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Ranstadt: Gemeindevertreter diskutieren: Was ist familienfreundlich?

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Von: Cathrin Lutz

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Welchen Bedarf gibt es nach Kinderbetreuung am Nachmittag, bis wann sollen die Kitas offen sein, und ist das mit den aktuellen personellen Mitteln leistbar? Diese Fragen erhitzen die Gemüter im Ranstädter Parlament. SYMBOL © pv

Eine Neuregelung der Kita-Betreuungszeiten hat in der jüngsten Ranstädter Gemeindevertretersitzung für Zwist gesorgt. Die Freien Wähler etwa sprach von personellen Engpässen.

Ranstadt (cat). Erhebliche Meinungsverschiedenheiten offenbarten sich beim Thema Kinderbetreuung in der jüngsten Ranstädter Gemeindevertretersitzung. Uwe Kaufmann von den Freien Wählern sah das Angebot der Gemeinde hier deutlich skeptischer als Rathauschefin Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD) und sprach von personellen Enpässen.

Zunächst hatte die Bürgermeisterin ausgeführt, dass man ein neues Betreuungsmodul für das Zeitfenster von 13.30 bis 15.30 Uhr geschaffen habe. Die Auswertung einer Abfrage der gewünschten Betreuungszeiten bei den Eltern habe gezeigt, dass die wenigsten Eltern das Zeitfenster von 13.30 bis 16.30 Uhr benötigten.

Ranstadt: Eine Kita länger offen halten?

Festgeschrieben wurde zudem, dass die Kitas freitags nur noch bis 15 Uhr geöffnet bleiben, was auch der angespannten Personalsituation entgegenkomme. Man reagiere flexibel auf die Elternwünsche und sei besonders familienfreundlich, erklärte die Rathauschefin. So halte man etwa Betreuungsmodule vor - als eine von ganz wenigen Kommunen im Wetteraukreis.

Ganz anders sah das Uwe Kaufmann, der von einem personellen Engpass sprach, unter dem die Eltern zu leiden hätten. »Da machen wir es uns zu einfach«, bewertete er die Situation und forderte, zumindest eine der beiden Kitas freitags bis 16.30 Uhr geöffnet zu lassen. Er ließ dabei weder die geringe Nachfrage gelten - es käme nicht einmal eine ganze Kita-Gruppe zusammen - noch die Frage, ob einige Kinder für die letzten eineinhalb Betreuungsstunden dann von der einen in die andere Kita wechselten sollten. Kaufmann bestand darauf: »So wird Eltern geholfen, die ihre Kinder nicht bereits um 15 Uhr abholen können.«

Ranstadt: Für Bürgermeisterin ein »Schlag ins Gesicht«

Als »Schlag ins Gesicht« wertete die Bürgermeisterin die Aussage Kaufmanns, schließlich arbeiteten Verwaltung und Kita-Personal ständig daran, familienfreundlich zu reagieren. Der Gemeindevorstand, der diesen Tagesordnungspunkt übrigens einstimmig beschlossen hatte, habe ständig mit Einstellungen zu tun, und das Stammpersonal fühle sich mit solchen Aussagen vor den Kopf gestoßen. »Hier macht es sich niemand einfach«, stellte Reichert-Dietzel klar. Die Modulwahl mit unterschiedlichen Zeitfenstern für Eltern habe man bereits seit zehn Jahren. Und die ausgeglichene Gegenfinanzierung (»wir sprechen hier von einem strukturellen Defizit von 1,8 Millionen Euro pro Jahr«) bedürfe jedes Jahr aufs Neue großer Anstrengungen, so Reichert-Dietzel. Die Kinderbetreuung sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, bei dem die Kommunen im Stich gelassen würden. Deshalb sei es auch kein Wunder, dass sich alle 25 Wetterauer Rathauschefs und -chefinnen parteiübergreifend mit einer Offensive gegen das Land Hessen gewandt hätten. »Herr Kaufmann, das war völlig daneben«, lautete deshalb ihr Fazit.

Ranstadt: Mehrheitliche Zustimmung für Satzungsbeschluss

Der Überweisung in den Ausschuss mit finaler Entscheidungskompetenz widersprach die Verfahrensfolge, wonach eine solche Satzung nur das Parlament beschließen könne. Hielte man an den Beratungen im Ausschuss fest, würde die Satzung erst in der August-Sitzung und damit nach Beginn des Kita-Jahres beschlossen. Deshalb sprach man sich für einen Satzungsbeschluss am gleichen Abend aus. Die neue Satzung fand Zustimmung bei den Fraktionen von SPD, CDU und Grünen; von den drei Freien Wählern gab es zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung.

Weniger Probleme warf die neue Kostenbeitragssatzung für die Kitas auf. Auch wenn die finalen Beiträge noch nicht ermittelt waren, sprach sich das Parlament einstimmig für die neue Satzung aus. Parallel dazu war man sich einig, die Details im Haupt- und Finanzausschuss zu beraten.

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