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Die erste Ansicht des neuen Feuerwehrhauses für Petterweil liegt vor. Feuerwehrleute haben beim Planen ihre Ideen eingebracht, Architekt Ulrich Felber daraus diese Ansicht erstellt.

Ehrenamt

Zeitmangel: Petterweiler Feuerwehr plant ihre eigene Wache

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Die Pläne für ein neue Feuerwehrgerätehaus in Petterweil haben Fahrt aufgenommen. Das jetzige Gebäude ist zu eng, die Unfallkasse fordert dringend neue Räume. Das Besondere: Damit es schnell geht, haben die Freiwilligen der Feuerwehr einfach selbst losgeplant.

Die erste Ansicht des neuen Feuerwehrhauses für Petterweil liegt vor. Feuerwehrleute haben beim Planen ihre Ideen eingebracht, Architekt Ulrich Felber daraus diese Ansicht erstellt.

Beim Großbrand in der Hühnerstall-Anlage zwischen Kloppenheim und Dortelweil gehörten die Brandbekämpfer aus Petterweil zu den ersten, die vor Ort waren. Dabei ist schon das Ausrücken für sie gar nicht so einfach. Zum einen fehlen am Gerätehaus an der Schlossstraße Parkplätze für die Einsatzkräfte, wenn sie im Alarmfall dorthin eilen. 

Viel zu wenig Platz

Anschließend ist es eng, wenn sich die Feuerwehrleute ihre Schutzkleidung anziehen: Die Spinde stehen an den Wänden der Fahrzeughalle, es bleibt daneben wenig Platz. Einfach rausfahren, um Platz zu haben, können die Einsatzkräfte die Lastwagen auch nicht: Das Tor öffnet direkt an der Grenze zum Gehweg. Danach direkt die Straße. Stellfläche praktisch null. Erweiterungsmöglichkeiten für das Gebäude: ebenfalls null. Nach und nach müssen in den nächsten Jahren neue Fahrzeuge angeschafft werden. Doch das lässt die Unfallkasse nicht zu, weil sich diverse Unfallverhütungsvorschriften im zu kleinen Gerätehaus nicht realisieren lassen (diese Zeitung berichtete). 

Standort: Sauerbornstraße

Besprechung der Planung für neues Feuerwehrhaus Petterweil mit (von links): Vize-Wehrführer Thomas Pfeiffer, Feuerwehrvereins-Vorsitzender Christoph Cost, Stadtbrandinspektor Christian Becker, Wehrführer Marcus Schuld, Bürgermeister Guido Rahn, Architekt Ulrich Felber und Stadtpolizei-Chef Uwe Axtmann, im Rathaus zuständig für Brandschutz und Feuerwehr.

Ein neues Haus muss her. Die Situation ist seit fast einem Jahr klar – und sie hat die Feuerwehrleute selbst alarmiert. "Wir haben Arbeitsgruppen eingerichtet, um alles zu planen", erklärt Vize-Wehrführer Thomas Pfeiffer. In Bau- und Unfallverhütungs-Vorschriften haben sich die Freiwilligen eingearbeitet, ebenso in Architektursoftware. "Auch die DIN-Norm für den Bau von Feuerwehrhäusern", sagt Pfeiffer. Über Monate hinweg erarbeiteten sie zunächst Grundriss und Raumprogramm. Besonderes Augenmerk legen die Feuerwehrleute darauf, dass die Wege anrückender Einsatzkräfte und ausrückender Feuerwehrautos strikt getrennt werden. In der Zwischenzeit suchte man im Rathaus nach einem Standort für den Neubau. 

Neues Gerätehaus

Gebaut werden soll das Feuerwehrhaus am Rand des künftigen Baugebiets am Südwestrand des Dorfes – direkt an der Sauberbornstraße gegenüber dem Gelände der Pferdehofs. Das neue Gerätehaus soll rund 900 Quadratmeter Nutzfläche bekommen, die Fahrzeughalle mehr als ein Drittel davon ausmachen. Sie soll in Zukunft vier statt drei Fahrzeuge fassen. Das viel zu kleine Gerätehaus an der Schlossstraße misst dagegen gerade einmal 274 Quadratmeter Nutzfläche, sagt Wehrführer Marcus Schuld. Nicht nur genug Platz für die Feuerwehrleute im Einsatzfall ist mit Umkleiden und Duschen vorgesehen. 

Schulungsräume und ein Büro im ersten Stock ergänzen das Raumangebot. Auch eine Terrasse ist hier vorgesehen. Natürlich auch, um "die Kameradschaft zu fördern", erläutert Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Wichtiger aber sei, dass der Außenbereich im Obergeschoss für Übungen mit Leitern genutzt werden kann. "So etwas haben wir in Karben noch nicht", sagt Stadtbrandinspektor Christian Becker. "Wir können ja schlecht bei Privatleuten klingeln und dort den Balkon nutzen." Lob für Vorbereitung Die Ideen und Vorarbeiten der Feuerwehrleute hat Architekt Ulrich Felber aus Kloppenheim inzwischen in einen "ersten, groben Vorentwurf" vervollständigt. Eine solche Vorarbeit "habe ich auch noch nie erlebt", ist er Feuer und Flamme für die Vorgaben der ehrenamtlichen Feuerwehrleute. 

1,5 Millionen Euro Baukosten

Aber fühlt sich Ulrich Felber angesichts schon halb fertig wirkender Pläne nicht in seiner Architektenehre gekränkt? Im Gegenteil, winkt der Baufachmann ab: "Wer weiß besser, was die Feuerwehr benötigt, als die Feuerwehr selbst?" In den kommenden Wochen muss Felber nun noch die Pläne vervollständigen. Auch die Grundstücksgröße muss noch festgelegt werden. Mit grob geschätzt 1,5 Millionen Euro Baukosten rechnet der Bürgermeister. "Petterweil hat aber auch die zweitgrößte Stadtteilfeuerwehr in Karben", erklärt der Wehrführer. 39 aktive Einsatzkräfte, eine große Jugend- und Kinderabteilung gibt es hier. "Wäre gut, wenn es überall so wäre", sagt Rahn. In neun bis zwölf Monaten will der Rathauschef die Pläne zur Baureife vorangetrieben haben. Ein weiteres Jahr lang dürften die Bauarbeiten dauern. Weihnachten 2020 könnte, läuft alles glatt, Einzugstermin sein. Christian Becker hört mit Staunen zu. "Dann komm ich als Weihnachtsmann verkleidet."

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