1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Probleme beim Schülerverkehr: Keine schnelle Lösung in Sicht

Erstellt:

Kommentare

bg_DSC01602_230922_4c_1
Durch die Beauftragung von anderen Unternehmen versucht die Verkehrsgesellschaft Oberhessen, die Zuverlässigkeit auf den betroffenen Buslinien zu erhöhen. © Oliver Potengowski

Obwohl die Verkehrsgesellschaft Oberhessen eine Normalisierung des Schülerverkehrs zwischen Gedern, Ortenberg und Büdingen versprochen hat, ist davon aktuell wenig zu spüren.

Unregelmäßigkeiten, verspätete oder komplett ausfallende Busse gehören im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) des östlichen Wetteraukreises seit Jahren zum Alltag. Unmittelbar nach den Sommerferien eskalierte die Situation allerdings, als die Polizei bei einer Kontrolle der Schulbusse einen Bus aus dem Verkehr zog (diese Zeitung berichtete).

Im Anschluss an die Berichterstattung über diesen Vorfall und die Probleme im Schülerverkehr erreichten die Redaktion zahlreiche Beschwerden von Eltern, die über Unregelmäßigkeiten klagten.

Die Kritik konzentrierte sich vor allem auf die Linien FB-20, FB-21 und FB-23. In den beiden vergangenen Wochen konnte man nämlich offenbar zumindest von einer Regelmäßigkeit des Linienverkehrs ausgehen: Der Bus, den die Schüler nutzen müssten, um morgens rechtzeitig zum Unterricht zu kommen, kam in der Regel nicht. Für die Linie FB-23 haben Eltern etwa dokumentiert, dass der Bus um 7.49 Uhr vom 7. bis zum 9. September an keinem Tag gefahren ist.

Eltern verlieren die Geduld

Für die Folgewoche hatte die VGO zwar eine Normalisierung versprochen. Doch auch am Montag, 12. September, fuhr laut Eltern um 7.35 Uhr kein Bus der Linie FB-23 in Gedern ab. Auch auf der Linie FB-20 ist die versprochene Normalisierung bisher nicht festzustellen. Weder am 16. September noch an diesem Mittwoch sei der Bus morgens um 7.45 Uhr gefahren, stellte ein Vater fest.

Den Schulkindern bleiben dann zwei Alternativen: Entweder sie warten auf den nächsten Bus, der in der Regel rund eine Viertelstunde später fährt und in den vergangenen Tagen meist auch pünktlich war. Dann kommen sie aber zu spät zum Unterricht. Oder die Kinder laufen schnell nach Hause, damit Eltern, Großeltern, andere Verwandte oder Nachbarn sie zur Schule bringen.

»Vergangene Woche ist meine Frau dreimal nach Büdingen gefahren, ich bin zweimal gefahren«, berichtet Steffen Brill, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Gedern. »Jeweils zehn Kilometer hin und zehn Kilometer zurück. Insgesamt rund 100 Kilometer sinnlose Fahrten mit dem Auto«, rechnet er vor. »Wir reden hier über rund 16 Euro Kosten pro Woche. Zusätzlich waren wir zwischen 45 Minuten und einer Stunde unterwegs.«

Man komme zu spät zur Arbeit, berufliche Termine könne man nicht vor 9 Uhr legen. Brill sagt, er habe seiner älteren Tochter für 365 Euro eine Jahreskarte gekauft. »Nutzen konnte sie diese bisher noch nicht«, klagt er. Auch andere Eltern verlieren zunehmend die Geduld mit der VGO und den Busunternehmen.

»Jedes Jahr zu Schulbeginn, nach jeden Ferien, wenn der erste Schnee oder der erste Frost kommt, es ist immer das gleiche Problem. Die Busse sind kaputt, der Fahrer krank, es gibt Baustellen oder Staus«, beschwert sich Denise Gerhardt. Seit Jahren hätten die Kunden Verständnis gehabt. Sie wünscht sich, dass die Unternehmen ihre Kunden mit einer Lösung überraschten, die alle zufriedenstelle und auch ein pünktliches Ankommen garantiere. Denn: »Nur dann werden auch wieder mehr mit dem Bus fahren können.«

Doch eine solche Lösung scheint kurzfristig kaum möglich zu sein. Bei der Überprüfung der Beschwerden habe man festgestellt, dass der morgendliche Bus nach Ortenberg bereits in Gelnhaar zu spät dran sei, teilt VGO-Pressesprecher Sven Rischen mit. Deshalb solle jetzt ab Gelnhaar ein zusätzlicher Bus eingesetzt werden, »damit der die Verspätung aus den Vorfahrten nicht mitnimmt«.

Das Problem scheint sich dabei im Wesentlichen auf ein Unternehmen zu fokussieren, das die Linien FB-20, FB-22, FB-23 und FB-24 im Auftrag der VGO bedient. Dessen Vertrag läuft zum Dezember aus. Danach wird ein anderes Unternehmen diese Linien fahren.

Kündigung wohl keine Lösung

Eine fristlose Kündigung des Unternehmens, das die vier Linien bisher bedient, scheint keine Lösung zu sein, obwohl es auch erhebliche Kritik am Zustand seiner Fahrzeuge gibt. Es sei nicht möglich, kurzfristig auf dem Markt die erforderliche Zahl von Bussen und Fahrern zu beauftragen, um die Fahrten dieses Busunternehmens zu ersetzen, erläutert Rischen gegenüber dieser Zeitung.

Goldene Zeiten auch für den ÖPNV im Ostkreis verheißt der Koalitionsvertrag der Kreisregierung aus CDU und SPD. »Ziel der Koalition ist es, dass alle Bürgerinnen und Bürger in der Wetterau unabhängig von ihrem Wohnort ohne eigenes Fahrzeug zur Schule, zum Arbeitsplatz sowie zu den Angeboten der medizinischen, sozialen, kulturellen und sportlichen Infrastruktur gelangen können«, heißt es darin. Damit mehr Menschen vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigen, soll der ÖPNV »ausreichend Kapazitäten anbieten und im Kostenvergleich attraktiv, pünktlich, gut getaktet und vor allem verlässlich und sicher« sein.

Der Vertrag verspricht: »Die Koalition steht für eine Erweiterung der Mindestanforderungen an Verbindungs- und Bedienungsqualität, damit in den Hauptverkehrszeiten eine bessere Anbindung zugleich höhere Anreize für den Umstieg vom Individualverkehr auf den Busverkehr setzt.«

Die Antwort des Kreises auf eine Anfrage dieser Zeitung, welche konkreten Initiativen er unternimmt, um diese Versprechen im Schülerverkehr umzusetzen und mehr Menschen die Nutzung des ÖPNV zu ermöglichen, fällt dagegen sehr unverbindlich aus. Der Kreis bedauert die Unregelmäßigkeiten und äußert Verständnis für die Probleme und den Unmut bei den Eltern und Kindern.

»Durch kurzfristige Aufträge an andere Busunternehmen konnte auf einigen Verbindungen bereits eine Verbesserung erreicht werden. Weitere Verhandlungen mit kooperierenden Unternehmen laufen derzeit mit dem Ziel, den Fahrplan der betroffenen Linien wieder verlässlich durchzuführen«, heißt es aus Friedberg. Zudem verweist der Kreis auf den Fahrplanwechsel am 11. Dezember und die Übernahme der Strecken durch ein neues Unternehmen. »Das ausscheidende Unternehmen steht derzeit in engem Austausch mit der VGO und ist nach Kräften bemüht, die vertraglich festgelegten Leistungen bis zu diesem Zeitpunkt zuverlässig zu erbringen«, erklärt die Kreis-Pressestelle. VON OLIVER POTENGOWSKI

Auch interessant

Kommentare