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Raps steht schon in Startlöchern

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Von: Rüdiger Geis

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Der Frühling steht vor der Tür, und bald wird sich auf den Feldern wieder die gelbe Pracht zeigen. Die milde Witterung derzeit sorgt dafür, dass der Raps aus bäuerlicher Sicht schon in den Startlöchern steht. © pv

Der Frühling naht, für die Landwirte steht nun die neue Saison vor der Tür. Eine Bilanz der kalten Jahreszeit und ein Ausblick auf die Aussaat- und Erntezeit in der Region.

In den Wintermonaten ruht die Vegetation weitgehend und damit die Feldarbeit - vom Wintergemüse abgesehen. Für die Landwirte gibt es trotzdem viel zu tun. »Die Bauern nutzen die Zeit, um ihre Maschinen zu pflegen und zu warten und um sich weiterzubilden«, erklärt Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt. Für die Fortbildung gebe es vielfältige Angebote vom Bauernverband, vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH ) oder auch vom Wetteraukreis.

Darüber hinaus steht in dieser Zeit die Vermarktung der letzten oder der kommenden Ernte auf dem Programm. Und nicht zuletzt benötigen die Landwirte viel Zeit für die Erfüllung der Dokumentationspflichten, zum Beispiel die Erstellung der Stoffstrombilanzen und die Düngebedarfsermittlung für die beginnende Saison. Die Tierhalter haben auch im Winter dieselbe Arbeit mit der Betreuung ihrer Tiere wie im Sommer.

»Der Winter war den Auswertungen der Wetterdienste zufolge einer der wärmeren - das hat man anhand der wenigen Frosttage auch hier gespürt«, bilanziert Rahn-Farr den bisherigen Verlauf der kalten Jahreszeit. Die Temperaturen im Februar seien teilweise schon frühlingshaft. »Frostschäden an den Ackerkulturen und am Grünland gab es bislang keine - allerdings ist das keine Entwarnung, dafür ist es noch zu früh.«

Keine Entwarnung beim Grundwasser

Nach drei sehr trockenen Jahren 2018 bis 2020 hat auch das feuchtere vergangene Jahr nicht allerorten für eine Entspannung bei den Grundwasserständen gesorgt. In der Region sei das Bild bei den so nötigen Niederschlägen jedoch unterschiedlich und durchwachsen. »In der Kernwetterau gab es über den Vergleichszeitraum 1991 bis 2020 erst 70 Prozent der Niederschläge - das ist eher knapp und kein Grund zur Entwarnung bei Bodenfeuchte und Grundwasserneubildung. Richtung Vogelsberg und Richtung Gießen hat es mehr geregnet.«

Nun nähert sich das Frühjahr und damit der Neustart der Feldarbeit. »Derzeit stehen vor allem die Rapsbestände aufgrund der warmen Witterung schon in den Startlöchern«, berichtet Rahn-Farr. Da seien bereits Bodenproben gezogen worden, um den Reststickstoffgehalt (»N-min«) im Boden zu messen. »Denn darauf beruht die Ermittlung des Düngebedarfs der Pflanzen.«

Auch mit den ersten Schädlingen - etwa dem Stängelrüssler im Raps - sei aufgrund der warmen Witterung zu rechnen. Das müsse man gut im Auge behalten, beispielsweise mit Gelbschalen (ein Instrument zur Erfassung von Insekten), damit man den Befall erkennen und quantifizieren kann. Ganz nach dem sogenannten Schadschwellenprinzip im integrierten Landbau: »Ein Eingriff wird nur gemacht, wenn diese Schadschwelle überschritten wird und der Einsatz wirtschaftlich sowie ökologisch vertretbar ist. Die Ackerbauberater des LLH helfen uns dabei.«

Eine Prognose zu den Ernteaussichten mit dem warmen Winter im Rücken wäre derzeit aber reine Glaskugelleserei. »Dafür ist es definitiv zu früh. Es können durchaus noch Kahl- oder Spätfröste kommen. Der Ertrag wird dann im weiteren Verlauf von den Niederschlägen und den Sonnenstunden abhängen«, so die Verbandsvorsitzende.

Exorbitant hohe Düngerpreise

Was allerdings bisher noch schwer abzuschätzen ist, sind Ertragsminderungen aufgrund der exorbitant hohen Mineraldüngerpreise. »Hier kann es sein, dass Dünger gespart wird. Dies hat Auswirkungen auf Erntemengen und auch die Qualitäten, zum Beispiel beim Brotweizen.«

Ähnlich wie der Forst sind auch die Bauern unmittelbar vom Klimawandel betroffen, nicht zuletzt durch Stürme bis hin zu Orkanen, Starkregen oder insbesonder durch extreme Trockenheit. Die letzten sehr trockenen Jahre seit 2018 haben daher auch die Diskussion befeuert, auf resistentere Früchte zu setzen. »Die Erfahrungen der letzten Jahre mit Hitze und Trockenheit haben dazu geführt, dass auch hier bei uns in der Wetterau mit anderen Früchten gearbeitet wird. So hat zum Beispiel der Sojaanbau zugenommen. Noch zu den experimentellen Früchten mit geringen Flächenanteilen gehört die Kichererbse.«

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