Stadt erstellt Kostenplan

Neues Schwimmbad am alten Ort

Die düstere Aussicht auf die Schließung des Rodheimer Schwimmbads scheint sich zu lichten: Die politischen Gremien sprechen sich einhellig für den Erhalt des sanierungsbedürftigen Schwimmbads aus.

Als Familienfreibad mit großer Liegewiese und getrennten Kleinkinderschwimmbecken sowie vielen alten Bäumen, die im Sommer angenehmen Schatten spenden, warb und wirbt das Rodheimer Schwimmbad weiterhin für Gäste. Doch das Bad, Baujahr 1953, ist mittlerweile in die Jahre gekommen, und die Liste des jährlichen Sanierungsbedarfs wird immer länger. Zudem verfügt das alte Bad über keine zusätzlichen Attraktionen wie Sprungsturm, Rutschen oder Whirlpools.

„Weil wir auch kein Schwallbecken im Untergrund haben, in dem das überlaufende Wasser am Rande aufgefangen und wiederaufbereitet wird, wird die Zulassung durch das Gesundheitsamt von Jahr zu Jahr schwieriger“, berichtet in der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Planungsausschusses der Leiter des Schwimmbads, Bernd Bock.

Die Wasserbecken seien zwar noch dicht, jedoch sorge dafür vor allem der jährliche Farbanstrich zu Beginn der Badesaison. Rund 10 000 Euro koste jedes Jahr das Fitmachen des Schwimmbades. Und da auch die Umkleidekabinen nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen, halte er eine vollständige Sanierung auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen durchaus für sinnvoll.

Heutige Anforderungen

Rosbachs Bürgermeister Thomas Alber (parteilos) geht auf die Vor- und Nachteile der Varianten Neubau und Sanierung ein und bezieht sich dabei auf ein von der Stadtverordnetenversammlung in Auftrag gegebenes Gutachten zu beiden Varianten. Er führt gleich mehrere Punkte an, die für einen Neubau an anderer Stelle sprechen, wie zum Beispiel die zahlreichen Beschwerden der Anlieger wegen der Lärmbelästigung im Sommer, die zu geringen Parkplatzflächen und die mangelnden Attraktionen des bisherigen Schwimmbads. Rund drei Millionen Euro würde die Sanierung verschlingen, während ein Neubau auf 4,8 Millionen Euro käme. Wobei die Stadt im Gegenzug rund zwei Millionen Euro für den Verkauf des bisherigen Schwimmbadgrundstücks einnehmen könnte.

Doch wie sich in der Ausschusssitzung herausstellt, gibt es keine Fraktion, die einen neuen Standort für ein neues Schwimmbad fordert. Der Vorschlag trifft auch bei den Bürgern nicht auf Gegenliebe. „Sie denken nur betriebswirtschaftlich, Herr Bürgermeister, lassen dabei aber völlig außer Acht, dass es sich bei unserem alten Schwimmbad um einen Treffpunkt aller drei Stadtteile handelt. Deshalb wollen sie jetzt auch noch unsere alte Heimat verkaufen“, erregt sich ein Herr aus Nieder-Rosbach.

Er erhält sogleich Zuspruch von einer Rodheimer Bürgerin: „Hier geht es um Lebensqualität. Der alte Baumbestand ist ein Traum. Den darf man nicht einfach so opfern.“ Auch die Vertreter der Fraktionen sprachen sich unisono gegen einen Neubau an anderer Stelle aus. „Das Gutachten gibt nicht die Stimmung der Bevölkerung wieder“, so Hans-Otto Jacobi (FDP).

Bäume erhalten

Auch für Jörg Egerter (CDU) ist der Neubau des Schwimmbads an anderer Stelle kein gangbarer Schritt. „Zum einen haben wir einen Stadtentwicklungsplan in Arbeit, den wir vor so großen Investitionen erst einmal beraten und beschließen sollten. Und zum zweiten sollten Sie sich für eine solch tendenziöse und fehlerhafte Vorlage schämen, Herr Bürgermeister. Hier geht es um ein identitätsstiftendes Bauwerk in Rodheim, ebenso wie der Glockenturm, den wir erst vor Kurzem mit städtischen Mitteln restauriert haben“, erregt sich Egerter. Auch der Hinweis des Bürgermeisters, dass es hier um Investitionen für die nächsten 30 bis 40 Jahre gehe und man das Schwimmbad auf dieses Weise konkurrenzfähig machen könne, verfing bei den Ausschussmitgliedern nicht mehr.

Nach zweistündiger Diskussion beschlossen sie, es bei dem alten Standort zu belassen und beauftragen nun die Verwaltung, sich auf die Erstellung eines realistischen Kostenplans für eine umfassende Sanierung des bisherigen Schwimmbads zu konzentrieren.

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