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Florian Repp ist »Lehrling des Monats«. Gute Kräfte sind immer auch eine gute Werbung fürs Handwerk selbst, finden (v. l.): Stefan Füll, Matthias Fritzel, Helge Rühl und Ausbilder/Vater Alexander Repp.

»Lehrling des Monats«

Meisterprüfung als nächstes Ziel für Weckesheimer Florian Repp

  • Dagmar Bertram
    VonDagmar Bertram
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Florian Repp ist gerade als »Lehrling des Monats« ausgezeichnet worden. Außerdem hat der Weckesheimer schon einen Wettbewerb gewonnen. Froh ist seine Familie aber nicht nur darüber.

Metallgestaltung erfordert Feingefühl: Für seine drei Kerzenständer hat Florian Repp an der Berufsschule eine Eins bekommen. Auch seine anderen Arbeiten können sich sehen lassen. Mit einer blauen Ruhebank hat er 2018 den Wettbewerb »Metallbau setzt Akzente« gewonnen. Nun ist der 21-Jährige aus Weckesheim zum »Lehrling des Monats« gekürt worden. Sein Chef - und Vater - ist dankbar. Aber aus einem anderen Grund.

Vor zwei Jahren war nicht abzusehen, wann Florian Repp seine Ausbildung zum Metallbauer wieder aufnehmen kann. Der damals 19-Jährige war bei einem Autounfall schwer verletzt worden. Zwei andere Menschen starben, weil ein Mann unter Drogeneinfluss mit seinem Pkw auf die Gegenspur geraten war.

Heute, zwei Jahre später, steht Florian Repp wieder in der Werkstatt seines Vaters und seines Großvaters in Echzell. Durch die langwierigen Folgen des Unfalls musste der junge Mann seine Ausbildung zwar um ein Jahr verlängern. Seiner beruflichen Leistung ist die Auszeit aber nicht anzumerken. Gerade ist der 21-Jährige von der Handwerkskammer Wiesbaden als »Lehrling des Monats« ausgezeichnet worden.

Die Kriterien für den Preis sind unter anderem gute (Berufs-)Schulnoten, Verantwortungsgefühl, Zuverlässigkeit, Freundlichkeit und Fachkompetenz. Dass Florian Repp all dies vorweisen kann, kam am Freitag bei der Preisverleihung mehrfach zur Sprache. Ebenso, wie motiviert und engagiert er sei, was sich etwa im Erwerb von Zusatzqualifikationen ablesen lasse. Neben seiner Zuverlässigkeit und Selbstständigkeit zeichne ihn aus, dass er auch gerne seine Freizeit investiere, um anderen Jugendlichen seine Berufsinhalte zu demonstrieren. Weil ihn aber noch etwas ausmacht, nämlich Bescheidenheit, merkte man ihm an, dass es ihm ein bisschen viel Aufhebens um seine Person ist.

50-Jähriges steht bald an

Eine Ausbildung im Betrieb der Familie? »Klar, einfacher geht’s ja nicht«, mögen manche denken. Dass es mitnichten so ist, darauf wies Mutter Andrea hin: »Es ist schwierig, dem Vater alles recht zu machen - nicht nur dem Chef.«

Hinzu kommt, wie Handwerkskammerpräsident Stefan Füll aus eigener Erfahrung berichtete: »Man steht als Sohn des Chefs unter besonderer Beobachtung der Kollegen.« Später erweise es sich aber als Vorteil, den Beruf von der Pike auf gelernt zu haben: Man werde in einer Führungsposition eher anerkannt.

Bis dahin ist es bei Florian Repp noch eine Weile hin. Vater Alexander leitet die von Großvater Klaus 1972 gegründete Metallbau Repp GmbH, die bald vom Echzeller Sauerborn ins Berstädter Industrie- und Gewerbegebiet umziehen wird. Wie bald, hängt unter anderem davon ab, wie sich die Beschaffung und auch die Kosten des Baumaterials entwickeln. »Ich hoffe 2022 auf einen massiven Stahlpreisverfall«, sagt Alexander Repp und lacht. In der Zwischenzeit werden Archäologen das 15 000 Quadratmeter große Gelände untersuchen. Immerhin: Mit bedeutenden Funden und damit einer weiteren Verzögerung ist nicht zu rechnen.

Wie weit die Arbeiten im nächsten Sommer auch gediehen sein werden: Dann soll in Berstadt das 50-jährige Bestehen des Familienbetriebs gefeiert werden, »nach derzeitigem Stand in einem Zelt«, kündigt Alexander Repp an.

Kleine Klasse mit Metallgestaltern

Zu diesem Zeitpunkt will Florian Repp seine dann vierjährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben: Vor wenigen Tagen hat er die schriftliche Prüfung abgelegt, im Februar folgt der praktische Teil. Wie sein Opa hat er den Schwerpunkt auf Metallgestaltung gelegt, im Gegensatz zu Konstruktion, was eher seinem Vater liegt und auch seiner Schwester Leonie (17), die im ersten Ausbildungsjahr ist.

Das Kreative bis Künstlerische der Metallgestaltung ist weniger weit verbreitet: In Florian Repps Klasse an der Gewerblichen Schule Göppingen sitzen gerade einmal zehn weitere junge Männer aus mehreren Bundesländern. Mit einem von ihnen will er als nächstes Ziel die Meisterprüfung angehen.

Für seinen Vater aber noch viel wichtiger ist: »Ich bin einfach nur dankbar, dass es ihm wieder gut geht.«

INFO:

Seit 1999 wirbt die Handwerkskammer Wiesbaden mit monatlichen Porträts von Auszubildenden, die durch außergewöhnlich gute Leistungen auffallen, für qualifizierten Nachwuchs im Handwerk. Der »Lehrling des Monats« erhält eine Armbanduhr und eine Urkunde. »Das ist eine gute Möglichkeit, um aufs Handwerk aufmerksam zu machen«, sagte Matthias Fritzel, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Auch Helge Rühl, Geschäftsführer des Fachverbands Metall Hessen, sieht darin einen kleinen Baustein, um gegen den Fachkräftemangel vorzugehen.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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