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Reichelsheim: »Trauriger Höhepunkt« im Revier - In einer Woche sterben sechs Rehe

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Von: Kim Luisa Engel

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Ín der Winterzeit kommt es vermehrt zu Wildunfällen, oft mit tödlichem Ausgang - wie zuletzt in Weckesheim. Christiane Pfarrer möchte dafür sensibilisieren. (Symbolfoto)
Ín der Winterzeit kommt es vermehrt zu Wildunfällen, oft mit tödlichem Ausgang - wie zuletzt in Weckesheim. Christiane Pfarrer möchte dafür sensibilisieren. (Symbolfoto) © Reiner Bernhardt/Imago

Im Reichelsheimer und Weckesheimer Jagdrevier sind in einer Woche sechs Rehe bei Autounfällen getötet worden. Eine Expertin gibt Tipps, wie sich so etwas im Winter vermeiden lässt.

Reichelsheim – Im vergangenen Jahr sind in den Jagdrevieren Reichelsheim und Weckesheim etwa 20 Rehe durch Verkehrsunfälle getötet worden. Das berichtet Christiane Pfarrer, deren Mann Klaus einer der Jagdpächter in Weckesheim ist. Kürzlich sei es zu einem traurigen Höhepunkt gekommen: In einer Woche seien sechs Rehe in beiden Revieren durch Autounfälle getötet worden. Den Jagdpächtern, so schreibt Pfarrer, bleibe dann nur die traurige Aufgabe, die »zumeist unverwertbaren Tiere zu entsorgen«. Sie seien ratlos.

In ihrem Schreiben an diese Zeitung möchte sie versuchen, die Bevölkerung aufzuklären - und damit vielleicht auch den »ein oder anderen Wildunfall zu verhindern«. Ein Grund für die gehäuften Wildunfälle liege sicher auch in der territorialen Lebensweise des Rehwildes. Im Sommer lebten kleine Grüppchen zusammen, die ein bis drei Tiere umfassen und jeweils ein Territorium besetzten. Ihre Deckung, also den Schutz, fänden sie leicht in hochgewachsenen Äckern und Hecken - so seien sie meist unsichtbar.

Reichelsheim: Tiere bei Unfälle getötet – Bevölkerung aufklären durch hilfreiche Tipps

Im Winter, wenn keine Deckung vorhanden ist, würden Rehe ihre Territorien zugunsten der Sicherheit in größeren Gruppen aufgeben und Orte aufsuchen, an denen sie einen guten Überblick hätten und ihren Feinden ausweichen könnten. Deshalb sehe man jetzt Gruppen - sogenannte Sprünge - von acht bis 15 Tieren, die bei schönem Wetter, wenn viele Spaziergänger unterwegs seien, häufig große Strecken flüchteten - denn der artspezifische Sicherheitsabstand sei bei der hohen Wegedichte in den hiesigen Feldern kaum einzuhalten. Dabei komme es auch vor, dass Landstraßen überquert und Tiere dabei von Fahrzeugen erfasst würden.

In der Dämmerung und am Abend suchten die Rehe dann Plätze mit guter Nahrung auf, die zum Teil sehr dicht am Ort lägen. Dabei nutzten sie die Nähe zu Hecken, Wäldchen und Gebüschen, um schnell in Deckung gehen zu können. Wenn sie zu dieser Zeit durch Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer - mit oder ohne Hund - aufgeschreckt würden, flüchteten die Rehe oft planlos, schreibt Pfarrer. »Nur weg von der Gefahr. Dabei nehmen sie die Straße natürlich nicht als tödliche Zone nicht wahr.«

Reichelsheim: Hunde an der Leine führen

Aus diesem Grund appellierten die Jagdpächter an alle, die mit ihrem Verhalten Einfluss auf das Geschehen nehmen könnten. Das seien Naturliebhaber wie Spaziergänger und Hundebesitzer, aber auch Jogger und Radfahrer. Pfarrer bittet: »Führen Sie Ihre Hunde gerade in der Dämmerung und im Dunklen an der Leine. Denn auch wenn Ihr Hund gut hört, kann er in Versuchung geraten, und Sie als Besitzer sehen nicht, welchem gutem Duft er folgt.« Außerdem sollte allgemeine Beunruhigung vermieden werden. Das betreffe auch Junghasen, die nur einmal in der Nacht von der Häsin gesäugt würden. Bei Störungen könne dies nicht stattfinden, und die kleinen Hasen müssten weitere 24 Stunden auf ihre nächste Mahlzeit warten. »Oft zu spät«, sagt Pfarrer.

Spaziergänger sollten besonders bei Dämmerung und nachts auf festen, betonierten Wegen bleiben. »Vermeiden Sie es, Graswege zu benutzen, insbesondere die entlang von Hecken und Gebüschen, denn diese werden als Übergangsbereich von vielen Wildtieren genutzt«, warnt Pfarrer. Auch am Tag sollte darauf geachtet werden, dass Hunde nicht auf augenscheinlich »leeren Feldern« laufen. Denn Hasen und Rebhühner fänden auch dort noch Deckung, und die ersten Junghasen säßen schon jetzt - von ihren Müttern getrennt - in kleinen Mulden. Altgrasstreifen und Ausgleichsflächen - wo die Vegetation noch hoch ist und viel bessere Deckung bietet - sollten weder von Menschen noch von Hunden betreten werden.

Reichelsheim: Abblenden und langsam fahren

Pfarrer: »Als Autofahrer können Sie mit angepasster, vorsichtiger Fahrweise Ihr eigenes Risiko vermindern, in einen Wildunfall verwickelt zu werden.« Tauche Wild im Lichtkegel auf, sollte der Fahrer abblenden und so langsam wie möglich auf es zufahren. Auch wenn bereits ein oder mehrere Stücke Wild die Straße überquert hätten, könnten weitere folgen.

Sollte es doch zu einem Unfall gekommen sein, sollte der Fahrer die Stelle markieren und den Jagdpächter informieren. Sei dieser nicht bekannt, sollte die Polizei kontaktiert werden. Auch wenn es zunächst den Anschein habe, dass ein Stück Wild noch weggesprungen sei, liege es meist in der Nähe und sollte schnell erlöst werden. Christiane Pfarrer schreibt: »Das machen die Jagdpächter.« (Kim-Luisa Engel)

Bei einem schweren Unfall in Reichelsheim im Wetteraukreis hatte ein Mann (19) einen Schutzengel dabei,

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