei jedem Radwegeneubau außerorts sprechen sich die Planer für die Einrichtung von Querungsmöglichkeiten über die Landesstraßen aus. Abstellanlagen für Fahrräder in Form von Fahrradbügeln, abschließbaren Fahrradboxen, überdachten Anlagen und E-Bike-Ladestationen seien für Schulen, Arbeitsstätten, Bahnhöfe oder die Innenstadt denkbar.

Zu den nächsten Schritten zählen Öffentlichkeitsbeteiligung (www.radverkehrskonzept-Buedingen.de), Kostenschätzung und Prüfung von Fördermöglichkeiten. Mit dem Konzept werden zwar Hoffnungen und Begehrlichkeiten geweckt. Vorschläge aber bedürften der Abstimmung mit Hessen Mobil. Tempo 30 auf einer Bundesstraße einzurichten, wird beispielsweise für nahezu unmöglich gehalten.

Bedenken und kritische Stimmen

»Ich weiß nicht, ob Radfahrer das gut finden, gegen die Einbahnstraße zu fahren«, sagt Robert Preußer aus Düdelsheim zu den Vorstellungen der Planer.

Bedenken des Ortsbeirates gibt es beim Radweg Calbach-Orleshausen. Die Strecke mit enger Kurve sei sehr unübersichtlich und berge ein großes Gefahrenpotenzial. Angemerkt wird auch, dass die Radwegeverbindung zwischen Wolferborn und Kefenrod fehle. Wolfgang Faust hätte hier gerne eine Anbindung der Nachbarorte und zu überregionalen Radwegen wie dem Vulkanradweg. »Von Wolferborn nach Bindsachsen fehlen 280 Meter«, so Faust.

»Wir haben noch immer keinen Radweg von Diebach am Haag zum Herrnhaag. Wir haben diesen schon vor zehn Jahren beantragt«, sagt Waldemar Steinbring. Magistratsmitglied Dorothea Preißer betont, dass die Stadt sich auf das konzentrieren solle, was machbar sei. Die Umsetzung könne eher für Nebenstrecken vorgenommen werden, als etwa für Landesstraßen. Der Ortsbeirat Büches findet den Ansatz gut, vorhandene Wege auszubauen, statt neue zu errichten. »Das Netz gibt alternative Wege her«, sagt Holger Heering von LK-Argus.

INFO:

Individuelle Lösungsansätze für ein Gesamtradwegekonzept sehen die Planer hier:

An der Saline (B457) und Kreisverkehr: Schutzstreifen auf der Ostseite stadteinwärts mit Wegfall des Linksabbiegestreifens zum Fressnapf, Fahrbahnverbreiterung unter Einbeziehung der Grüninseln, eventuell Anordnung von Tempo 30, An der Saline/Gymnasiumstraße Radfahr-steifen.

Kreisverkehr Bahnhofstraße/B457: Reduzierung der Zufahrten auf einen Fahrstreifen, Verbreiterung des Seitenraumes für den Radverkehrs.

Vogelbergstraße/L3193: Bahnhofstraße bis Pferdsbacher Weg Tempo 30 und Piktogrammspur, Neubau oder Ausbau des Radweges auf der Westseite im Bereich Pferdsbacher Weg bis Ortsausgang, inklusive Sicherung der Einfahrten und Schaffung von

zwei Querungsmöglichkeiten.

Fahrradstraße Eberhard-Bauner-Allee, Mäusfall, Thiergartenstraße, Friedrich-Fendt-Straße: maximal Tempo 30, Vermeidung von Senkrecht- und Schrägparken, nur Anliegerverkehr, Sicherheitstrennstreifen (0,75 Meter) zu Längsparkern.

Fahrradzone Altstadt/Innenstadtbereich innerhalb der historischen Stadtmauer: mindestens Freigabe der Einbahnstraßen.

Thiergartenstraße: Abkapslung Industriestraße, Vermeidung des Durchgangsverkehrs, für Anlieger-Kfz passierbar (zwei Meter breite Durchfahrt).

Bismarckstraße/Friedrich-Fendt-Straße: Markierung von Sperrflächen am Knotenpunkt, Nutzung als Radabstellflächen.

Schaffung neuer Verbindungen: Querverbindung An der Saline - Schulzentrum, Querverbindung Keltenkreisel - Thiergartenstraße, Bahnüberführung Bahnhof Büdingen, Seemenbachbrücke, Verbindung Büdingen - Rinderbügen, Verbindung Büches - Rohrbach. VON GEORGIA LORI

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