So schnell waren die Helfer der Winzerfreunde wohl noch nie mit der Ernte fertig wie in diesem Jahr. Nicht nur in Rüsselsheim, sondern auch bei vielen Winzern im Rheingau haben das Wetter und der Mehltau zu erheblichen Ernteausfällen geführt. FOTO: ha
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So schnell waren die Helfer der Winzerfreunde wohl noch nie mit der Ernte fertig wie in diesem Jahr. Nicht nur in Rüsselsheim, sondern auch bei vielen Winzern im Rheingau haben das Wetter und der Mehltau zu erheblichen Ernteausfällen geführt.

Winzerfreunde

Magere Ausbeute am Weinberg

Wetter und der Mehltau setzen den Trauben in diesem Jahr zu

Rüsselsheim -Frust bei den Rüsselsheimer Winzerfreunden: So gering wie dieses Jahr ist die der Ertrag aus dem Weinberg in der Frankfurter Straße noch nie ausgefallen. Entsprechend schnell waren die 25 Helferinnen und Helfer am Samstagmorgen auch fertig und konnten sich einem deftigen Frühstück widmen.

Krankheitsbefall, das Wetter und rund 40 fehlende Rebstöcke hatten das Dilemma verursacht. Schätzte der zweite Vorsitzende der Winzerfreunde, Herbert Eberts, den Ertrag ursprünglich noch auf etwa 150 statt wie früher 300 Flaschen, machte Winzermeister Stephan Bigus vom Hochheimer Weingut Künstler, das die Trauben für den Verein verarbeitet, auch diese Hoffnung später zunichte.

Auf "ein paar Kilo" schätzte er die Ausbeute der Trauben, den Weinertrag auf etwa eine Korbflasche. Zu wenig, um jeden der mehr als 100 Mitglieder des Vereins eine Flasche zukommen zu lassen, wie das bisher der Brauch ist. Ein Fünftel des Weins muss der Verein dazu noch an die Stadt abgeben, die ihn zu besonderen Anlässen verschenkt. Zu kaufen ist der Rüsselsheimer Riesling nämlich nicht.

Bei strahlendem Sonnenschein

Bei strahlendem Sonnenschein und herbstlich kühlen Temperaturen machten sich die Mitglieder der Winzerfreunde an die Arbeit. Der Winzermeister hatte ihnen zuvor erklärt, dass sie nicht etwa die faulen Trauben, sondern eher die gesunden Trauben aussortieren sollten, denn das waren weniger als die verdorbenen Trauben.

Das kühle und nasse Wetter zu Jahresbeginn und dann das plötzliche und schnelle Wachstum der Reben habe nicht nur in Rüsselsheim, sondern bei vielen Winzern im Rheingau zu erheblichen Ernteausfällen geführt.

Hinzu kommt der Mehltau, der bei hoher Luftfeuchte ideale Bedingungen hat. Und dann sind da noch die Vögel, vor allem Stare, die gerne über die reifen Trauben herfallen. Normalerweise schützen die Winzerfreunde ihre Rebstöcke mit Netzen. Doch wegen des ohnehin absehbaren geringen Ertrags wurde dieses Jahr darauf verzichtet. Fatal, denn dadurch wurde der Ertrag noch mal geringer.

Keine optimale Lage

Die Lage des Rüsselsheimer Weinbergs ist laut Stephan Bigus alles andere als optimal. Nahe des Flusses und windstill gelegen, halte sich dort die Feuchtigkeit des Morgentaus auf den Blättern besonders lange, was den Mehltau begünstige. Doch an der Lage des Rüsselsheimer Weinbergs können und wollen die Winzerfreunde nichts ändern, erinnert er doch daran, dass im Bereich der heutigen Frankfurter Straße bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges mehrere Weinberge vorhanden waren und der Riesling in Rüsselsheim erstmals 1435 erwähnt wurde. So früh wie nirgendwo anders. Deshalb hat der Riesling seinen Ursprung im heutigen Rheingau, sondern in Rüsselsheim.

Die etwa 40 Rebstöcke im Rüsselsheimer Weinberg müssen teilweise wegen des Alters ersetzt werden, denn sie sind inzwischen rund 40 Jahre alt, teilweise aber auch wegen einer Pilzerkrankung in den Rebenstämmen.

Neue Rebstöcke Ende Oktober

Am 22. Oktober wollen die Winzerfreunde neue Rebstöcke setzen und im kommenden Jahr auf jeden Fall frühzeitig auch Netze spannen, damit der Vogelfraß vermieden wird, wie der zweite Vorsitzende sagte.

Wenn der Wein im Weingut Künstler in Flaschen abgefüllt wurde, geht er zurück zu den Winzerfreunden und wird dort mit Etiketten versehen. Jedes Jahr schmückt ein neues Motiv einer Künstlerin oder eines Künstlers aus Rüsselsheim die Flaschen. Die Etiketten für die Flaschen des Jahrgangs 2020, die in diesen Tagen aufgebracht werden, stammen von der Künstlerin Rosi Ebert. h.-dieter erlenbach

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