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„Einmaliger Fund“ in Hessen: Archäologen entdecken hunderte Gräber

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Wissenschaft und Politik in Zusammenarbeit (v. l.): Dr. Jörg Lindenthal, Hardy Prison, Matthias Walther, Olga Schneider, Berthold Antony in Rockenberg in der Wetterau.
Wissenschaft und Politik in Zusammenarbeit (v. l.): Dr. Jörg Lindenthal, Hardy Prison, Matthias Walther, Olga Schneider, Berthold Antony in Rockenberg in der Wetterau. © PKU

In Rockenberg im Wetteraukreis haben Archäologen weitere Gräber der Germanen entdeckt. In dem größten antiken Grabfund Hessens liegen auch viele Kindergräber.

Rockenberg – „Wir haben es hier mit einmaligen Stücken zu tun, die möglicherweise die Geschichte umschreiben werden“, begann Hardy Prison, Bezirksarchäologe vom Landesamt für Denkmalpflege, seine Vorstellung der Grabungsfunde auf dem Feld zwischen Rockenberg und Oppershofen.

Auf der Gemeindebedarfsfläche, die unter anderem für den Bau eines Hauses für die Feuerwehr verwendet werden soll, fanden die Archäologen insgesamt 330 germanische Brand- und 71 Körpergräber, die Beigaben wie Schmuck, Waffen oder Werkzeuge enthielten. Unter anderem ein Bronzehalsreif, der „sonst nur Ähnlichkeiten mit einem Fund aus Norwegen aufweist“, sagte Hardy Prison.

Antike Schale aus Rockenberg (Wetteraukreis).
Antike Schale aus Rockenberg (Wetteraukreis). © PKU

Ein wahrer Rekordfund – Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal ordnete ein: „Das bisher größte Grab aus der Antike, das in Hessen gefunden wurde, war in Lampertheim und hatte gerade mal ein Fünftel des Volumens im Vergleich zu dieser Ausgrabung.“ Die Wissenschaftler berichteten, dass die Gräber und Stücke hauptsächlich aus der Zeit der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts stammen und bis ins fünfte Jahrhundert hineinreichen.

Archäologischer Massenfund in der Wetterau: „Überraschend viele Kindergräber“

Die Archäologen bergen eine Holzkiste aus dem Grab eines jungen Kämpfers in Rockenberg (Wetteraukreis). Was sich in der Kiste verbirgt, wird die Aufbereitung der Funde zeigen.
Die Archäologen bergen eine Holzkiste aus dem Grab eines jungen Kämpfers in Rockenberg (Wetteraukreis). Was sich in der Kiste verbirgt, wird die Aufbereitung der Funde zeigen. © PKU

Damit lassen sich die Artefakte auf die Übergangszeit zwischen der Antike und dem Mittelalter datieren, über die allen voran im germanischen Raum nur sehr wenig bekannt sei. „Durch den Untergang des römischen Reiches sind aus dieser Umbruchsphase nur wenige Schriftquellen vorhanden“, erklärte Dr. Lindenthal und sagte weiter: „Die Ausgrabung können zu einem wichtigen Puzzleteil werden, um die hessische und deutsche Landesgeschichte weiter zu komplettieren und mehr über die Geschichte der Wetterau zu erfahren.“

Durch die Witterungsverhältnisse in der Wetterau und das abschüssige Gelände konnten „überraschend viele“ Kindergräber, Schwertgräber und Schalen oder Gefäße, die auf Handel zwischen Römer und Germanen hindeuten, im sehr gut erhaltenen Zustand gefunden werden, erklärte Dr. Lindenthal. Letzteres überraschte die Archäologen, da die Römer mit der Aufgabe des Limes um 260 n. Chr. nicht mehr in der heutigen Wetterau anwesend waren. Römische Ware bei germanischen Gräbern aus dieser Epoche zu finden sei demnach eine Rarität, da die Wissenschaft davon ausging, dass die Germanen und Römer zu diesem Zeitpunkt in dieser Region keinen Handel mehr betrieben haben.

Die Grabungsstätte in Rockenberg (Wetterakreis) von oben in.
Die Grabungsstätte in Rockenberg (Wetterakreis) von oben in. © PKU

Nachdem die Ausgrabung nun beendet ist, gilt es für die Archäologen, die Funde für die Allgemeinheit aufzuarbeiten. Die Überreste und Artefakte werden nun nach Wiesbaden ins Landesamt für Denkmalpflege gebracht, um sie dort zu restaurieren. „Die Stücke gehören dem Land Hessen und damit den Bürgern. Wir wollen die Funde irgendwann ausstellen und können uns vorstellen, eine gemeinsame Ausstellung mit dem Wetteraukreis auf die Beine zu stellen“, sagte Hardy Prison. Der Bezirksarchäologe rechnet damit, dass „Rockenberg mindestens in der Forschung zu einem Begriff wird“.

Grabungsstätte als 3D-Modell: Aufarbeitung in der Wetterau könnte Jahre dauern

Doch bis dies Eintritt wird es noch eine Weile dauern. Hardy Prison geht davon aus, dass die Aufarbeitung der Funde drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen wird. Der Wissenschaftler führte weiter aus: „Wir werden mit den modernsten Techniken arbeiten, um möglichst viel herauszufinden und es für Interessierte zugänglich zu machen.“

Geplant sei, die Grabungsstätte in einem 3D-Modell nachzubilden. Durch den guten Zustand der Skelette hoffen die Archäologen, dass es denn Anthropologen möglichen ist, nachzuvollziehen, ob die Toten untereinander verwandt waren oder sie aus anderen Regionen in die heutige Wetterau zugezogen waren. (red)

Erst kürzlich hatten Archäologen „bizarre“ Funde in der Grube Messel bei Frankfurt gemacht.

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