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Peter Prange stellt in Bad Salzhausen seinen neuesten Roman vor

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Peter Prange, einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller, widmet sich bevorzugt historischen Stoffen. Am Donnerstag liest er in Bad Salzhausen aus seinem neuesten Roman »Traumpalast«. © pv

Er ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller und bevorzugt historische Stoffe. In seinem neuen Werk »Traumpalast - im Bann der Bilder« geht es um die Weimarer Republik und die Ufa.

Eigentlich sollte der Schriftsteller Peter Prange bereits vor einem Jahr im Rahmen der Reihe »nidda erlesen« im Parksaal Bad Salzhausen seinen Roman »Winter der Hoffnung« vorstellen. Wegen der Pandemie musste die Veranstaltung verschoben werden. Fast auf den Tag genau ein Jahr später, am Donnerstag, 13. Januar, wird er dort nun aus seinem neuesten Roman »Traumpalast - im Bann der Bilder« lesen. Das Niddaer Publikum ist neugierig auf den Autor. 2020 strahlte die ARD die Verfilmung seines Romans »Unsere wunderbaren Jahre« als Dreiteiler aus, fünf bis sechs Millionen Zuschauer schalteten bundesweit ein.

Herr Prange, immer lenken die Untertitel Ihrer Bücher die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte zeitgeschichtliche Epoche, so bei den »Wunderbaren Jahren« auf die Geschichte der D-Mark. Und beim »Traumpalast«?

Hier heißt der Untertitel »Die Geschichte der Weimarer Republik, vom Freiheitsrausch bis zur kollektiven Selbstaufgabe«. Es geht vordergründig um die Geschichte eines Liebespaares, des Bankers und Lebemanns Tino und der Journalistin Rahel, die über die Grenzen der konventionellen Frauenrolle hinaus will. Beide sind Kinder ihrer Zeit, der goldenen wie der abgründigen 1920er Jahre. Beide fasziniert die neue Kunstform Kino und Tino will mit der Ufa als deutsche Traumfabrik Hollywood entgegentreten. So führt die Handlung in die Studios des jungen deutschen Films, zu großen Regisseuren, eigenwilligen Stars und glanzvollen, bis heute unvergessenen Filmen.

Es gibt kaum einen großen internationalen Regisseur, der nicht unter den alten Ufa-Streifen einen Lieblingsfilm hätte.

Also eine Hommage an die goldenen Anfangsjahre des Films?

Ja und Nein. Schatten ziehen herauf, die Ufa steht vor dem Bankrott, leidet unter dem Konkurrenzdruck von Hollywood, hat sich mit den immensen Drehkosten von Fritz Langs Großproduktionen »Nibelungen« und »Metropolis« übernommen und wird 1927 vom dem Rechtskonservativen und Hitler-Wegbereiter Alfred Hugenberg aufgekauft. Er drückt der Arbeit seinen Stempel auf - bis zur Gleichschaltung 1933 unter dem Diktat der Reichsfilmkammer. Davon handelt dann mein zweites Ufa-Buch, an dem ich derzeit arbeite und das im Herbst 2022 erscheinen soll. Auch von »Unsere wunderbaren Jahre« wird es eine zweite Staffel um die Zeit zwischen 1968 und 1975 geben.

Konkrete, authentisch gezeichnete Hauptfiguren im Wechselspiel mit einer bestimmten historischen Situation - das ist das Erfolgsrezept Ihrer Bücher. Auch hier?

Ja, das kann man so sagen. Ich wollte eine Art Seelenspiegel der 1920er Jahre zeichnen. Ich wollte der Frage nachspüren, wie ein Volk mit Goethe und Kant im geistigen Gepäck Hitler und seiner barbarischen Ideologie mit zunehmender Begeisterung folgen konnte. Die Aussage Erich Kästners »Hitler hätte in den 20er Jahren verhindert werden können, 1933 war es zu spät« halte ich für absolut zutreffend. Ich wollte im Schreiben die Denkweisen und Werte der 1920er Jahre zurückverfolgen. Sie sind Mosaiksteine im Zeitpanorama des 20. Jahrhunderts. Wer sich damit auseinandersetzt, was in der Geschichte erlitten und erlebt wurde, kann verantwortungsbewusster mit der Gegenwart umgehen.

Dazu passt Ihre Aussage, Sie hätten sich als Jugendlicher im Geschichtsunterricht eher gelangweilt. Ihre Leidenschaft für Geschichte sei beim Schreiben erwacht.

Ich bin Jahrgang 1955. Als Kind soll ich oft gesagt haben: »Papa, erzähl mir von früher!« Diese Berichte aus der Lebenswelt der Familie und der Stadt fand ich weit interessanter als den Schulstoff. Bis heute recherchiere ich zwar viel. Jahreszahlen, historische Entwicklungslinien interessieren mich aber weit weniger als individuelle Menschen aus Fleisch und Blut, die fühlen, lieben, hoffen, leiden. Die will ich darstellen.

Sie haben aber auch zusammen mit Johannes Thiele und Frank Baasner ein Sachbuch geschrieben »Werte: Von Plato bis Pop - Alles, was uns verbindet«.

Das Buch hat sich sozusagen eigenständig entwickelt - anders, als ich es ursprünglich gedacht hatte. Ich war 50 Jahre alt und hatte den Wunsch nach einer geistigen Zwischenbilanz. Ich habe die Essays geschrieben, die beiden Co-Autoren haben sie sozusagen mit Fakten und Dokumenten unterfüttert. Während des Arbeitsprozesses wurde ich gefragt, in welchem Land, in welcher Epoche ich am liebsten leben würde. Mir wurde klar: im Hier und Jetzt, im Europa des 21. Jahrhunderts. Hier ist die Lebensart, in der ich zu Hause bin. So wurde es auch ein Selbsterfahrungsbuch für mich.

Auch ein Selbsterfahrungsbuch für Ihre Leser?

Das wäre die schönste Wirkung, die das Buch haben kann.

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