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Perlenkette der Hochkaräter

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Zieht stimmlich alle Register: Tine Lott überzeugt im Ortenberger »KARO-Keller«. © Meike Bartz

Ortenberg (mba). Mit »Liederperlen abseits der Hitparaden« haben Tine Lott (Gesang, Gitarre), Georg Crostewitz (Gesang, Gitarre) und Sabrina Damiani (Bass) im Ortenberger »KARO-Keller« für ein ausverkauftes Haus und begeisterte Zuhörer gesorgt.

Obwohl Georg Crostewitz schon seit vielen Jahren in Ortenberg lebt und als Musiker in der Region durchaus kein Unbekannter ist, zeigte sich einmal mehr so mancher Gast im Publikum von seiner ungeheuren Virtuosität völlig überrascht. Crostewitz spielt nicht einfach Gitarre, sondern er lebt und empfindet die Musik in feinsten Nuancen und ist in der Lage, mit seinem Instrument Emotionen zu vermitteln und ganz ohne Worte seinen Zuhörern eine faszinierende, berührende Welt zu Füßen zu legen.

Nachdenkliches mit Aha-Erlebnis

Genau wie Tine Lott, die stimmlich alle Register von zart bis hart, von unendlich zerbrechlich bis aufmüpfig und wild ziehen kann und nicht ohne Grund im Altkreis Büdingen und weit darüber hinaus auf eine große »Fanbase« blickt. Zu den beiden Lokalmatadoren gesellte sich kongenial die aus Rom stammende und bei Würzburg lebende Bass-Queen Sabrina Damiani, die auf Anhieb das Publikum im KARO-Keller für sich einzunehmen verstand.

Die Kulturkreis-Vorsitzende Manuela Baumann hatte nicht zu viel versprochen, als sie vor dem Konzert »drei herausragende Künstler« auf der Bühne willkommen hieß. Das Programm, das das Trio in Ortenberg darbot, war eine musikalische »Perlenkette«, an der sich ein Hochkaräter an den nächsten reihte. Oft genug kamen die Zuhörer bei den ersten Klängen der Stücke zunächst ins Grübeln - da war doch was, in irgendeiner verborgenen Ecke des Gedächtnisses tief begraben, aber nie vergessen. Und dann das Aha-Erlebnis.

So wie bei Tine Lotts zauberhafter Version von Herman van Veens »Ich hab ein zärtliches Gefühl«. Der Hymne für all jene, die niemandes Knecht sein wollen und niemandes Herr, der Hymne für Verständnis, Menschenliebe und Diversität im besten Sinne, geschrieben vor genau 50 Jahren. Gar mancher, der das Original des Niederländers nur mit mäßiger Begeisterung goutiert, vermochte plötzlich die musikalische Perle zu erkennen, die sich zweifellos in diesem Lied verbirgt. Oder auch »Wenn ich mir was wünschen dürfte«, 1931 komponiert von Friedrich Hollaender und im Original gesungen von Marlene Dietrich. Ein Lied, in dem es um Ungewissheit geht, um das Zurücklassen, um Verlust und um die Sehnsucht nach einem kleinen bisschen Glück.

Sehr poetische Lieder wurden gesungen, aber auch etliche mit einem gewissen Augenzwinkern. Beispielsweise Lotts und Crostewitz’ Eigenkomposition »Das Paradies hat geschlossen«, die sich nicht auf den himmlischen Garten Eden, sondern auf ein früheres Tanzcafé in Frankfurt bezieht. Oder der Song »Die Katze« von Annett Louisan, bei dem das Publikum im Refrain stets ein vielstimmiges »Miau« beisteuerte. Auch »Guten Tag, liebes Glück« von Max Raabe gehörte in dieses leichte, fröhliche Segment.

Ohrwürmer von Knef und Cohen

Neben vielen großartigen Liedern, die nicht zu den allergrößten Hits ihrer Schöpfer zählen, darunter »Norwegian Wood« von den Beatles oder »Lover, Lover, Lover« von Leonard Cohen, hatte das Trio auch etliche absolute Ohrwürmer mitgebracht. Unter diesen stachen besonders Hildegard Knefs unvergessenes »Für mich soll’s rote Rosen regnen« und Cohens »Hallelujah« heraus. Ein Song, von dem der Kanadier selbst sagte, er sei sehr gut, aber er werde von zu vielen Leuten gesungen. Zu den verzichtbaren Fassungen des Stücks gehört jene von Tine Lott zweifellos nicht.

Den Schlusspunkt setzten das von Tine Lott mit viel Verve vorgetragene »Non, je ne regrette rien« von Edith Piaf und Hanns Dieter Hüschs von Georg Crostewitz gesungenes, scheinbar harmloses und doch so hintergründiges »Abendlied«. Ein wunderbarer Konzertabend im KARO-Keller, so vielfältig und so gut besucht wie kaum je einer zuvor.

Als kommende Veranstaltungen des Ortenberger Kulturkreises stehen am 21. und 22. April Hans Schwabs neues Balladen-Programm und am 29. April Christiane Burkards Solo-Gastspiel »Ich grolle nicht« auf dem Spielplan.

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