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Hier in Rendel fahren die Busse in Richtung Gronau, allerdings nach Meinung einiger Bürger viel zu selten.

Ortsbeirat und Pendler enttäuscht

Rendel: Kein zusätzlicher Bus nach Gronau

Wer in Rendel wohnt und mit dem ÖPNV nach Frankfurt fährt, muss per Bus erst zum Bahnhof Groß-Karben, um dort in die S6 einzusteigen. Kürzer und direkter wäre es, er würde nach Gronau fahren und dann in die Niddertalbahn steigen. Aber so einfach ist das nicht.

Karben - Um mehr Pendlern den Weg über Gronau zu ermöglichen, müsste der Bus von Rendel nach Gronau aber häufiger als jetzt fahren. Stadt und Verkehrsgesellschaft haben diese Forderung aus Rendel geprüft und kommen zu ernüchternden Ergebnissen. 

In Rendel geht kaum eine Ortsbeiratssitzung über die Bühne, in der nicht die Forderung nach besseren Anbindungen des Stadtteils an den öffentlichen Nahverkehr, vor allem an die Niddertalbahn, gefordert wird. Das hat seine Gründe. Denn wer in Rendel wohnt, muss mit dem Linienbus 74 zunächst durch Klein- und Groß-Karben zum Bahnhof Groß-Karben kurven. Dort hat er Anschluss an die S6. Deutlich kürzer und schneller wäre ein Bus-Weg zum Gronauer Bahnhof, wo die Pendler nach Frankfurt in die Regionalbahn 34 umsteigen könnten. 

Nachmittags nicht besser 

Doch lediglich an die Regionalbahnen um 6.24 Uhr, 7.21 Uhr, 8.18 Uhr und 15.49 Uhr ist dieser Anschluss möglich. Nachmittags sieht es nicht besser aus: 15.36 Uhr, 16.36 Uhr und 17.33 Uhr lauten die Ankunftszeiten am Gronauer Bahnhof, wenige Minuten später setzt sich der 74er Bus in Richtung Karben in Bewegung. Durchfahrende Busse nach Bad Vilbel gibt es ohnehin nur noch zwei, und das nur an Schultagen. Viele Rendeler hätten eine solche Verbindung gern häufiger, denn sie würde eine Alternative zur häufig unpünktlichen S-Bahn darstellen, mit der die Anschlüsse an die Linienbusse nicht erreicht werden. Die Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Soziales und Kultur, die CDU-Politikerin und Pendlerin Sabine Helwig, hatte im Januar vergangenen Jahres öffentlich Alarm geschlagen. "So geht das nicht weiter." 

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Bezogen hatte sich das auf die Verspätungen der S-Bahn und die verpassten Anschlüsse an die Stadtbusse. Daraufhin brachte die CDU-Fraktion einen umfangreichen Antrag zum ÖPNV ein. Eine der Forderungen: eine halbstündliche Busverbindung Bad Vilbel-Gronau-Rendel-Karben, und das auch nach 18 Uhr. Doch auch in den Ortsbeiratssitzungen Ende des vergangenen und Anfang diesen Jahres hatten sich unzufriedene Bürger geäußert. Sie sehen nicht nur morgens Probleme mit dem Busverkehr, sondern auch abends. Der Ortsbeirat forderte deshalb "einen zusätzlichen Linienbus ab Gronau, um die Fahrgäste mitzunehmen, die um 18.07 Uhr mit der Niddertalbahn aus Frankfurt kommen". Eine unzufriedene Bürgerin ist auch Alexandra Hück. "Wenn man mehr Anschlüsse über Gronau schaffen würde, wäre das für uns Berufstätige zuverlässiger, als die Anschlüsse an die S-Bahn, die häufig nicht pünktlich ist." 

Keine Fahrer mehr 

Der Magistrat hatte den einstimmig verabschiedeten Stadtverordnetenantrag und die Ortsbeiratsanfrage an die zuständige Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO geleitet. Denn diese vergibt die Aufträge für die Fahrten an Unternehmen. In Friedberg hat man nach Angaben von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) einmal die verschiedenen Busunternehmen angeschrieben, ob sie Interesse hätten, eine solche Verbindung zu fahren und was diese kosten würde. Das Ergebnis ist laut Rahn: Nur zwei Fahrten mehr auf dieser Verbindung würden rund 89000 Euro pro Jahr kosten. Noch ernüchternder: Lediglich ein einziges Busunternehmen habe sich auf die VGO-Anfrage hin gemeldet. 

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Zudem hätten die Busunternehmen im Kreis signalisiert, dass sie nicht genügend Personal hätten. "Gerade zu den morgendlichen Berufsverkehrszeiten sind keine Fahrer da", berichtete das Stadtoberhaupt dieser Tage im Haupt- und Finanzausschuss, der sich häufiger mit Verkehrsfragen befasst. Eine bessere Anbindung von Rendel nach Gronau scheitert mithin gleich aus mehreren Gründen. Da bleibt Pendlern dann also nichts anderes übrig, als den Umweg über Groß-Karben und die S-Bahn zu nehmen. 

Holger Pegelow


Kommentar: Nur ein besseres ÖPNV-Angebot zählt 

Es gab Zeiten, da ist man tagsüber im Stundentakt von Karben über Rendel und Gronau nach Bad Vilbel gekommen. Zugegeben: Die Masse hat nicht im damaligen 26er Bus gesessen. Aber er stellte doch eine wichtige Verbindung in die größere Nachbarstadt her. Als diese Buslinie geteilt und zur Linie 74 wurde, haben die Verantwortlichen gleich noch die Direktverbindungen nach Bad Vilbel gekappt. Gewiss gab es gute Gründe, den 26er Bus neu zu strukturieren, denn er war wegen seines langen Weges ständig verspätet. Zudem war diese Linie dem Rhein-Main-Verkehrsverbund wegen seines Parallelverlaufs zur S6 sowieso ein Dorn im Auge. 

Dennoch zeigt das Beispiel, dass sich die ÖPNV-Verbindungen für die Rendeler verschlechtert haben. Sie haben fast keine alternativen Fahrtmöglichkeiten zur S6. Kein Wunder, dass immer wieder Forderungen kommen, das Angebot gerade in diesem Ortsteil zu verbessern. 

Aber alle Versuche, das Rad zurückzudrehen, sind zum Scheitern verurteilt. Zu teuer! Es geht wieder ums liebe Geld und weniger um den Service für den Bürger. Schon seit Jahren schaut der RMV akribisch darauf, dass kein, wie er es nennt, unwirtschaftlicher Parallelverkehr herrscht. Es ist in Zeiten des Klimawandels gar nicht mehr zu verstehen, warum die alten Denkmuster nicht über Bord geworfen und den Leuten ein besseres Bus- und Bahn-Angebot gemacht wird. Nur bei gutem und preiswertem ÖPNV kann man Leute vom Auto weglocken, zumindest für den Weg zur Arbeit.

Holger Pegelow

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