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Freude über Christi Geburt

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Von: Holger Hachenburger

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Mit Solisten punktet die Harmonie: Michael Dönges spielt mit dem Euphonium das »Carrickfergus«. © Holger Hachenburger

Reichelsheim (hh). »Ihr habt das Gespür, was die Leute hören mögen«, schwärmte ein Zuhörer nach dem Adventskonzert in Dorn-Assenheim von Gesangverein Concordia und Musikverein Harmonie. Das Lob galt auch Chorleiter Tobias Lipka und Dirigent Andreas Schmidt. Beide hatten festliche Chor- und Instrumentalmusik mit temperamentvollen Arrangements zu einem ansprechenden Mosaik zusammengeführt.

Und so lautete denn die Devise in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena: zurücklehnen und genießen.

Faible für Musik aus dem Alpenland

Virtuos und filigran mit dem Gespür für die Klangfarben einer zweimanualigen Orgel bereicherte Kantor Dr. Ralf Schäfer den Nachmittag. Nach einer festlichen und zugleich tänzerischen Hallelujah-Suite brachte er mit ausgewählten Variationen von »Morgen kommt der Weihnachtsmann« das Instrument vielfältig zur Geltung: vom leisesten Register in Moll bis zur kraftvollen Intonation im furiosen Finale.

»Mein Chor hat ein Faible für alpenländische Musik«, verriet Lipka nach einem Stop bei den Schürzenjägern und den Kastelruther Spatzen. Mit einer fein abgestimmten Satztechnik erzählten die Sänger eine berührende Geschichte voller Sehnsucht und Fantasie. Bei »Weihnachten, wie’s früher war« fehlten nur noch krosse Plätzchen. »Das ewige Lied« hingegen handelt von der Stillen Nacht, das Lipka mit der gleichnamigen Weise kombinierte. Dabei zeigte die Concordia in den hohen Passagen des vierstimmigen Satzes Könner-Qualitäten.

Ein Schuss Irland, eine Prise Jazz

Später begleitete Lipka die Sopranistin Antonia Finkeldey am Klavier. Das eingespielte Team präsentierte sich mit einer gefühlvollen Piano-Version der Ballade »Have Yourself a Merry Little Christmas«.

Danach wurde es mal klassisch, mal swingend. Mit dem »Weihnachtsstern« und der »Nacht von Bethlehem« ließ der Chor die besondere Atmosphäre der Heiligen Nacht spürbar werden. Dabei profitierte das Klangbild von der Kooperation mit der Beienheimer Eintracht. Deren Sänger unterstützten drei Lieder, was den Chorleiter ins Schwärmen brachte: »Der ganze Auftritt, das ganze Zusammenspiel, das war fantastisch.«

Mit Soli auf für den Verein teils untypischen Instrumenten übernahm die Harmonie. Filigran navigierte Dietmar Mittig seine F-Tuba weit über das hinaus, was ein Tubist landläufig leistet. Sein Bekenntnis »Für Theresa« zeigte sich in einem bemerkenswerten Tonumfang und spielerisch flotten Passagen. Zudem beeindruckte das Zusammenspiel des Leitmotivs mit Jazzelementen in den einzelnen Registern.

Auch die Ballade »Carrickfergus« weiß ein Blasorchester vor neue Aufgaben zu stellen. Dazu nehme man einen Schuss Irland, eine Prise Jazz, mische dies symphonisch und harmonisiere die Instrumentalstimmen untereinander. Solist Michael Dönges ist im Verein eine Bank und gab diesmal mit dem Euphonium den Takt vor. So erklang das Stück voller und schöner, was der Dirigent, nach einer Erläuterung gefragt, kommentierte: »Das kann ich nicht beschreiben, das muss man gehört haben.«

Die Freude über Christi Geburt kennt viele Facetten. Mit »Marys Boy Child« und jeder Menge Percussion zauberte die Harmonie zunächst die Karibik mit Calypso-Flair ins Kirchenschiff. Im Bigband-Sound folgten das andächtige »Adeste Fidelis«, ein hoffnungsvolles »Gloria«, gepaart mit leuchtenden Kinderaugen, die sich über eine Muh, eine Mäh oder eine Täterätätä freuen. Beim festlichen »O Sanctissima« schließlich verknüpften die Musiker barocke Fragmente geschickt mit der Melodie des »O du fröhliche«.

Mit Popmusik der 80er Jahre bog die Harmonie schwungvoll in die Schlussgerade. Das fetzige »Merry Christmas everyone« von Shakin’ Stevens traf den Geschmack des Publikums: Es swingte mit und forderte lautstark eine Zugabe.

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Ein Dirigent, zwei Vereine: Tobias Lipka am Klavier mit Sängerinnen und Sängern aus Beienheim und Dorn-Assenheim. © Holger Hachenburger

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