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Wollen wieder mehr Wetterauer Apfelsorten anbauen: Volker Thoma, Steffen Rehde und Klaus-Dieter Kneip verantworten das Projekt. Foto: Privat

Obstanbau in der Wetterau

Kelterei Rapp's will heimischen Äpfeln zur Blüte verhelfen

Sie heißen Zitronenapfel, Relinda, Topaz oder Hilde. Die Namen stehen für Kelteräpfel, die von der Karbener Kelterei Rapp’s gern zur Herstellung von Saft und Wein verarbeitet werden. Doch weil es immer weniger heimische Kelteräpfel gibt, hat das Unternehmen nun ein eigenes Projekt gestartet.

Die Stadt Rosbach hatte den Bürgern angeboten, ihre Streuobstwiesen zu pflegen. „Doch die Resonanz war gleich null“, sagt Stadtrat Heinz Sill (SPD). „Da gammeln viele Flächen leider vor sich hin.“ Die Gründe kennen er und die Verantwortlichen der Karbener Kelterei nur allzu gut. Der ehemalige Geschäftsführer Klaus-Dieter Kneip nennt gleich mehrere: „Viele Bäume fallen Bauplätzen zum Opfer.“ Zudem könnten sich die älteren Leute, die früher noch Äpfel gepflückt haben, nicht mehr kümmern. Dort, wo Naturschutzverbände die Pflege von Streuobstwiesen übernommen haben, werde das Obst für den Eigenbedarf verwendet. Die Folgen spürt Rapp’s deutlich: Es werde immer weniger Obst aus heimischen Streuobstwiesen angeliefert. Trotz Initiativen zur Förderung des Streuobstanbaus in Karben und Umgebung habe man den Rückgang der Anliefermengen heimischer Äpfel nicht stoppen können.

Deswegen ist der Safthersteller auf Apfellieferungen der Kelterei Kumpf aus dem Stuttgarter Raum angewiesen, sagt Geschäftsführer Volker Thoma. Beim Unternehmen möchte man aber wieder deutlich stärker auf heimische Apfellieferungen setzen. Deshalb hat man den ehemaligen Rapp’s-Geschäftsführer Kneip, in der Branche bestens vernetzt, als Leiter des Projektes Kelterobst-Wiesen eingesetzt. Er hat sich bundesweit nach ähnlichen Projekten umgesehen. Am Bodensee, im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern ist er auf Initiativen gestoßen, die Rapp’s nun auch – hessenweit einmalig – in der Wetterau umsetzt. In Rosbach an der Gemarkungsgrenze zu Friedberg hat der Ockstädter Landwirt Steffen Rehde eine drei Hektar große Musteranlage angelegt. Das Gelände hat er von der Hassia gepachtet, der Muttergesellschaft von Rapp’s.

Es handelt sich um 1500 junge Bäume der besonders geeigneten Kelterobstsorten Rewena, Relinda, Zitronenapfel, Topaz, Hilde und Sirius. Mit Obst kennt sich Rehde aus. Seit Generationen gibt es in Ockstadt den Familienbetrieb, der Kirschen, aber eben auch Äpfel anbaut. „Das ist eine gut geeignete Fläche“, freut sich Rehde, der sie im Auftrag von Rapp’s pflegen wird. Vertraglich ist festgelegt, dass das Obst ausschließlich an die Karbener Kelterei geht. Laufzeit: 25 Jahre. „Das ist für unseren Betrieb eine langfristig gute Perspektive“, sagt Rehde. Die Anlage ist in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde beim Wetteraukreis errichtet worden. Für die hofft Michael Schwarz, dass auch ökologische Vielfalt erreicht wird. Denn neben den Apfelbäumchen wird ein drei Meter breiter Blühstreifen entstehen, zudem sollen Nistkästen für Vögel entstehen.

Die Anlage wird mit einen Zaun versehen, der Hasen Durchschlupf ermöglichen soll. Außerdem gibt es eine Zusammenarbeit mit einem örtlichen Imker, dessen Bienenvölker rasche und ertragreiche Baumblüte ermöglichen sollen. In Zusammenarbeit mit der Gießener Universität soll die Tier- und Pflanzenwelt beobachtet und dokumentiert werden. „Wir sind froh, dass diese Flächen angelegt worden sind“, freut sich Schwarz. Zuvor sei dort Getreide angebaut worden. „Da gab es keine Insekten und Vögel mehr.“ Nun hofft die Naturschutzbehörde, dass sich nach einiger Zeit dort wieder Steinkauz und Neuntöter ansiedeln werden.

Die Kelterei hofft nicht nur auf guten Ertrag, sondern setzt darauf, dass dieses Beispiel Schule macht. Das Projekt zum nachhaltigen regionalen Obstanbau hat das Ziel, 300 Hektar mit Apfelbäumen aufzubauen und zu bewirtschaften. Darauf brennt jetzt Ex-Geschäftsführer Kneip. „Das Projekt wollte ich vor zehn Jahren schon machen. Aber das Alltagsgeschäft hat mir keine Zeit gelassen.“

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